Meine liebe Lydia!

Ich bekam gestern die beiliegende Karte und den beiliegenden Brief. Dann von Dir das Paketchen mit den Bohnen. Letzteres habe ich heute Mittag gegessen. Es schmeckte ganz gut. Ich glaubte es wären grüne Bohnen gewesen. Neues ist seit gestern eigentlich garnicht passiert. Heute morgen hatten wir den üblichen Umzug von der Fasanerie nach hier. Gestern Nachmittag gegen 8 Uhr haben die unseren eine kleine Sprengung bei Höhe 60 gemacht. Es entstand einen Augenblick mal etwas lebhaft Feuer, doch dabei blieb es. Gestern haben die Engländer wieder mit schwerer Artillerie hinter Co… geschossen, wobei es einige Tote und Verwundete gegeben hat. Sonst ist die Lage ruhig und unverändert hier. Wohne jetzt in Villa Apollo, hier, mit noch 4 Untfz und meinem Burschen Drees zusammen. Soeben ist die ärztliche Untersuchung hier. Im übrigen ist etwas Arbeitsdienst. Die Witterung ist jetzt wechselnd, bald Regen, bald Sonnenschein. Dabei etwas frischer Wind. Es ist wie im Herbst. Heute werde ich noch wohl etwas Post von Dir erhalten, habe dann wieder mehr Stoff zum Schreiben. Nachher will ich noch etwas Besuch machen. Schäfer und Schröter will ich eben hier besuchen. Vielleicht wissen die etwas Neues. Husberg sah ich noch nicht wieder. Er soll wohl neidisch auf meine Beförderung sein, so ähnlich sprach auch Speckenbach, sonst hätte er mich schon mal aufgesucht, da er mal ganz dicht an mir vorbei gegangen ist und wußte, daß ich da war. Aber da kann ich ihm nun leider nicht helfen. Nun will ich noch eben an Untfz. Langer schreiben und dann ist inzwischen der Radfahrer hier, der die fertige Post mitnimmt und auch Post bringt. Hoffentlich seid Ihr noch alle recht gesund und munter. Gruß an Remscheids und unsere Beiden.
Besonders sei Du allerbeste vielmals und herzlichst gegrüßt und geküßt von
Deinem Ernst

Meine liebe Lydia!

Heute ist Sonntag. Aber der Soldat hat keinen Sonntag. Wenn Du hier in unsere Bereitschaft mal einen Einblick tun könntest, würdest Du staunen mit welchem Geschick die Leute arbeiten. Aus der Höhlenstadt haben wir in den 2 Tagen fast eine Gartenstadt gemacht. Vor uns hat hier ein anderes Regiment gelegen und die nicht mehr wie absolut nötig gewesen, gemacht. Wir machen uns hier das Leben eben so schön in dieser Hinsicht, wie es eben geht. Der Comp. Feldwebel ist gestern Nachmittag nach W. gegangen und kommt heute wieder. Holt zur heutigen Löhnung Geld und regelt sonst einige Geschäfte. Gestern der Tag war sehr ruhig. Die Nacht wurde ich gegen 3 Uhr wach. Es waren Schrapnells, die die Störung verursacht hatten. Hiergegen ist man allerdings sicher und nimmt weiter keine Notiz davon. Nur das Getöse ist etwas hart. Unser Artillerie und Minenwerfer hatten einen Feuerüberfall gemacht und waren die Schrapnells die Antwort. Sonst giebt es wenig Neues. –
Gestern bekam ich mit der Post Deinen Brief vom 7.d.M. und eine Karte von F.W. Letzterer teilt mir seine Beförderung zum Untfz mit, der Gefallene aus Husendemm [?] wird wohl der Förster von Bernh. Nöll sein. Betz Rathmecke habe ich gekannt. Die Grüße von Elly, Laura und Adele erwidere ich. Hoffentlich hat Elly Nachricht von Hugo bekommen. Morgen kommen wir voraussichtlich auf 3 Tage zum Knüppeldamm. Ich werden dann noch wohl wieder etwas von mir hören lassen können. War Emil am Sonntag nicht bei Dir? hast mir nichts darüber geschrieben oder habe ich seinen Brief nicht bekommen.
Gruß an unser l. Beiden. Auch an Remscheids. Besonders sei Du allerbeste vielmals gegrüßt und geküßt von
Deinem Ernst

Meine liebe Lydia!

Gestern und vorgestern bin ich nicht zum Schreiben gekommen. Den letzten Tag in Stellung hatte ich so allerhand um die Hand und wie ich Zeit hatte war der Radfahrer schon da gewesen. Gestern bin ich dann vor lauter Arbeit nicht dazu gekommen. Liegen in einem neuen Abschnitt in Alarmstellung, inmitten eines Waldes, ganz idyllisch. Doch die Unterstände waren zum Teil schlecht, besonders, den ich beziehen wollte. Und nun gab es nur Bauen, was den ganzen Tag in Anspruch nahm. Nun haben wir aber auch was feines. Allerdings muß man die Stuben, die ca. 1,30 m hoch sind, in gebückter Stellung begehen, und im Sitzen kann man den Kopf gerade tun. Der Comp. Feldwebel, der älteste Untfz und ich haben uns die Wohnung geteilt. Hat auch jeder an seinem Teil zu der Einrichtung beigetragen. Unsere Wohnung besteht aus Flur, Schlafstube und Wohnzimmer. Auch eine Veranda haben wir. In den 2 Tagen bekam ich folgendes mit der Post: Deinen Brief vom 5.7., 1 Karte von O. Wilke vom 5.7., 1 Paketchen mit 20 Cygarren von L. Holzhlg, 1 do von Lisettchen mit allerlei Süßem. Nun zu Deinem Briefe. (Dann bekam ich aber gestern noch 3 Kärtchen: von Egon, Lisettchen und Fritz Wilke.) Hast ja tüchtig Einkäufe gemacht. Da wird es wohl Winter werden, bis Du das alles fertig hast. Ihr werdet dann nun auch wohl den so sehnsüchtig erwarteten Regen bekommen haben. Du willst nicht haben, das [sic] wir lachen, wenn Du mir ein Muster schickst. Das ist auch kein boshaft lachen, aber Du mußt wissen, daß ich meistens mit jüngeren Leuten hier zu tun habe, die unverheiratet sind und die sich gern etwas Spaß machen und haben zumeist mit solchen Sachen etwas Hintergedanken. Zufällig fiel das Restchen bei Entfaltung des Briefes raus, sonst hätte es vielleicht keiner gesehen, denn uns persönlich angehende Sachen, verrate ich nicht. Ich bin Dir für die allergeringste Mitteilung dankbar. Ich bin jetzt immer beim 1. Zug als Stellvertreter; als Führer ist ein Leutnant. Beim 2. Zug ist auch 1 Leutnant, dieser ist jedoch krank und infolgedessen führt Müller solange den Zug. Ob ich übrig bin oder nicht, Urlaub wird wohl vor der Hand nicht zu haben sein. Müller fährt wahrscheinlich jetzt am 25. in Urlaub und bis zu seiner Rückkehr werde ich dann seinen Zug übernehmen müssen.
Dann haben Remscheids ja großen Besuch gehabt. Ja, es soll mich wundern, ob wie Du meinst, bis zur Obsternte der Krieg beendet ist. An Hugo will ich auch mal 1 Kärtchen schreiben, dann Otto und Fr. W., an Elise und Lisettchen und an die Holzhandlung. Neues hat es hier in den letzten Tagen sehr wenig gegeben. Den letzten Tag hatten wir noch einen Leichtverwundeten infolge Gewehrschusses. Trotzdem wir gegen Abend heftig mit kleinen Minen beworfen wurden, hatten wir weiter keine Verluste, nur einigen Materialschaden richteten sie an. Der am 2. Tage schwer verwundet wurde, ist seinen Verletzungen erlegen und wird heute in W. bestattet. 1 Gruppe ist zur Beerdigung dorthin gegangen. Die letzten Tage war ich etwas erkältet. Infolgedessen hatte ich erst am linken Auge, jetzt am rechten Auge ein Gerstenkorngeschwür. Es geht aber wieder besser. Man schwitzt manchmal sehr, dann legt man sich hin und friert dann etwas und schon hat man so etwas weg.
Egon freut sich ja aber über seine Geschenke sehr. Mein Brief ist dann ja zur rechten Zeit angekommen. Hast Du wegen der Steuern schon etwas unternommen? mit deinem Bruder Wilhelm zusammen, wie Dir Schulte angeraten hatte? Sonst nichts Neues, wenn Gott will morgen mehr. Gruß und Kuß an unsere l. Beiden und Elly und Remscheids. Besonders grüßt und küßt Dich, Allerbeste,
Dein Ernst
Eine Karte von den beiden Schlössern von der anderen Seite aus gesehen, wie die neulich geschickten, anbei. Jetzt ist allerdings von dem Schlosse links infolge schwerer Granaten das ganze Dach heruntergeschossen worden.

Meine liebe Lydia!

Gestern bekam ich keine Post. Heute morgen bekam ich durch unsern Radfahrer 2 Pakete, eines von Dir und einen von Geschwister Trimpop. Die Zwiebäcke habe ich gleich heute morgen zum Kaffee gegessen. Es war schon bereits 10 Uhr wie ich Kaffee getrunken. Die Nacht mußte ich revidieren von 9 – 12 Uhr. Die letzte Stunde hat es ziemlich geregnet. Dann habe ich geschlafen bis heute morgen um 8 Uhr. Dann wurde ich geweckt. Es waren 2 Pioniere da, denen mußte ich Arbeit anweisen. Hätte sonst am Ende noch ein paar Stunden geschlafen. Am Tage kann man vor den Fliegen nicht schlafen. Leider hatten wir in den ersten Morgenstunden gegen ½ 5 Uhr 1 Toten und 1 Schwerverwundeten. Ersterer war noch aktiv und diente im 3. Jahr, war schon früher verwundet worden und auch mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet und aus Pfalzburg im Elsaß gebürtig. Er war Untfz. Der Verwundete war Reservist und schon früher verwundet gewesen. Die Verluste entstanden infolge Handgranaten aus dem engl. Schützengraben. An dieser Stelle liegen wir uns auf ca. 30,00 m gegenüber. Jetzt ist es wieder sehr ruhig. Ab und zu schießt die Artillerie von beiden Seiten. Ein Buschmann Hohenlimburg war in Urlaub hatte ihm Grüße an den Uhrmacher und Emil und Lisette aufzugeben. Letzterer sagte er, hätte er nicht antreffen können, er sei 2mal vor die verschlossene Türe gekommen. Sonst weiß ich nichts Neues zu berichten. Wenn ich diesen Nachmittag Post von Dir bekomme, weiß ich dann morgen wieder mehr. An die Kinder schreibe ich dieser Tage auch ein Kärtchen. Gruß und Kuß für die Beiden. Besonders grüßt und küßt Dich, allerbeste,
Dein Ernst

Meine liebe Lydia!
Gestern empfing von Dir die beiden Briefe vom 1.7. mit der einliegenden Zeitung. Heute morgen um 5 Uhr haben wir unsere alte Stellung bezogen. Ich wohne in Villa „Siegmund“. Diese ist aber nicht so nobel, wie am Knüppeldamm meine Wohnung „Schrapnellecke“. Es fehlen Tisch und Bank und auch die Pritsche. Aber einen Strohsack habe ich. Gegen morgen setzte auf ungefähr 2 Stunden 1 heftiger Artilleriekampf ein. Jetzt ist es wieder ganz ruhig. Furchtbar warm ist es hier und – Fliegen. Du machst Dir keinen Begriff davon. Ich habe heute morgen meinen Posten als Comp. Bauführer angetreten und bin im Nebenamt stellvertr. Zugführer vom 1 Zuge. Meine Leute habe ich an der Arbeit. Um der Fliegenplage entgegen zu arbeiten, lasse ich alle Abfälle und Speisereste zusammensuchen. Diese werden dann in eigens dafür ausgegrabenen Müllgräben geworfen und sofort mit Erde überworfen. Unsere Notdurft verrichten wir auf Brillen mit unterstellten Fässern, die täglich an einem bestimmten Ort entleert werden. Jedesmal nach Benutzung wird der Kot mit einem Schaufel Erde überstreut. Auch Pissoirrinnen sind an verschiedenen Stellen im Graben angebracht. Der Urin wird in Fässer geleitet und diese auch wieder entleert. Zwischendurch werden Aborte und Pissoire mit Chlorkalk durch unsere Sanitäter bestreut, um die Bazillen zu töten. Ueberhaupt wird sehr auf Reinlichkeit gehalten. Du siehst, daß da in sanitärer Hinsicht alles gethan wird. Dieses alles muß ich beaufsichtigen, allerhand was? Ein Teil arbeitet dann an Verbesserungen der Brustwehr, Unterstände, Wasserabfluß etc. Interessiert Dich das auch alles? Lege noch ein Bildchen von der Schützengrabenaufnahme bei, soll noch 4 Stück davon haben. Eben kommen hier aus 2ter Linie Leute vom jungen Landsturm, die dort gearbeitet haben und wollen mal aus Neugierde nach den Engländern schauen. Sie kehren stolz zurück, den Feind haben sie zwar nicht gesehen, aber die Stellung wenigstens.
Nun zu Deinen Briefen. Es ist recht, daß Du Hugo mal Paketchen schicken willst, ist seine Adresse denn jetzt anders als früher? Die Baracken – Aufschrift die C. Blankenagel gelesen hat, war in Corteville, ich sah letztens meinen Namen nah Verewige [?]. Von Baukhagens Urlaubsgesuch hast Du mir nichts geschrieben. Wenn ich mal eines Gesuches bedarf, sage ich Dir früh genug Bescheid. Wenn es der Reihe nach geht, werde ich erst Anfang September drankommen. Du mußt auch wissen, daß G. Nachrodt und Raab dicke Freunde sind und finde ich die Freude ganz begreiflich. Wer hat Dir das denn mit Otto alles erzählt, wohl Elly? Ich freue mich, daß er so gute Freunde hat. Hans [?] Spelsberg hat den letzten auf mich ja auch nah Meyen gewartet, ist aber weil wir später kamen, fortgegangen. Allerdings kann ich mich besser über die Verhältnisse wegsetzen, wie Otto und die andern. Du meinst nun gewiß, ich hätte kein Gefühl für so was? Dann hat Erich ja Malör gehabt. Ja, es geht nicht immer so. Die Lebensversicherungsprämie wird schon angemahnt werden, solange warte mit dem bezahlen. Hast doch gewiß mit Egon gehörig geschimpft wegen den Bonbons und weil er den Pfefferminz verloren hatte. Ich habe noch ziemlich Vorrat davon. Also unsere Miß hat immer noch die alten Gewohnheiten. Ich kann mir ihre Lage ganz gut denken. Ob Kattwinkel dann nur noch 1 Maurer zu bekommen hat? Emil wird dann wohl da gewesen sein. Muß ich mich dann wirklich noch mal abnehmen lassen, ich hatte sonst vor, es während des Krieges nicht mehr zu tun. Wie wünscht Du mich dann und dann soll ich mir in die Augen sehen lassen, ja dann Kind, tue ich das am besten aus nächster Nähe, meine Augen sind nun einmal so klein. Das weißt Du doch. Nun ist es aber genug, muß mich mal wieder um meine Arbeit bekümmern. Habe Dir heute so allerhand erzählt, was? Heute ist ja Egons Geburtstag, was soll er wieder ein „Gedönse“, wie Marga sagt, haben. Grüße Remscheids, Elly, Clara, Adele. Gruß und Kuß für unsere l. Beiden. Besonders grüßt und küßt Dich allerbester, Dein Ernst.
Heute sind wir den 13ten Tag hier. Es heißt am 27. gäbe es 3 Tage Ruhe. Nun Gott befohlen. Wenn möglich, morgen mehr. Nochmals herzl. Gruß und Kuß, Dein Ernst

Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag bekam ich den beiliegenden Brief von Ra und ein Kistchen mit 20 Cygarren und kl. Briefchen von Deinem Bruder Wilh. Einen Brief an R habe ich schon fertig. Im Wesentlichen war ich ja schon durch (seinen) Dich über die Mitteilungen, die er mir gemacht, unterrichtet. Es ist gut, daß dieses mal wieder geregelt ist. Ich werde dann auch noch was regeln können, wenn, ja wenn ich mal Urlaub bekomme. Neues hat es seit gestern hier eigentlich gar nicht gegeben. Ich habe diesen Morgen, sage und schreibe bis um ½ 10 Uhr geschlafen. Um 3 Uhr bei Tagesgrauen wurde ich wach. Ich hörte ein mächtiges Infanteriefeuer von unserer Stellung links und sah die Leuchtkugeln hochgehen. Doch es war nur ein Feuerüberfall, nach einer Viertelstunde war die gewohnte Ruhe wieder da. Die 2te Rate Urlauber sind heute morgen weggegangen; 2 Untfz und 8 Mann. Die haben noch dort aber längere Zeit zum fahren gebraucht wie ich, sind um 630 von Werwick gefahren. Und ist Drees (mein Bursche) erst anderen morgens um 900 U in Schwelm gewesen. Heute ist es nicht so warm wie gestern. Der Himmel ist bewölkt. Gestern habe ich mir ein Glas Marmelade mitbringen lassen für 1 M. Die meine, die Du geschickt, war alle. Ich glaube, ich kaufe sie hier auch billiger, als wie dort. Sonst habe ich Essen und Trinken genug. Zu meinem Mittagessen von der Feldküche (wie die Mannschaften) bekam ich wenigstens 1 ȹ Schinken und ½ ȹ Edamer Käse. So ist es fast jeden Tag und bekomme ich hier mehr, wie mancher zu Hause. Im übrigen hört man sonst vom Kriege wenig, wollt sagen vom Frieden. Aber er muß doch bald kommen. Elend ist bald genug in der Welt und Tote hat es schon übergenug gegeben. Morgen geht es dann in vorderste Stellung. Wenn möglich dann mehr. Gruß und Kuß an unsere l. Beiden.
Besonders grüßt und küßt Dich allerbeste
Dein Ernst

Meine liebe Lydia!

Heute einen Sonntagsbrief, habe gute Zeit zum Schreiben. Gestern Nachmittag bekam ich reichliche Post. Deinen Brief vom 29.v.M., Karten von Egon, Kleine, Stippe, einen Brief von C. Gerlach und 1 Paketchen mit Cygarren und Tabak vom Arbeitgeberbund. Habe jetzt eine Pause von 1½ Stunden gehabt. Speckenbach war bei mir. Um 12 Uhr fing ich mit dem Schreiben an und jetzt ist es ½ 2 Uhr. Um ¼ vor 2 Uhr muß die Comp. antreten. Der Comp. Führer will sie sprechen. Was er mal wieder will, weiß ich nicht. Mittag gegessen habe ich auch soeben. Kartoffeln, dazu eine Fleischkonservenbüchse warm gemacht. Wir hatten soviel, daß ich Speckenbach noch was mitgeben konnte. Seine Angehörigen hatten ihm depeschiert, er möchte doch sofort in Urlaub kommen, da seine 3 Brüder daheim. Aber für so was hat man hier wohl wenig Sinn und glaubte er in den 14 Tagen noch nicht zu fahren. So jetzt ist die Besprechung vom Comp. Führer auch vorbei, sie hat ½ Stunde gedauert. Er hat über allgemeine Bestimmungen gesprochen, Strafen, Verhalten etc. Haben dabei noch 2 mal Fliegerdeckung machen müssen. Es kam 2 mal ein feindl. Flieger in unsere Nähe. Ein Untfz steht Fliegerposten und ruft dann: Batteriebefehl Fliegerdeckung, und schon ruft alles, und alles muß sich wo es geht und steht gleich auf die Erde legen und so lange liegen bleiben, bis der Befehl durchkommt: Flieger vorbei.
Nun zu Deinem Briefe folgendes: das ist nett, daß Elise wieder kommen will, wenn ich mal in Urlaub kommen sollte. Die von der Comp. beurlaubten sind heute früh wieder gekommen. Die 2. Rate soll morgen oder übermorgen fahren. Mit dem Check über 5200 M hätte Raab es etwas anders machen können. Die Summe in 2 Teile ausstellen lassen können auf 5000 und auf 200 M. Den kleineren Teil hätte er zurückhalten können. Wilh. Schulte will ich auch mal 1 Kärtchen schreiben, ich glaube, er antwortet darauf. Aber seinen Bart hat Speckenbach nicht abnehmen lassen, nur trägt er den Spitzbart kleiner. Ich weiß wirklich nicht, was für einen Ring er am kl. Finger trägt. Vielleicht einen aus einem Centimes Stück (nach belgischen Gelde 4 ₰) wie ihn viele hier tragen als Andenken. Gelegentlich will ich mal darauf achten. Die Ringe kosten hier 1 M. Soll ich meinen Bart denn auch abmachen, gefalle ich Dir dann besser? Man sieht im Bart allerdings recht alt aus und alt war ich ja immer schon gerne. Ich kann mir die Schüssel voll Salat schon vorstellen, wenn Elise ihn angemacht hat. Es ist wirklich schade, daß ich mich da nicht daran beteiligen kann. Es ist gut, daß Elly gute Beschäftigung gefunden hat. Bekommt sie von Hugo regelmäßig Nachricht? Diese Woche werde ich noch M 15 Dir zukommen lassen. Der für mich die 14 Tage geputzt hat fährt mit der ersten Rate in Urlaub und soll der es dann in Milspe auf die Post tun. So lange wir wenig oder gar nicht in Ruhe kommen ist keine Gelegenheit zum Geldausgeben da. Kleine schreibt mir auf die Postkarte, er sei in Urlaub gewesen und habe bei Dir vorgesprochen. Davon hast Du mir, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, nichts geschrieben oder das Schreiben ist nicht angekommen. Eben unterhält man sich sehr vom Urlaub. Die haben auch alle dieselbe Erfahrung gemacht wie ich und Du. Wenn der Abschied nicht wäre. Heute habe ich nun schon allerhand geschrieben. 1 Karte an Wilh. Schulte, an Arbeitgeberbund, an Marga und Egon und Kleine. Stippe hätte ich auch wieder geschrieben, doch hat er auf seiner Karte keinen Absender geschrieben und muß ich es dabei belassen. Nun weiß ich aber nichts Neues mehr. Marga denke noch mal wieder schreiben zu können. Post werde ich nachher auch noch mal wieder etwas bekommen. Karl Gerlach will ich aber heute oder morgen auch einen Brief schreiben. Dann für heute genug. Grüße alle Bekannte. Gruß und Kuß für unsere lieben Beiden, besonders sei Du gegrüßt und geküßt, allerbeste
Dein Ernst.

Meine liebe Lydia!

Empfing gestern Nachmittag Deinen l. Sonntagsbrief vom 27.v.M. eine Karte von Marga und Fr. Wilke. Zu Deinem Briefe folgendes: Gerne möchte auch mal wieder in unserem Gärtchen einige gemütliche Plauderstunden mit Dir verbringen, aber – Ob Ra denn nun seinen Nachurlaub bekommen hat? Die Schuppenangelegenheit ist denn nun endlich geregelt. Wenn der Krieg uns auch hier 2000 M Verluste gebracht hat, so ist doch wenigstens Elise befriedigt. Raab wird dann wohl die Bücher selbst noch eingelöst haben. Ich befürchte, Du kannst das nicht mal, weil jedenfalls über die Rückgabe eine Quittung erfolgen muß. Gewiß hätte ich vielleicht in meinem Urlaub eine Prokura für Dich am Gericht bewerkstelligen können. Wenn wieder Schwierigkeiten in meinem Teile entstehen sollten, muß ich das in meinem nächsten Urlaub nachholen. Daß Hugo Tr. in der Gegend vom Lemberg sei, hast Du mir geschrieben. Sonst nichts. Hoffen wir, daß er noch einmal zu seiner Elly zurückkehre. Wenn Carl Blankenagel in Courtray ist, werde ich ihn vielleicht demnächst mal sehen. Er wird dann dort bei einer Arbeitskompagnie sein, die augenblicklich in Cortwilde liegen und am Tage unsere, hinter uns liegende Stellungen, ausbauen. Ich halte es auch für richtiger, wenn die Ueberwölbung bei Enders gemacht wird, weil zum großen Teil das Material doch dafür da ist. Leute wird Kattwinkel denn wohl besorgen können. Gewiß hätte Klara Kattw[inkel] davon benachrichtigen müssen, wenn Schulte Leute zur Verfügung hatte. Ist Buck auch Untfz? An Frau Remscheid will ich auch noch schreiben mich für die Eier und Blumenspende bedanken und auch damit gleichzeitig meinen Glückwunsch verknüpfen. Ich kann wohl sagen, daß meine Verpflegung gegen früher besser geworden ist. Deshalb habe ich Dich auch gebeten, keine besonderen Pakete zu schicken. Ich denke auch, daß Raab, wenn Enders die Rechnung begleichen, noch etwas Geld für die Familien übrig hat. Du willst wissen, was ich am Sonntag Abend gegen 7 Uhr gemacht habe. Meine Tätigkeit habe ich Dir bereits ziemlich genau in dem Briefe von dem Tage geschildert. Tatsächlich aber wurde ich erst gewahr, daß auf dem Tage Sonntag war, nachmittags gegen 5 Uhr. In den Wochentagen verkommt man meistens. Um 7 Uhr rum, habe ich da wohl bei meinem Unterstande gesessen und Zeitungen oder sonst eine Zeitschrift gelesen. Dabei auch wohl in Gedanken einen Vergleich zwischen meinem Sonntagen jetzt und den im vergangenen Jahre zusammen verlebten gezogen. Wenn ein Wechsel protestiert wird, ist der Verfalltag verstrichen, ohne daß er eingelöst ist. Es wird dann Zahlung verlangt, evtl. auf gerichtlichem Wege. Seit gestern hat sich nichts besonderes ereignet. Außer einigen Stunden Gewehrreinigen haben wir gar keinen Dienst gehabt. Heute sollen jedoch gegen Artilleriefeuer unsere Unterstände durch Verstärkung mit Sandsäcken und Bohlen, umgebaut werden. Und da giebt es allerhand zu tun. Gestern war noch Löhnungsapell. Wenn möglich, morgen mehr. Es ist möglich, daß wir morgen zum richtigen Knüppeldamm auf 3 Tage kommen und dann erst in vordere Linie. Also Gott befohlen. Gruß und Kuß für unsere l. Beiden. Besonders grüßt und küßt Dich, Allerbeste
Dein Ernst
Bekamen zu unserer Comp. 1 Offizier Stellvertreter, geb. Uelzen, der Infanteritisch [sic] ausgebildet worden ist.
Weil Mangel an Pionieren da ist, werde ich wohl demnächst ans Ausbauen unserer Unterstände, etc. kommen, mit Leuten, die mir unterstellt werden nur an den Tagen wenn unsere Comp. in erster Linie liegt. Bei der Comp. bleibe ich. In jeder Comp. soll so eine Einrichtung getroffen werden.

Meine liebe Lydia!

Gestern erhielt ich Deinen Brief vom 24 cr und eine Karte von Lisettchen in Wiblingwerde. Es ist gut, daß O. Urlaub bekommen hat. Ich denke, er wird noch manches regeln können. Aber mit seinem Nachurlaub wird es ihm wohl gehen, wie mir seinerzeit. Ich werde nun auch wohl näheres von ihm hören. Aber den Zement und die Eisen hätte er besser an Enders verkauft. Ersterer geht doch, wenn er längere Zeit liegen bleibt, kaput. Die Schuppenangelegenheit wird dann auch wohl auf eine oder die andere Art gelöst werden. Ich denke doch, daß ich das Briefchen bei dem Cognakfläschchen gefunden habe, kann mich allerdings nicht so genau entsinnen, da es schon ziemlich zurück liegt. Daß Otto Tr in Urlaub war, hast Du mir schon berichtet. Ich meine, wir haben in den Tagen des Urlaubs auch gar keinen Anschluß an andere gewollt, ich gönne ihm die zugedachten Ehre von Herzen. Im übrigen sind Meyer und ich noch nie so ganz intim gewesen und da hat auch der Krieg wenig, wie Du sagst, dran ändern können. Besser wäre es gewesen, Du hättest gar keine Äußerung dazu gemacht, aber schaden kann es auch keinen tun. Die Aufstellung der Sozietät kann ich ja nicht machen, es sind ja einige Neuaufnahmen da. Oder wir müßten das Formular nach hier schicken und auch die letzten Seiten aus dem Notizbuche reißen und mitschicken über die Aufnahmen, die nach dem 1.Juli gemacht sind. 10 M werden doch noch wohl zusammen kommen. Das Muster [?] zu Deinem Kleide fand ich vor. Meine Kameraden freuten sich ordentlich darüber und meinten, daß [sic] würdest Du gewiß anziehen wollen, wenn ich in Urlaub mal käme. Kann ja auch möglich sein, was? Alle anderen Fragen habe ich wohl schon durch meine früheren Briefe beantwortet. Bin ich jetzt nicht fleißig mit Schreiben? Ob wohl noch ein Rahmeder soviel Briefe schreibt wie ich? Ich glaube es nicht, und Du auch nicht.
Hier ist noch soweit alles unverändert. Der Tag und auch die Nacht verliefen sehr ruhig. Und es scheint Gottes Wille zu sein, daß wir diesesmal mal ohne Verluste davon kommen sollten. Doch soll man den Tag nicht vor dem Abend loben. Doch fällt mir ein, gestern Abend hatten wir einen leicht Verwundeten und gestern morgen einen durch eigene Schuld. Heute sind wir voraussichtlich den letzten Tag in vorderer Linie, wo wir morgen hinkommen, ist noch unbestimmt. Diese Nacht habe ich revidiert von 9 – 12 Uhr, dann geschlafen bis um 9 Uhr diesen Morgen. Den üblichen Gang durch den Graben gemacht und so ist es 11 Uhr geworden. Kaffee habe ich aber auch schon getrunken. Mehl schicke zum Kaffee keines mehr, ich kann genug von der Küche geliefert bekommen, ebenfalls Zucker. Es ist ganz leicht am regnen. Habe mir meine Zeltbahn über meine Sitzgelegenheit gespannt, sonst will die Schrift verlaufen. Haben sogar vor mir auf dem Tische einen Blumenstrauß, bestehend aus Sonnenblumen und Arnikablumen. Stehen in einer Marmeladendose als Vase. Mein Bursche hatte die Freundlichkeit, mir diesen zu besorgen. Den habe ich nur aushülfsweise; er ist von Milspe zu Hause. Der richtige ist ja wie Dir bekannt nach Hause beurlaubt, heute den 10 Tag schon weg. Bald dürfte die 2. Rate fahren, die 3. Rate ist auch schon festgestellt. Schnickmann ist neulich um 1250 von Werwick gefahren und ist dann um 21 Uhr anderen Tages in Altena gewesen. Die Urlauber sind mittelst besonderem Zug morgens 630 von W. gefahren und dann um 11 Uhr abends, wie ich damals in Cöln gewesen. So nun Gott befohlen. Wenn möglich morgen mehr. Gruß an unsere Nachbarn. Gruß und Kuß, auch für unsere l. Beiden. Besonders grüßt und küßt Dich, allerbeste,
Dein Ernst

Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag erhielt ich Deinen Brief vom 20.6., desgl. einen von Hohenlimburg. Von H. Wendel 1 Paketchen mit Zigarren und Bonbons. Außerdem die Karten von Lisettchen, Egon und Marga. Es ist jetzt gleich 12 Uhr mittags. Vor einer Stunde war Schnickmann bei mir und überbrachte mir Deine Grüße und Paket. In letzterem war noch alles gut erhalten. Die Eier waren allerdings etwas eingedrückt, aber sie noch gut zu verwenden. Die Reibeplätzchen waren etwas angeschimmelt, will sie abwaschen und etwas aufbraten und dann sind sie wieder gut. Die Aluminiumdose will noch nicht offen gehen. Für heute Nachmittag will ich mir dann von dem Kaffeemehl Kaffee machen lassen und dann das Gebäck dazu essen. Wie es geschmeckt hat, will ich Dir dann morgen eben mitteilen. Soeben eine kleine Pause gehabt. Ein Vizef., Offiziersaspirant [sic], ist zum Leutnant befördert worden. Ich schrieb Dir mal davon. Er war, oder ist Lehrer am Gymnasium in Werne. Nun zu Deinen Briefen. Ob H. Trimpop denn gleich nach Lemberg zur Front gekommen ist. Es ist dies sehr wahrscheinlich. Warum Schüssler nicht gekommen ist bleibt mir unerklärlich. Es ist eben nichts daran zu ändern. Es scheint ja doch so, als wenn Ra. Urlaubsgesuch dann Erfolg haben sollte, besonders wenn es der Landrat befürwortet hat. Falls mir so kein Urlaub von der Comp. gewährt wird, was ich in den nächsten Wochen wohl erfahren werde, hätte vielleicht eine geschäftliche Reklamation Erfolg. Den Gruß von Dr. Simon erwidere ich; es ist noch immer die alte Sache, mit seinem Auto. Ich erinnere mich noch des vorjährigen Krieger-Vereins-Ausfluges noch ganz gut. Es ist schon mancher Kamerad davon in kühler Erde gebettet. Gewiß muß Egon den Anzug haben, wenn er nötig ist. Es freut mich, daß Marga soviel Erfolg in der Schule hat.
Ich denke auch, daß Egons Leistungen befriedigend sind. Also mit unserer Landwirtschaft bist Du dann bald fertig, kann darauf dann nicht reklamieren? Elise und auch Frau Remscheid, die ihre Zugabe zum Paket gemacht haben, richte meinen Dank aus. Ich werde letzterer den Dank noch persönlich schriftlich bestellen. Gestern Nachmittag war ich auf ein paar Stunden bei Schröter, Lüdenscheid. Von Schnickmann hörte ich, daß Herberg mit der nächsten Rate in Urlaub fährt. Mein gehabter Urlaub rechnet mit, sonst wäre ich wohl mit den ersten Raten dabei. Wir werden jetzt wie es heißt 15 Tage in Stellung bleiben, dann (einen) 3 Tage nach C. Damm wieder 15 Tage Stellung und dann 3 Tage nach W. Vielleicht kommt es aber doch, wie in den meisten Fällen anders. Heute Nachmittag soll ich auch die Bilder bekommen, schicke Dir dann morgen eines zu. Der Radfahrer soll sie mitbringen. Heute morgen einen schönen Regen hier gehabt. Ihr werdet dann auch wohl welchen dort gehabt haben. Jetzt will ich an die Hohenlimburger noch schreiben und an Wendels. Im großen und ganzen ist es hier sehr ruhig. Bei Arras, wo augenblicklich die heftigsten Durchbruchversuche gemacht werden, scheinen ganz erbitterte Kämpfe stattzufinden. Die wollen wahrscheinlich damit eine Schwächung unserer Truppen im Osten damit bewirken. Sonst nichts Neues. Noch alles gesund, hoffe auch dort.
Gruß an Elise, Emmy. Auch Gruß und Kuß für unsere lieben Beiden.
Besonders Du allerbeste herzlichst gegrüßt und geküßt von
Deinem Ernst
N.B. Mit den Zahlungen müssen wir alles mal laufen lassen. Es ist eben nichts zu machen.