Meine liebe Lydia!

Heute wieder Sonntag. Lange Zeit außerhalb der Stellung verbracht. An Dienst fehlte es heute auch nicht. Seit acht Uhr ist so ziemlich ständig Dienst gewesen, wenigstens hier wir immer auf den Beinen gewesen. Es ist jetzt gleich 1 Uhr. Erst war Gewehrreinigen, dann Apell damit, dann wurden wieder Sachen verpaßt. Die ganze Comp. ist jetzt so ziemlich gut und neu eingekleidet. Ich habe auch wieder einen nagelneuen Rock bekommen. Den meinen hat dann wieder ein anderer bekommen. Heute Nachmittag ist noch nach 4 Uhr 2 mal Apell. Es heißt wir hätten morgen Besichtigung und exerzieren im Batl. Ich dachte heute wäre Gottesdienst gewesen, es wird aber wohl der Pfarrer nicht frei sein. Gestern eröffnete der jetzige Comp. Führer ein Herr Lt. Teigmann, daß er ständig jetzt unserer Comp. führe, unser in Urlaub gefahrener bisherige Comp. Führer käme nicht wieder. Er wird sich wohl nach meiner Ansicht krank gemeldet haben, es soll aber auch seitens der Regiments-Führer etwas gegen ihn im Schilde gewesen sein. Er hätte es nämlich an der Manier, hier und da einen Mann ins Gesicht zu schlagen und ist letztens ein Mann daher weggelaufen und mußte zurückgeholt werden. Zu so etwas darf ein Mann sich nicht hinreißen lassen. Es wird nur zu oft außer acht gelassen und nicht bedacht, zu welchem Zwecke wir alle hier sind. Unser jetzige Comp. Führer ist aktiv, war schon in Südwestafrika und glaube ich, daß mit ihm auszukommen ist. Heute Nachmittag wollte ich nach 4 Uhr noch mit Speckenbach nach Werwick. Der will oder muß seine Löhnung dort holen, weil die Comp. dort in Ruhe liegt. Ob es nun was giebt weiß ich noch nicht; es geht drum, ob mich der Comp. Führer vom Dienste befreit. Auch des Wetters wegen ist es noch fraglich. Den ganzen Tag sind vereinzelt starke Regenschauer mit Gewitter im Gange. Die nächste Ruhe soll unsere Comp. auch in W. haben. – Gestern bekam ich Morgens 1 Paket von Muhle (das habe ich wohl schon geschrieben), 2 Paketchen von Dir, eines mit der Leberwurstbüchse, eines mit Stachelbeeren und das dritte von Hedw. Wendel mit 10 Cygarren. Die Leberwurstbüchse wäre eigentlich nicht nötig gewesen, da wir doch sparen wollen. Ich bekomme ja so reichlich zu essen. Die Stachelbeeren haben mit gut gemundet, einige waren da allerdings etwas faul geworden. Die Leberwurstbüchse will ich mit in den Graben nehmen. Also ich bitte dich noch mal, schicke mir keine Lebensmittel, ich habe wirklich reichlich genug. Wenn Du mir nun so gerne schickst, ich habe ja auch am liebsten was von Dir, dann schicke mir ab und zu einig[e] Zigarren, aber keinen Tabak, der ist genügend immer da. Und Raab ist schon wieder in Urlaub, ist es vielleicht der Urlaub vor seinem Ausrücken? Es ist gut, dann wird er wohl die schwebenden Differenzen mit dem Bauverein ausgleichen und auch mit Dr. Hofmann und Enders, es geht drum ob die letzten Arbeiten so weit fertig sind, abrechnen können und Dir und Clara auch noch etwas Geld überweisen können. Du schreibst in einem Deiner Briefe von dem Unterbringen der Kinder auf einige Tage in den Ferien. Das könnte nur bei Elise, deinem Vater oder in Hohenlimburg sein. Ich möchte es ganz gerne, gut wäre es. Sieh mal zu. Nun für heute genug. Nun besieh Dir mal diese eng beschriebenen Zeilen. Jetzt muß ich mich aber auch selber loben. Grüße Remscheids, Elly, und unsere l. Beiden. Besonders Du allerbeste, herzl. gegrüßt und geküßt von Deinem Ernst.
Dies soll unser 16te Com. Führer sein, allerhand. Den Russensieg von gestern wirst Du ja wissen. Wieder 27000 Gefangene. Manchmal meint man, wenn man die Blätter so liest, es müßte bald Friede sein, und dann auf einmal sieht man keine Änderung. Eben haben wir uns 1 Kochgeschirr mit Cytronenwasser angesetzt (von Herberg). Das Fläschchen kann ich nicht retour schicken, keine Gelegenheit.
Wenn die kleinen Beiden aus der Nähe [?] hier erhalten, teile mir das eben mit, ich möchte gerne wissen, ob die übergekommen sind.

Meine liebe Lydia!

Gestern bekam ich mit der Post Deinen Brief vom 20 ds Mts und Egons Karte. Heute bekam ich Dein Paketchen mit Butter, Chokolade und Zwiebrühe [sic], ebenso das 2te Paket von Muhle mit Suppenwürfeln und mindestens 1 vtl [= viertel?] Plockwurst. Über die Muhler muß ich mich wirklich wundern, denn man muß bedenken, daß von der anderen Seite doch auch 4 Mann im Felde stehen. Die Butter war noch ganz schön erhalten. Diesen morgen sind wir mal wieder auf 3 Tage nach hier gekommen. Liegen aber jetzt auf einem Gehöfte etwas von dem eigentlichen Dorfe entfernt, auch in Baracken. Die Urlauber, die gestern fahren sollten, sind noch bis zum 28ten zurückgehalten worden, da die Transporte Regimentsweise erfolgen. Es soll auch wie es heißt auch noch 2 Tage für die Fahrt zugegeben werden. Schröter Lüdenscheid, der in der alten Schützenhalle wohnt, ist in Urlaub. Speckenbach sagte, den ich heute morgen besuchte, daß er bei der 4.Rate sei, dürfte demnach ungefähr im halben August heim. Nun zu Deinem Briefe. Heinrich wird es dann wohl ohne Frage gelingen, daß er nicht eingezogen wird. Soll mich auch wundern, ob sie Schlüter mit seinen schlechten Augen halten. So nötig ist es doch nicht, wie Du meinst, mit dem einrichten. Gewiß es giebt und sind allerhand Aufgaben die Du mir da aufzählst. Davon können und werden wir auch wohl am besten die Lebensversicherung ausfallen lassen. Ich dachte auch, man sollte auch wegen einer Mietsbeihülfe, wie es ja andere auch tun, bei dem Amte Lüdenscheid einkommen. Vielleicht sprichst Du mal mit Schulte, wenn Du das Geld abholst. Oder wenn Raab vor mir noch einmal Urlaub bekommen sollte, könnte der sich ja mal darnach befragen, da er es für sich gewiß auch verwenden kann. Oder Du sprichst mal mit Wilh. darüber. Sieh mal zu, ich weiß auch nicht wie das am besten in die Weg zu leiten ist. Was Lemmer da und auch Feldmann, in der Rahmede als Mängel festgestellt haben, ist einfach lächerlich. In diesem Falle hat Raab doch Recht, die hohl gemauerten Teile sind durch Luftschichtanker befestigt und werden immer voll bezahlt. Ich weiß ja nicht, ob Raab direkt ohne mich mit zu befragen auf den Brief antwortet, sonst wollen wir Ihnen, dem Bauverein, am besten schreiben, vorläufig könnten wir nichts in der Sache tun und möchten erst mal den Krieg abwarten. Am besten wäre es schon, wenn Wengenroth einfach die Sache hinwerfen würde. Hast Du denn Klara gesagt, ich schickte garnichts? Wissen wird sie es doch wohl, denn Aug. Inacker ist gut mit Raab befreundet. Heute oder morgen schicke ich auch noch mal 30 oder 35 M. Mach Dir nur keine Gedanken, kommt Zeit, kommt Rat. Bis jetzt haben wir immer noch früh genug sorgen können. Im Geschäft wird doch auch noch was einkommen und ewig wird und kann der Krieg doch nicht dauern. Viele Leute sind noch übler dran als wir. – Ob wir vordringen, weiß ich wirklich auch nicht. Es sollen Truppen angekommen sein, wo die aber sind weiß ich wirklich auch nicht. Wir sind ein Zahn in einer großen Maschine und wenn die sich in Bewegung setzt müssen wir auch mit. Jetzt wirst Du aber nicht mehr sagen können, ich schrieb kurze Briefe! Deinen Ruf in Urlaub zu kommen, möchte ich nur zu gerne Folge leisten, aber – und das Trennungsweh und Du willst mich nicht gehen lassen, ja Kind, das wird und ist mir auch damals schon schwer geworden. Wenn das harte „muß“ nicht wäre, ich hätte es auch nicht fertig gebracht. Nun genug für heute. So Gott will morgen mehr. Grüße mir unsere lieben Beiden und sei Du, Allerbeste, besonders herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem Ernst.
Es ist gleich 4 Uhr nachmittags . Eben ist Gewehrapell gewesen und jetzt ist die Comp. zum Baden. Morgen ist Sonntag und ist wahrscheinlich Gottesdienst. Ich es sind schon bald 6 Wochen her als wir zum letzten Mal Gottesdienst hatten. Die vergangene Nacht verlief ziemlich ruhig. Verluste hatten wie weiter keine.
Die Gaze, die Du mir zum Zudecken geschickt hast, bewährt sich. Wir haben soviel Fliegen überall wie die Euren zu Hause in der Küche. Den Schwarm kannst Du Dir denken. Jetzt will ich den Muhlern noch 1 Kärtchen schreiben und den Empfang bestätigen und dann noch vielleicht noch einen Brief für die Hohenlimburger.
Speckenbach will mich auch noch nachher besuchen.

Meine liebe Lydia!

Gestern Abend bekam ich mit der Post Deinen langen Sonntagsbrief, Egons Brief, 1 Karte von C.W. und eine von Ida W. und noch 1 Briefchen von Lisette aus Wiblingwerde, allerhand was.
Zunächst meine Erlebnisse bis heute. Es ist 2 Uhr jetzt. Die Nacht hatte ich Dienst von 9 – 1 Uhr. Es hat fast die ganze Nacht durch geregnet und auch heute morgen, es ist daher so richtiger Schlamm hier, alles nimmt sich auf. Es war die Nacht sonst ziemlich ruhig. Gestern am Tage hatten wir 2 Leichtverwundete, 2 aktive. Der eine bekam einen Bauchstreifschuß und der andere einen Handgelenk Schuß. Von ein Uhr ab habe ich dann geschlafen bis um 9 diesen morgen, dann gefrühstückt. Wie ich eben mit dem Frühstück fertig war, bekam ich Besuch aus der Nachbar-Compagnie: Husberg. Er ist zum Vizefeldwebel befördert. Haben uns dann noch so über allerlei unterhalten, dabei eine Cygarre geraucht. Und so war es mittlerweile 11 Uhr geworden. Husberg verabschiedete sich dann. Die haben in der Comp. während der Tage 1 Toten und 7 Verwundete gehabt. Nun war es Zeit für mich, mich mal nach meinen Arbeitsgruppen, die schon seit 8 Uhr tätig waren, umzusehen. Dann bin ich umgezogen. Müller ist nämlich heute morgen zurückgegangen, um mal 14 Tage in Urlaub zu gehen, nun führe ich den 2.Zug. Unser Comp. Führer ist ebenfalls gegangen. Haben solange einen Vertreter für den aus einer anderen Comp. bekommen. Und so mußte ich mich in die Deckung, welche Müller innegehabt begeben. Heute fährt die 3. Rate. Sonst wüßte ich nichts Besonderes. Nun zu Deinem Briefe. Du wirst mir doch ja nicht ernstlich krank werden wollen. Laß Dich der Vorsicht halber mal von Dr Simon untersuchen. Und wenn Dir die Arbeit zu viel wird, schreibe Elise, daß sie hilft. Egon und Marga haben dann auch wohl etwas in der Haut. Letztere schrieb neulich auf einer Karte, alle Leute sagten ihr, sie sähe so blaß aus. Ich werde mich dann wohl noch einmal abnehmen lassen müssen, wenn Schmeling auch noch ein Bild haben soll oder will. Elinghaus wollen auch eins. Ich weiß nur noch nicht wann und wo. Betreffs der Gesimse am Bauverein hat Lemmer früher schon reklamiert. Seinerzeit ist dem Vorstande, ich glaube Humpert [?] mündlich von mir gesagt worden, daß statt der Unterbekleidung aus Holz, Putz genommen werden solle. Es ist möglich, daß Ra. auch drum wußte. Im übrigen können mich wirklich die Anzapfungen von Lemmer nicht aus der Ruhe bringen. Meine Meinung darüber ist: Solange wir hier im Felde stehen und gewiß auch unsere Haut für alle zu Hause gebliebenen zu Markte tragen, sollte der Bauverein wenigstens soviel Anstand besitzen und uns mit Kleinigkeiten, die nur der Konkurrenzneid schafft, nicht belästigen. Ich glaube doch, das sollte der Bauverein wissen, daß wir bei Ausbruch des Krieges auf die Ausführung des 3. Baues vorläufig verzichteten und es auch nicht nötig hatten. Und so sollte eine Hand die andere waschen. Sonst sollten die Leute, die vielleicht so was, wie etwas Mitleid ansehen, einfach mal hier an die Front kommen. Ich bin Bürge dafür, daß sie andere Gedanken bekämen. Also laß es gut sein, rege Dich nur nicht [?] über derartige Sachen auf, sie verdienen es wirklich nicht. Und nach dem Kriege ist noch Zeit genug, uns darüber zu unterhalten. Ich glaube auch, daß der Krieg in mancher Beziehung etwas viel im Gefolge hat und noch manche dunkle Sache aufhellt. Vorläufig ist es unsere Pflicht hier, und alles muß zurücktreten, seinen ganzen Mann zu stellen, damit der ersehnte Frieden herbeikommt. Wenn, ich wieder da bin, ich hoffe es zu Gott, wird alles geregelt werden können. Meine Kamelhaarjacke habe ich nicht mehr, mein Drees hat sie einmal in W. vergessen einzupacken und weg war sie. Es ist uns aber auch so übrig warm genug. Man ist ziemlich abgehärtet, dazu haben wir noch alle unsere Schlafdecke zum Zudecken des Nachts. Unser Egon scheint dann ja mal wieder seine frühere Beschäftigung gerne tun so wollen. Wenn ich mal zu Dir komme, Du verwehrst es mir doch nicht, oder doch? Laß Grete nur ruhig Egon ein paar Stunden geben, ich glaube, daß der Pastor nicht energisch genug ist. Man hat doch gesehen, damals an seinen eigenen Verwandten. Kauft Grete ja ein Geschenk dafür nachher. So Almosen zu nehmen brauchen wir nun doch noch nicht. Es waren konserviert weiße Bohnen direkt zum Essen fertig in der geschickten Büchse. Nun kannst Du heute aber nicht sagen, ich hätte immer so kleine Bogen und noch nicht voll! Ich schreibe auch viel enger und mehr wie Du. Also hübsch zufrieden sein, diesmal habe ich Recht. Grüße unsere l. Beiden und auch sonstigen Bekannten. Besonders sei Du, allerbeste, herzlichst gegrüßt und geküßt von
Deinem Ernst
Meine [g?]ersten Gerstenkörner sind fast weg. Also mach auch Du, daß Du gesund wirst!
Von Wilh. Isenburg habe ich keine Antwort auf meine letzte Karte bekommen. Hast Du etwas von ihm gehört und von Carl? Lisettchen will ich noch mal 1 Briefchen schreiben weil sie so sehr drum bittet.

Meine liebe Lydia!

Gestern bekam ich von Dir keine Post, doch ein Paket mit Tabak und Cygarren. – Heute sind wir den ersten Tag wieder in vorderster Stellung. Um 5 Uhr gelangten wir wieder hier an, in unserer alten Stellung. Neues ist eigentlich gar nichts passiert. Die Urlauber sind gestern alle wieder zurückgekehrt. Husberg ist auch wieder da, er soll auch während seines Urlaubs zum Vizefeldwebel befördert sein. Die Comp. liegt direkt neben uns. Vielleicht treffe ich ihn. Die Hohenlimburger haben ihrem Schreiben nach meinen Brief nicht bekommen.
Wußtest Du schon, daß Herm Ide gefallen ist? Der war doch auch noch jung verheiratet. Auch traurig. Ich habe heute wieder meinen alten Dienst. Augenblicklich mache ich Arbeiten zu meinem Unterstande für mich und meinen Drees. Etwas will ich auch von dem Posten haben, und nicht allein für andere was machen. Beiliegend schicke ich noch mal einige Abbildungen aus meinem Dorfe nahe von Cortewilde [sic]. Hebe sie als Andenken gut auf. So ähnlich sehen hier alle Häuser aus die in dem Feuerbereich liegen, kannst Dir so eine kleine Vorstellung davon machen. Jetzt will ich den Hohenlimburgern noch einen kurzen Brief schreiben und den Muhlern den Erhalt des Paketes mitteilen. Ich übe jetzt Steilschrift wie Du siehst. Unser Comp. Chef sagt, die Schrift wäre dann leserlicher. Ich muß den ersten und den letzten Tag während der Stellung einen Bericht für das Batl. über meine Tätigkeit als Comp. Bauführer machen. Heute ist es wieder zum ersten male so recht heiß. Soll mich denn doch mal wundern, ob Emil auch noch weg muß. Nun für heute genug. Grüße mir Remscheids, Raabs, auch usnere lieben Beiden.
Besonders sei Du, allerbeste herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem Ernst.

Meine liebe Lydia!

Gestern morgen erhielt ich 1 Paketchen mit Cytronensaft von Herbergs. (Wohl als Quittung für die Kohlen). Dann gestern Nachmittag Deinen Brief vom 16. und das Paketchen mit Eier. Die Eier waren noch sämtlich gut erhalten. Habe sie diesen morgen kochen lassen und auch alle gleich aufgegessen, d.h. nur 3 davon, den Rest mußte ich kameradschaftlich mit meinen Wohnungsinhabern teilen. Also dann hast Du doch jetzt Post von mir bekommen. In dem Briefe, der sich verloren hatte und im Reserve Regiment gewesen war, ist mir der Besuch der Nahmer mitgeteilt. Emil schrieb mir auch schon, daß ein V.Feldw hier sei von seinem Contor. Vielleicht trifft man sich gelegentlich mal hier. Ob Schulte dann meinte, Daß die Steuern einfach so niedergeschlagen würden? Den Gruß von Frau Liesen kannst Du gelegentlich wieder zurückgeben und ihr sagen, Wilh. sollte man schreiben, ich wüßte seine Adresse nicht mehr. Wenn Egon die Uebungsarbeiten noch mit der Note 3 nach Hause bringt, sollte man meinen. er müßte die Note auch im Zeugnis bekommen. Die Kinder hatten auch früher mal solche Unterhaltungen. Es scheint, das [sic] dann Egon doch recht gesund ist, wenn er so auseinander geht. Ich komme auch darauf, Euch mal wieder von Angesicht zu sehen. Aber aus den Gründen, die ich Dir gestern in meinem Briefe angab, wird es mit dem Urlaub gute Weile haben. Oder wie denkst Du über die Sache, meinst Du, ich sollte trotzdem geschäftlich um Urlaub einkommen, Erfolg dürfte es wohl haben. Beiliegend erhältst Du eine Ansicht von unserm Regiments-Friedhof. Das große Kreuz in der Mitte ist ein Massengrab. Die meisten sind sonst einzeln bestattet. Doch ist auch eine ganze Anzahl zu zweien unter einem Kreuze vereinigt. Durch eine Lupe sind die Namen ganz gut leserlich und werde ich Dir später mal die gefallenen Kameraden aus unserer Comp. zeigen. Allerdings ist ein Drittel nicht auf der Karte. Eben eine lange Pause gehabt. Speckenbach war hier. Es war ihm gesagt worden, ich führ morgen in Urlaub und wollte er sich doch mal von der Richtigkeit überzeugen. Die 2te Reihe ist gestern Abend wieder gekommen. Die 3te soll, wie es heißt, Donnerstag fahren. Unser Oberleutnant fährt auch morgen, wie er mir heute morgen sagte. Links von uns scheint seit heute morgen etwas im Gange zu sein, andauernd höre ich gewaltigen Kanonendonner. Links von uns in Houge ist gestern seitens der Engländer gesprengt worden. Ein Angriff ist nicht erfolgt. Bei uns ist es noch wie sonst. In Rußland sollen ja auch wieder gute Fortschritte gemacht worden sein. Bis Windan [?] sollen wir vorgekommen sein. Hoffentlich ist der Friede dadurch etwas näher gekommen. Morgen geht es wieder in erste Linie. Wenn möglich dann mehr. Grüße unsere l. Beiden, Elly und Remscheids. Jetzt will ich noch 1 Kärtchen an Herberg schreiben und an die Muhle muß ich noch schreiben, fehlt aber noch 1 Paketchen. Nun mit Gott. Herzlichen Grüße und Küsse für Dich allerbeste,
Dein Ernst.

Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag bekam ich mit der Post Deinen Brief vom 15. ds Mts. Dann bekam ich noch 1 Paketchen von Muhle mit Honigkuchen, selbstgebackenem Kuchen, ½ Büchse Fleischkonserven und 3 Pfefferminzstangen. Allerhand was, und dabei haben sie noch ein weiteres Paket angemeldet. Inzwischen wirst Du ja auch reichlich Nachricht von mir bekommen. Bezüglich der Sprengung habe ich Dir schon die Wirkung mitgeteilt. Es ist bei der Sprengung geblieben. Die Butter in der Blechdose war gut, aber riesig teuer. Nach dem Erhalt des Paketchens gebe ich Dir über den Befund der Butter sofort Kunde. Es freut mich für Elly, daß ihr von allen Seiten geholfen wird, das schwerste [sic] zu ertragen. Hoffentlich bewahrheitet sich mit Valentin und Kenkel das nicht. Es ist sehr zu verurteilen, wenn Kameraden so nur bestimmte Nachrichten nach Hause kommen lassen. Also die Geschichte mit der Lebensversicherung wäre dann ja geregelt. Falls kein Geld für Löhnung da ist, müßt Ihr Euch mal eine a conto Zahlung von Enders geben lassen. Der Betrag für die ganze Arbeit beläuft sich auf rund 1300 M. Du schriebst gestern von 12 000 Gefangenen, die die Engländer gemacht haben sollten. Das stimmt wohl nicht. Ich nehme an, daß es die ca. 4 000 Gefangenen sind, die in unseren Kolonien vor der Uebermacht des Feindes kapituliert haben. Den Rest unserer Streitkräfte. Ich frug mal in einem Briefe an, ob wegen der vorjährigen Steuern Du etwas unternommen hättest? Schreibe mir bitte mal darüber. Du wolltest doch mit Wilh. die Sache machen unter Anweisung von Dr. Schulte. Von Raab habe ich noch nichts wieder gehört, ob der vielleicht schon ausgerückt ist. Ich hörte von 24er Pionieren, die bei unserer Stellung sind, daß die 25er in Ostende augenblicklich hinter der Front lägen. Hier ist es heute, wie gestern, sehr ruhig. Du schreibst hier im Westen müßte sich was großes vorbereiten, ich weiß von nichts. Woraus schließt Du das? Ich glaube auch, daß unser Friede fast groß werden und wir alt, was? In den Jahren denkt man schon mehr, als wie oft gedacht wird. Wir wissen das aus eigener Erfahrung doch. Ob Liesen eigentlich noch immer in Berlin ist? Habe lange nichts von ihm gehört. Auch von Otto Tr. hörte ich noch gar nichts wieder. Ob er meine oder die letzte Karte nicht bekommen hat, ich weiß es nicht, will ihm heute mal eine Karte schreiben. Heute ist die Witterung wieder gut, aber immer noch frisch. – Wieweit sind denn zu Hause die Großebohnen, es muß doch so bald an der Zeit sein, daß die gut sind. Schade, daß ich da nicht helfen kann. Oder hast Du dementsprechend weniger gepflanzt? Heute morgen habe ich geschlafen bis fast 8 Uhr. Jetzt ist es 10 Uhr. Selbst gebrauten Kaffee mit Imbiß habe ich schon zu mir genommen und ist dieser Brief meine erste Arbeit. Heute wird es nicht viel zu tun geben, etwas Arbeitsdienst und dann bauen wir unsere Unterstände zur eigenen Bequemlichkeit besser aus. So ist hier jetzt fast an jedem Unterstande eine Veranda mit Tischen und Bänken für den Aufenthalt am Tag, wenn es ruhig ist, entstanden, welche gegen Sonne durch Anstecken von Gebüsch besteckt sind. Auch die meisten sind regensicher mit Pappe abgedeckt. Du siehst wir sind so ziemlich gut eingerichtet und hat den Anschein als wenn wir hier noch lange bleiben wollten. Schade, daß Du mal nicht auf einige Stunden einen Einblick in unsere Kolonie „Granatwald“ hinein tun kannst. Nun für heute genug, ich weiß nichts mehr. Morgen sind wir auch wohl noch hier und dann so Gott will, mehr. Grüße mir Elly, Remscheids, unsere lieben Beiden. Besonders sei Du allerbeste, herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem
Ernst

Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag empfing ich Deinen Brief vom 14ten, einen Brief von Muhle, eine Karte von O. Wind und von Lisettchen. Dann noch Dein Paketchen mit Marmelade, Guge [?] und allerlei Süßem. Zu Deinem Briefe folgendes: Es wäre vielleicht richtiger, wenn Du mal an die Lebensversicherung schreiben würdest und den Betrag dann bezahltest. Einmal muß es ja doch sein. Wenn ich die Adresse genau wüßte, würde ich es besorgen. Dem C. Dönneweg müßt Ihr gehörig Bescheid sagen, der kann alles anhören. Ich werde ihm mal gelegentlich über seine Art und Weise zur Rede stellen, wenn ich mal da bin. Das ist mit Enders immer so gewesen, erst ist die Ware immer zu teuer und nachher müssen wir doch helfen. Die Arbeit bei Hohage durch Kattwinkel wird für Meyer gemacht, als Gegenrechnung, da er uns doch auch einige Tage bei Dr. Hofmann geholfen hat. Für den Steinbach wird Kattwinkel denn wohl noch einen anderen Maurer bekommen, damit die Ueberwölbung so schnell wie möglich zu Ende geführt werden kann. Waren Schmitz und Fuchs denn beide in Urlaub auf längere Zeit? Soll mich denn doch wundern, ob Emil das Glück hat. Wir wollen es ihm gönnen. Der Eine hat in dieser Beziehung mehr Glück wie der andere. Ich sprach auch mit Carl Speckenbach über den Urlaub, er wußte noch nichts bestimmtes. Wenn er mit der 5ten Rate kommen sollte, würde er Anfang September dort sein. Bei uns wird es wohl Anfang oder Mitte Oktober werden. Geschäftlich möchte ich aus dem Grunde nicht gern Urlaub nachsuchen, da dann durch eine eventuelle Genehmigung andere Kameraden, die noch garnicht oder wenigstens nicht in diesem Jahre in Urlaub waren, zurücktreten müssen. Du kannst [?] Dir wohl [denken], das [sic] jeder gerne sobald wie möglich heim möchte, da man ja immer nicht wissen kann, ob keine anderen Bestimmungen getroffen werden. O.W. schreibt mir auch auf der Karte, daß er bereits ausgerückt sei, wenn ich die Karte erhielte, soll mich nur wundern nach welchem Kriegsschauplatze man ihn hin dirigierte. Lisettchen schreibt mir auch, daß Heinrich sich in Siegen den 20. stellen müßte. Mit seinem Bein möchte ich ihm gönnen, daß er zu Hause bleiben könnte, oder in seinem Fach in einer Militärschmiede sofort beschäftigt würde. Emilie schreibt auch, daß Gustav zur Infanterie gezogen sei. Denke Dir mal an so ein alter Knabe soll dann noch Soldat spielen. Man staunt wirklich über die alten Leute, die jetzt noch ausgebildet werden sollen. Man sollte meinen, es wäre bald alles ausgehoben. – Die 3 Tage in anderer Linie sind gut verlaufen. Es wahr [sic] sehr ruhig die Tage. Verluste hatten wir gar keine, was lange nicht da gewesen ist. Die Witterung war allerdings schlecht, besonders des Nachts. Es hat so ziemlich die Zeit aneinander geregnet. Bald ein Wetter wie im Herbst. Jetzt werden wir wohl wieder 3 Tage hier bleiben und dann geht’s wahrscheinlich wieder nach vorne. Die Nacht habe ich revidiert von 1 – 5 Uhr. Um 5 Uhr war die Ablösung da. Jetzt ist es 11 Uhr. Zunächst habe ich hier gegen 7 Uhr den Morgenkaffee (den Nachtkaffee schon um 3 Uhr) eingenommnen, einen kräftigen Imbiß dazu genommen, 2 Schnitten rund ums Brot. Versuchte dann zu schlafen, aber es hatte keinen Ort. Dann gegen 9 Uhr 1 Stunde, nachdem ich mich hingelegt hatte, war ich schon wieder auf den Beinen. Habe dann Toilette gemacht und so ist die Zeit hingegangen. Heute ist es nun so richtiges Sonntagswetter. Schade, daß ich nicht mit Euch einen Spaziergang machen kann, es ist zu weit. Zeit hätte ich schon dafür. – Ich denke, Elly wird sich so vor und nach in den Verlust schicken. Anbei schicke ich Dir einige Andenken aus dem Schützengraben. 1 Bild von der Postkarte von dem Schloß, wo wir schon 2 Ansichten von haben. Das untere ist einige Wochen später aufgenommen. Dann eines vom Schützengaben direkt, wo Du die Wirkung eines Artillerie Volltreffers sehen kannst. Es ist aus unserer Stellung. 2 Mann wurden hierbei durch den umgeworfenen Sandsack verschüttet, aber doch nur unbedeutend verletzt. Dann noch 1 Bildchen von der Kirche in Hollebecke. So ähnlich sieht das ganze Dorf aus. Von allen Gebäuden stehen nur noch die nackten Mauern. Jetzt will ich noch einen Brief an Muhle schicken und denen 1 Bildchen vom Schützengraben schicken, ich habe noch 2. Das andere sollen Wendels haben. Dann will ich Lisettchen noch erwidern. So geht dann der Sonntag so langsam herum. Mittlerweile habe ich schon mal Hunger gekriegt und will dann erst nach Beendigung des Briefes frühstücken. Kaffee ist soeben angelangt, dazu giebt es dann Käse und Fleisch-Butterbrote. So Gott will, morgen mehr. Grüße Remscheids. Gruß und Kuß für unsere l. Beiden. Besonders sei Du allerbeste herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem
Ernst.

Meine liebe Lydia!

Gestern bekam ich mit der Post eine Karte von Kleine Ratmecke. Hier giebt es wenig Neues. Die Nacht und auch der Tag verlief sehr ruhig und ich denke, es wird auch so bleiben. Ich hatte die Nacht Revision von 1 – 5 Uhr. Da es auch des Nachts Kaffee giebt um 3 Uhr, habe ich schon um diese Zeit mit Asbeck zusammen, der so freundlich war und mir Marmelade und Brot zur Verfügung stellt, meinen Morgenkaffee mit Imbiß eingenommen. Es schmeckte schon ganz gut. Der Himmel war ganz klar, der Tag graute soeben und einige feindl. Flieger flogen schon unsere Stellung ab. Ich habe aber selbst noch Brot und Marmelade genug. Doch war ich weit ab von meiner Behausung. Bekomme fast täglich von der Comp. Aprikosen- oder Pflaumenmarmelade geliefert. Auch ist der Vertrieb von Brauselimonade eingerichtet, sodaß jeder hier in vorderster Linie die Flasche für 5 ₰ haben kann. Allerdings klappt die Lieferung nicht immer so prompt. Heute morgen habe ich dann so von 5 – 12 Uhr geruht, dann noch mal gefrühstückt: Kaffee, Brot mit Marmelade und Käse aufgedeckt. Hierauf ein Pfeifchen angebrannt und dann mit meinem Drees die 2te Stellung abgegangen. Auch einen Rundgang durch die Nachbarcompanie gemacht. Traf dann noch den Schäfer (von Metz) und haben uns dann über allerhand wohl auf eine halbe Stunde unterhalten. Der macht auch, wie ich, die Pionierarbeiten in seiner Comp. Dann habe ich meine Arbeitsgruppen besucht, hier und da eine Anweisung gegeben und so ist es mittlerweile 4 Uhr geworden. Jetzt giebt es gleich Mittagessen und dann mache ich noch mal einen Gang durch den Graben, und ein Tag ist wieder weniger. So nun weißt Du meine Beschäftigung bis ins Kleinste.
Wie weit mögen die Arbeiten bei Enders sein, sprich mal Kattwinkel. Ich will ihm dann auch noch mal schreiben. Wenn die Arbeiten beendet sind und er keine Arbeiten im Tagelohn für die Werkstatt mehr hat müssen wir alles einstellen. Vielleicht können Enders ihn für die Dauer des Krieges beschäftigen, wenn er sonst nichts hat. Grüße mir alle Bekannte, unsere l. Beiden, besonders sei Du allerbeste, herzlichst gegrüßt und geküßt von
Deinem Ernst.

Meine liebe Lydia!

Heute den ersten Tag in unserer alten Stellung in vorderer Linie. Habe eben einen Brief an Elly beendet und dem Radfahrer noch mitgegeben. Es ist jetzt ½ 12 Uhr. Ob ich nun die richtigen Worte gefunden habe, ich weiß es nicht. – Heute morgen wurden wir um ½ 4 Uhr geweckt. Um 4 Uhr war Abmarsch. Kurz nach 5 Uhr war ich in Stellung. Sprach noch mit W. Schnickmann, er will mir ein Bildchen vom Grabe Teutemann besorgen Diese Nacht hat es fast die ganze Nacht stark geregnet, sodaß die Wege heute ziemlich aufgeweicht sind. Augenblicklich ist wieder Sonnenschein. Aber sehr frisch dabei. Bei Speckenbach war ich gestern Abend noch auf eine halbe Stunde. Den Compagnien sind jetzt Husaren (25 Stück) zugeteilt, die den Schützengrabendienst lernen sollen. Das wird denen wohl nicht besonders anstehen. Die sind aber nur während der Besetzung der vorderen Linie bei uns, sonst nicht. Ich sah gestern, daß der Roggen bald reif ist. Die Früchte stehen hier, soweit ich die Lage beurteilen kann, ausgezeichnet. Das Heu hat man von den Feldern, wo die Leute oder vielmehr die Besitzer geflüchtet sind, getrocknet in große Haufen gesetzt. Diese soll wahrscheinlich Winterfutter für die Pferde sein. Cychorien sind hier auch angebaut und stehen in voller Blüte. Schrieb ich Dir schon, daß vorgestern ein engl. Flieger durch Artillerievolltreffer heruntergeholt wurde. Der Motor explodierte und der Aparat [sic] stürzte steil ab. In den Argonnen sollen wir ja auch wieder gute Erfolge gehabt haben. Immer Erfolg und immer Erfolg und doch wie weit scheint der Frieden noch so weit zu sein. Wann mag er kommen. Ob in Rußland wieder was vorgeht. Die Russen räumen allmählich Warschau und Umgegend. Von unserer Seite hört man gar nichts. Die Italiener sollen ja entsetzliche Verluste gehabt haben und scheinen ja auch garnicht vorwärtszukommen. Nun weiß ich aber nichts Neues mehr. Bekomme meinen Bogen garnicht voll. Heute Nachmittag werde ich wohl etwas Post bekommen und denke ich Dir dann morgen nach mal wieder etwas Nachricht zukommen zu lassen. Für heute dann genug. Grüße unsere l. Beiden, auch Remscheids Raabs etc.
Besonders grüßt und küßt Dich, Allerbeste
Dein Ernst

Meine liebe Lydia!#
Gestern bin ich nicht zum Schreiben gekommen, vor lauter Dienst. Ich bekam gestern deine Briefe vom 8 u 9 und heute, die vom 4 und 11 und Egons. Der vom 4. war im Reserve Regiment gewesen, obwohl die Adresse richtig war. Ferner bekam ich gestern 1 Paketchen mit Süßigkeiten von Ebinghaus jr und 1 Karte von Petri. – Mit Hugo Trimpop will mir auch noch garnicht in den Sinn, ich kann Ellys Schmerz gut verstehen. Ich werde an Elly schreiben. Doch ich muß wirklich erst ein paar Tage verstreichen lassen, es wird mir hart, das Mitleid läßt sich schwer in Worte kleiden. Ja, es wird, und ist schon, manches irdische Glück zerstört werden. Man sollte meinen, es wäre bald Blut genug geflossen und die Völker einigten sich. Ich meine, mit Egon ist da nichts zu weiter zu machen. Gewiß können wir ihm die Privatstunden in Deinem Sinn geben lassen. Jedoch wird er dies nicht alles in den Ferien nachholen können und dürfen wir dafür Pastors so beanspruchen? Evtl. sprichst Du noch mal mit Schlüter, ich glaube der ist energischer. Wenn er es nicht fertig bringt, müssen wir uns mit der Tatsache abfinden. Wie gesagt, überlasse ich das Dir mit der Regelung der Privatstunden. Immerhin möchte ich nicht gerne was umsonst haben. Der Offizierstellvertreter ist früher bei der Artl. gewesen, hatte aber dort keine Aussicht auf Beförderung zum Leutnant und ist zum Infanteristen umgemeldet worden. Ich mache die Pionierdienste, wenn unsere [sic] Comp. daran liegt. Der Hegemann hat sächlich [?] Glück, vielleicht ist er aber auch wirklich krank und man tut ihm Unrecht. Na, Lehrer Hennig kann ja auch mal 1 Bild vom Schützengraben haben, ich bekomme wahrscheinlich noch mehrere. Ebinghaus Grete will auch, wie Du auf dem Kärtchen siehst, ein Bild haben, hast Du noch ein von mir als Feldwebel oder sonst muß ich mich noch mal abnehmen lassen. Aber es heißt wir können garnicht mehr nach W. zurück und geht es dann nicht. Evtl. müßtest Du ihr eins schicken. Bevor ich Grete weiter schreibe (1 Karte habe ich ihr heute früh geschrieben und den Empfang des Paketes bestätigt und Näheres im Briefe versprochen) warte ich Deinen Bescheid ab. Wenn die Eier so rar und so teuer sind, schicke keins. Mit Speckenbach sprach ich gestern Abend noch so eben, er weiß noch nicht, wann er in Urlaub kommt. Aber wahrscheinlich kommt er früher wie ich. Husberg ist jetzt in Urlaub, hörte es von Speckenbach. Er läßt Dich grüßen. Heute habe ich schon Karten geschrieben an: Lisettchen, Luischen, Wendels, Grete Elinghaus, unsern Beiden, Erna Raab. Hatte eine Serie von Ypern gekauft für 60 ₰ das Dutzend. Gestern früh sind wir vom Knüppeldamm nach C. gekommen. Hatten dann gleich exerzieren und des Nachmittags reihte sich ein Apell und Baden an den anderen. Nachmittags hatten dann noch einige Leute zu viel Bier getrunken und dadurch den Dienst versäumt, zur Strafe wurde sie mit 3 Tagen str[enger] Arrest bestraft dafür, den sie nun gestern durch Anbinden an einen Baum verbüßten. Heute war nun wieder Exerzieren Vormittag, heute Nachmittag schon seit 2 Uhr Apell. Jetzt ist es ½ 6 Uhr. Dann ist noch Einteilen der Comp., da wir morgen in vordere Linie kommen werden. Heute Nachmittag werden Sachen verpaßt: Hosen, Röcke, Halsbinden [?], Stiefel, Mützen etc. Ich habe auch eine neue Hose bekommen, hatte meine Manschetten, jetzt wieder eine in feldgrau. Ich habe mich in die Baracke gedrückt, die Leute stehen draußen, sonst wäre ich noch nicht zum schreiben gekommen. Die Karten hat der Radfahrer schon mit, dieser Brief wird erst morgen abgehen. Grüße unsere l. Beiden. Besonders sei Du vielmals herzlichst gegrüßt und geküßt, Allerbeste, von Deinem Ernst.
Nun Gott befohlen, und wenn möglich morgen mehr. Wenn auch nur einen Gruß. Gruß an Elly.