Meine liebe Lydia!

Ich bekam gestern die beiliegende Karte und den beiliegenden Brief. Dann von Dir das Paketchen mit den Bohnen. Letzteres habe ich heute Mittag gegessen. Es schmeckte ganz gut. Ich glaubte es wären grüne Bohnen gewesen. Neues ist seit gestern eigentlich garnicht passiert. Heute morgen hatten wir den üblichen Umzug von der Fasanerie nach hier. Gestern Nachmittag gegen 8 Uhr haben die unseren eine kleine Sprengung bei Höhe 60 gemacht. Es entstand einen Augenblick mal etwas lebhaft Feuer, doch dabei blieb es. Gestern haben die Engländer wieder mit schwerer Artillerie hinter Co… geschossen, wobei es einige Tote und Verwundete gegeben hat. Sonst ist die Lage ruhig und unverändert hier. Wohne jetzt in Villa Apollo, hier, mit noch 4 Untfz und meinem Burschen Drees zusammen. Soeben ist die ärztliche Untersuchung hier. Im übrigen ist etwas Arbeitsdienst. Die Witterung ist jetzt wechselnd, bald Regen, bald Sonnenschein. Dabei etwas frischer Wind. Es ist wie im Herbst. Heute werde ich noch wohl etwas Post von Dir erhalten, habe dann wieder mehr Stoff zum Schreiben. Nachher will ich noch etwas Besuch machen. Schäfer und Schröter will ich eben hier besuchen. Vielleicht wissen die etwas Neues. Husberg sah ich noch nicht wieder. Er soll wohl neidisch auf meine Beförderung sein, so ähnlich sprach auch Speckenbach, sonst hätte er mich schon mal aufgesucht, da er mal ganz dicht an mir vorbei gegangen ist und wußte, daß ich da war. Aber da kann ich ihm nun leider nicht helfen. Nun will ich noch eben an Untfz. Langer schreiben und dann ist inzwischen der Radfahrer hier, der die fertige Post mitnimmt und auch Post bringt. Hoffentlich seid Ihr noch alle recht gesund und munter. Gruß an Remscheids und unsere Beiden.
Besonders sei Du allerbeste vielmals und herzlichst gegrüßt und geküßt von
Deinem Ernst