Meine liebe Lydia!

Empfing gestern Nachmittag Deinen l. Sonntagsbrief vom 27.v.M. eine Karte von Marga und Fr. Wilke. Zu Deinem Briefe folgendes: Gerne möchte auch mal wieder in unserem Gärtchen einige gemütliche Plauderstunden mit Dir verbringen, aber – Ob Ra denn nun seinen Nachurlaub bekommen hat? Die Schuppenangelegenheit ist denn nun endlich geregelt. Wenn der Krieg uns auch hier 2000 M Verluste gebracht hat, so ist doch wenigstens Elise befriedigt. Raab wird dann wohl die Bücher selbst noch eingelöst haben. Ich befürchte, Du kannst das nicht mal, weil jedenfalls über die Rückgabe eine Quittung erfolgen muß. Gewiß hätte ich vielleicht in meinem Urlaub eine Prokura für Dich am Gericht bewerkstelligen können. Wenn wieder Schwierigkeiten in meinem Teile entstehen sollten, muß ich das in meinem nächsten Urlaub nachholen. Daß Hugo Tr. in der Gegend vom Lemberg sei, hast Du mir geschrieben. Sonst nichts. Hoffen wir, daß er noch einmal zu seiner Elly zurückkehre. Wenn Carl Blankenagel in Courtray ist, werde ich ihn vielleicht demnächst mal sehen. Er wird dann dort bei einer Arbeitskompagnie sein, die augenblicklich in Cortwilde liegen und am Tage unsere, hinter uns liegende Stellungen, ausbauen. Ich halte es auch für richtiger, wenn die Ueberwölbung bei Enders gemacht wird, weil zum großen Teil das Material doch dafür da ist. Leute wird Kattwinkel denn wohl besorgen können. Gewiß hätte Klara Kattw[inkel] davon benachrichtigen müssen, wenn Schulte Leute zur Verfügung hatte. Ist Buck auch Untfz? An Frau Remscheid will ich auch noch schreiben mich für die Eier und Blumenspende bedanken und auch damit gleichzeitig meinen Glückwunsch verknüpfen. Ich kann wohl sagen, daß meine Verpflegung gegen früher besser geworden ist. Deshalb habe ich Dich auch gebeten, keine besonderen Pakete zu schicken. Ich denke auch, daß Raab, wenn Enders die Rechnung begleichen, noch etwas Geld für die Familien übrig hat. Du willst wissen, was ich am Sonntag Abend gegen 7 Uhr gemacht habe. Meine Tätigkeit habe ich Dir bereits ziemlich genau in dem Briefe von dem Tage geschildert. Tatsächlich aber wurde ich erst gewahr, daß auf dem Tage Sonntag war, nachmittags gegen 5 Uhr. In den Wochentagen verkommt man meistens. Um 7 Uhr rum, habe ich da wohl bei meinem Unterstande gesessen und Zeitungen oder sonst eine Zeitschrift gelesen. Dabei auch wohl in Gedanken einen Vergleich zwischen meinem Sonntagen jetzt und den im vergangenen Jahre zusammen verlebten gezogen. Wenn ein Wechsel protestiert wird, ist der Verfalltag verstrichen, ohne daß er eingelöst ist. Es wird dann Zahlung verlangt, evtl. auf gerichtlichem Wege. Seit gestern hat sich nichts besonderes ereignet. Außer einigen Stunden Gewehrreinigen haben wir gar keinen Dienst gehabt. Heute sollen jedoch gegen Artilleriefeuer unsere Unterstände durch Verstärkung mit Sandsäcken und Bohlen, umgebaut werden. Und da giebt es allerhand zu tun. Gestern war noch Löhnungsapell. Wenn möglich, morgen mehr. Es ist möglich, daß wir morgen zum richtigen Knüppeldamm auf 3 Tage kommen und dann erst in vordere Linie. Also Gott befohlen. Gruß und Kuß für unsere l. Beiden. Besonders grüßt und küßt Dich, Allerbeste
Dein Ernst
Bekamen zu unserer Comp. 1 Offizier Stellvertreter, geb. Uelzen, der Infanteritisch [sic] ausgebildet worden ist.
Weil Mangel an Pionieren da ist, werde ich wohl demnächst ans Ausbauen unserer Unterstände, etc. kommen, mit Leuten, die mir unterstellt werden nur an den Tagen wenn unsere Comp. in erster Linie liegt. Bei der Comp. bleibe ich. In jeder Comp. soll so eine Einrichtung getroffen werden.