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Meine liebe Lydia!

Gestern morgen erhielt ich 1 Paketchen mit Cytronensaft von Herbergs. (Wohl als Quittung für die Kohlen). Dann gestern Nachmittag Deinen Brief vom 16. und das Paketchen mit Eier. Die Eier waren noch sämtlich gut erhalten. Habe sie diesen morgen kochen lassen und auch alle gleich aufgegessen, d.h. nur 3 davon, den Rest mußte ich kameradschaftlich mit meinen Wohnungsinhabern teilen. Also dann hast Du doch jetzt Post von mir bekommen. In dem Briefe, der sich verloren hatte und im Reserve Regiment gewesen war, ist mir der Besuch der Nahmer mitgeteilt. Emil schrieb mir auch schon, daß ein V.Feldw hier sei von seinem Contor. Vielleicht trifft man sich gelegentlich mal hier. Ob Schulte dann meinte, Daß die Steuern einfach so niedergeschlagen würden? Den Gruß von Frau Liesen kannst Du gelegentlich wieder zurückgeben und ihr sagen, Wilh. sollte man schreiben, ich wüßte seine Adresse nicht mehr. Wenn Egon die Uebungsarbeiten noch mit der Note 3 nach Hause bringt, sollte man meinen. er müßte die Note auch im Zeugnis bekommen. Die Kinder hatten auch früher mal solche Unterhaltungen. Es scheint, das [sic] dann Egon doch recht gesund ist, wenn er so auseinander geht. Ich komme auch darauf, Euch mal wieder von Angesicht zu sehen. Aber aus den Gründen, die ich Dir gestern in meinem Briefe angab, wird es mit dem Urlaub gute Weile haben. Oder wie denkst Du über die Sache, meinst Du, ich sollte trotzdem geschäftlich um Urlaub einkommen, Erfolg dürfte es wohl haben. Beiliegend erhältst Du eine Ansicht von unserm Regiments-Friedhof. Das große Kreuz in der Mitte ist ein Massengrab. Die meisten sind sonst einzeln bestattet. Doch ist auch eine ganze Anzahl zu zweien unter einem Kreuze vereinigt. Durch eine Lupe sind die Namen ganz gut leserlich und werde ich Dir später mal die gefallenen Kameraden aus unserer Comp. zeigen. Allerdings ist ein Drittel nicht auf der Karte. Eben eine lange Pause gehabt. Speckenbach war hier. Es war ihm gesagt worden, ich führ morgen in Urlaub und wollte er sich doch mal von der Richtigkeit überzeugen. Die 2te Reihe ist gestern Abend wieder gekommen. Die 3te soll, wie es heißt, Donnerstag fahren. Unser Oberleutnant fährt auch morgen, wie er mir heute morgen sagte. Links von uns scheint seit heute morgen etwas im Gange zu sein, andauernd höre ich gewaltigen Kanonendonner. Links von uns in Houge ist gestern seitens der Engländer gesprengt worden. Ein Angriff ist nicht erfolgt. Bei uns ist es noch wie sonst. In Rußland sollen ja auch wieder gute Fortschritte gemacht worden sein. Bis Windan [?] sollen wir vorgekommen sein. Hoffentlich ist der Friede dadurch etwas näher gekommen. Morgen geht es wieder in erste Linie. Wenn möglich dann mehr. Grüße unsere l. Beiden, Elly und Remscheids. Jetzt will ich noch 1 Kärtchen an Herberg schreiben und an die Muhle muß ich noch schreiben, fehlt aber noch 1 Paketchen. Nun mit Gott. Herzlichen Grüße und Küsse für Dich allerbeste,
Dein Ernst.


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Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag bekam ich mit der Post Deinen Brief vom 15. ds Mts. Dann bekam ich noch 1 Paketchen von Muhle mit Honigkuchen, selbstgebackenem Kuchen, ½ Büchse Fleischkonserven und 3 Pfefferminzstangen. Allerhand was, und dabei haben sie noch ein weiteres Paket angemeldet. Inzwischen wirst Du ja auch reichlich Nachricht von mir bekommen. Bezüglich der Sprengung habe ich Dir schon die Wirkung mitgeteilt. Es ist bei der Sprengung geblieben. Die Butter in der Blechdose war gut, aber riesig teuer. Nach dem Erhalt des Paketchens gebe ich Dir über den Befund der Butter sofort Kunde. Es freut mich für Elly, daß ihr von allen Seiten geholfen wird, das schwerste [sic] zu ertragen. Hoffentlich bewahrheitet sich mit Valentin und Kenkel das nicht. Es ist sehr zu verurteilen, wenn Kameraden so nur bestimmte Nachrichten nach Hause kommen lassen. Also die Geschichte mit der Lebensversicherung wäre dann ja geregelt. Falls kein Geld für Löhnung da ist, müßt Ihr Euch mal eine a conto Zahlung von Enders geben lassen. Der Betrag für die ganze Arbeit beläuft sich auf rund 1300 M. Du schriebst gestern von 12 000 Gefangenen, die die Engländer gemacht haben sollten. Das stimmt wohl nicht. Ich nehme an, daß es die ca. 4 000 Gefangenen sind, die in unseren Kolonien vor der Uebermacht des Feindes kapituliert haben. Den Rest unserer Streitkräfte. Ich frug mal in einem Briefe an, ob wegen der vorjährigen Steuern Du etwas unternommen hättest? Schreibe mir bitte mal darüber. Du wolltest doch mit Wilh. die Sache machen unter Anweisung von Dr. Schulte. Von Raab habe ich noch nichts wieder gehört, ob der vielleicht schon ausgerückt ist. Ich hörte von 24er Pionieren, die bei unserer Stellung sind, daß die 25er in Ostende augenblicklich hinter der Front lägen. Hier ist es heute, wie gestern, sehr ruhig. Du schreibst hier im Westen müßte sich was großes vorbereiten, ich weiß von nichts. Woraus schließt Du das? Ich glaube auch, daß unser Friede fast groß werden und wir alt, was? In den Jahren denkt man schon mehr, als wie oft gedacht wird. Wir wissen das aus eigener Erfahrung doch. Ob Liesen eigentlich noch immer in Berlin ist? Habe lange nichts von ihm gehört. Auch von Otto Tr. hörte ich noch gar nichts wieder. Ob er meine oder die letzte Karte nicht bekommen hat, ich weiß es nicht, will ihm heute mal eine Karte schreiben. Heute ist die Witterung wieder gut, aber immer noch frisch. – Wieweit sind denn zu Hause die Großebohnen, es muß doch so bald an der Zeit sein, daß die gut sind. Schade, daß ich da nicht helfen kann. Oder hast Du dementsprechend weniger gepflanzt? Heute morgen habe ich geschlafen bis fast 8 Uhr. Jetzt ist es 10 Uhr. Selbst gebrauten Kaffee mit Imbiß habe ich schon zu mir genommen und ist dieser Brief meine erste Arbeit. Heute wird es nicht viel zu tun geben, etwas Arbeitsdienst und dann bauen wir unsere Unterstände zur eigenen Bequemlichkeit besser aus. So ist hier jetzt fast an jedem Unterstande eine Veranda mit Tischen und Bänken für den Aufenthalt am Tag, wenn es ruhig ist, entstanden, welche gegen Sonne durch Anstecken von Gebüsch besteckt sind. Auch die meisten sind regensicher mit Pappe abgedeckt. Du siehst wir sind so ziemlich gut eingerichtet und hat den Anschein als wenn wir hier noch lange bleiben wollten. Schade, daß Du mal nicht auf einige Stunden einen Einblick in unsere Kolonie „Granatwald“ hinein tun kannst. Nun für heute genug, ich weiß nichts mehr. Morgen sind wir auch wohl noch hier und dann so Gott will, mehr. Grüße mir Elly, Remscheids, unsere lieben Beiden. Besonders sei Du allerbeste, herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem
Ernst


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Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag empfing ich Deinen Brief vom 14ten, einen Brief von Muhle, eine Karte von O. Wind und von Lisettchen. Dann noch Dein Paketchen mit Marmelade, Guge [?] und allerlei Süßem. Zu Deinem Briefe folgendes: Es wäre vielleicht richtiger, wenn Du mal an die Lebensversicherung schreiben würdest und den Betrag dann bezahltest. Einmal muß es ja doch sein. Wenn ich die Adresse genau wüßte, würde ich es besorgen. Dem C. Dönneweg müßt Ihr gehörig Bescheid sagen, der kann alles anhören. Ich werde ihm mal gelegentlich über seine Art und Weise zur Rede stellen, wenn ich mal da bin. Das ist mit Enders immer so gewesen, erst ist die Ware immer zu teuer und nachher müssen wir doch helfen. Die Arbeit bei Hohage durch Kattwinkel wird für Meyer gemacht, als Gegenrechnung, da er uns doch auch einige Tage bei Dr. Hofmann geholfen hat. Für den Steinbach wird Kattwinkel denn wohl noch einen anderen Maurer bekommen, damit die Ueberwölbung so schnell wie möglich zu Ende geführt werden kann. Waren Schmitz und Fuchs denn beide in Urlaub auf längere Zeit? Soll mich denn doch wundern, ob Emil das Glück hat. Wir wollen es ihm gönnen. Der Eine hat in dieser Beziehung mehr Glück wie der andere. Ich sprach auch mit Carl Speckenbach über den Urlaub, er wußte noch nichts bestimmtes. Wenn er mit der 5ten Rate kommen sollte, würde er Anfang September dort sein. Bei uns wird es wohl Anfang oder Mitte Oktober werden. Geschäftlich möchte ich aus dem Grunde nicht gern Urlaub nachsuchen, da dann durch eine eventuelle Genehmigung andere Kameraden, die noch garnicht oder wenigstens nicht in diesem Jahre in Urlaub waren, zurücktreten müssen. Du kannst [?] Dir wohl [denken], das [sic] jeder gerne sobald wie möglich heim möchte, da man ja immer nicht wissen kann, ob keine anderen Bestimmungen getroffen werden. O.W. schreibt mir auch auf der Karte, daß er bereits ausgerückt sei, wenn ich die Karte erhielte, soll mich nur wundern nach welchem Kriegsschauplatze man ihn hin dirigierte. Lisettchen schreibt mir auch, daß Heinrich sich in Siegen den 20. stellen müßte. Mit seinem Bein möchte ich ihm gönnen, daß er zu Hause bleiben könnte, oder in seinem Fach in einer Militärschmiede sofort beschäftigt würde. Emilie schreibt auch, daß Gustav zur Infanterie gezogen sei. Denke Dir mal an so ein alter Knabe soll dann noch Soldat spielen. Man staunt wirklich über die alten Leute, die jetzt noch ausgebildet werden sollen. Man sollte meinen, es wäre bald alles ausgehoben. – Die 3 Tage in anderer Linie sind gut verlaufen. Es wahr [sic] sehr ruhig die Tage. Verluste hatten wir gar keine, was lange nicht da gewesen ist. Die Witterung war allerdings schlecht, besonders des Nachts. Es hat so ziemlich die Zeit aneinander geregnet. Bald ein Wetter wie im Herbst. Jetzt werden wir wohl wieder 3 Tage hier bleiben und dann geht’s wahrscheinlich wieder nach vorne. Die Nacht habe ich revidiert von 1 – 5 Uhr. Um 5 Uhr war die Ablösung da. Jetzt ist es 11 Uhr. Zunächst habe ich hier gegen 7 Uhr den Morgenkaffee (den Nachtkaffee schon um 3 Uhr) eingenommnen, einen kräftigen Imbiß dazu genommen, 2 Schnitten rund ums Brot. Versuchte dann zu schlafen, aber es hatte keinen Ort. Dann gegen 9 Uhr 1 Stunde, nachdem ich mich hingelegt hatte, war ich schon wieder auf den Beinen. Habe dann Toilette gemacht und so ist die Zeit hingegangen. Heute ist es nun so richtiges Sonntagswetter. Schade, daß ich nicht mit Euch einen Spaziergang machen kann, es ist zu weit. Zeit hätte ich schon dafür. – Ich denke, Elly wird sich so vor und nach in den Verlust schicken. Anbei schicke ich Dir einige Andenken aus dem Schützengraben. 1 Bild von der Postkarte von dem Schloß, wo wir schon 2 Ansichten von haben. Das untere ist einige Wochen später aufgenommen. Dann eines vom Schützengaben direkt, wo Du die Wirkung eines Artillerie Volltreffers sehen kannst. Es ist aus unserer Stellung. 2 Mann wurden hierbei durch den umgeworfenen Sandsack verschüttet, aber doch nur unbedeutend verletzt. Dann noch 1 Bildchen von der Kirche in Hollebecke. So ähnlich sieht das ganze Dorf aus. Von allen Gebäuden stehen nur noch die nackten Mauern. Jetzt will ich noch einen Brief an Muhle schicken und denen 1 Bildchen vom Schützengraben schicken, ich habe noch 2. Das andere sollen Wendels haben. Dann will ich Lisettchen noch erwidern. So geht dann der Sonntag so langsam herum. Mittlerweile habe ich schon mal Hunger gekriegt und will dann erst nach Beendigung des Briefes frühstücken. Kaffee ist soeben angelangt, dazu giebt es dann Käse und Fleisch-Butterbrote. So Gott will, morgen mehr. Grüße Remscheids. Gruß und Kuß für unsere l. Beiden. Besonders sei Du allerbeste herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem
Ernst.


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Meine liebe Lydia!

Gestern bekam ich mit der Post eine Karte von Kleine Ratmecke. Hier giebt es wenig Neues. Die Nacht und auch der Tag verlief sehr ruhig und ich denke, es wird auch so bleiben. Ich hatte die Nacht Revision von 1 – 5 Uhr. Da es auch des Nachts Kaffee giebt um 3 Uhr, habe ich schon um diese Zeit mit Asbeck zusammen, der so freundlich war und mir Marmelade und Brot zur Verfügung stellt, meinen Morgenkaffee mit Imbiß eingenommen. Es schmeckte schon ganz gut. Der Himmel war ganz klar, der Tag graute soeben und einige feindl. Flieger flogen schon unsere Stellung ab. Ich habe aber selbst noch Brot und Marmelade genug. Doch war ich weit ab von meiner Behausung. Bekomme fast täglich von der Comp. Aprikosen- oder Pflaumenmarmelade geliefert. Auch ist der Vertrieb von Brauselimonade eingerichtet, sodaß jeder hier in vorderster Linie die Flasche für 5 ₰ haben kann. Allerdings klappt die Lieferung nicht immer so prompt. Heute morgen habe ich dann so von 5 – 12 Uhr geruht, dann noch mal gefrühstückt: Kaffee, Brot mit Marmelade und Käse aufgedeckt. Hierauf ein Pfeifchen angebrannt und dann mit meinem Drees die 2te Stellung abgegangen. Auch einen Rundgang durch die Nachbarcompanie gemacht. Traf dann noch den Schäfer (von Metz) und haben uns dann über allerhand wohl auf eine halbe Stunde unterhalten. Der macht auch, wie ich, die Pionierarbeiten in seiner Comp. Dann habe ich meine Arbeitsgruppen besucht, hier und da eine Anweisung gegeben und so ist es mittlerweile 4 Uhr geworden. Jetzt giebt es gleich Mittagessen und dann mache ich noch mal einen Gang durch den Graben, und ein Tag ist wieder weniger. So nun weißt Du meine Beschäftigung bis ins Kleinste.
Wie weit mögen die Arbeiten bei Enders sein, sprich mal Kattwinkel. Ich will ihm dann auch noch mal schreiben. Wenn die Arbeiten beendet sind und er keine Arbeiten im Tagelohn für die Werkstatt mehr hat müssen wir alles einstellen. Vielleicht können Enders ihn für die Dauer des Krieges beschäftigen, wenn er sonst nichts hat. Grüße mir alle Bekannte, unsere l. Beiden, besonders sei Du allerbeste, herzlichst gegrüßt und geküßt von
Deinem Ernst.


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Meine liebe Lydia!

Heute den ersten Tag in unserer alten Stellung in vorderer Linie. Habe eben einen Brief an Elly beendet und dem Radfahrer noch mitgegeben. Es ist jetzt ½ 12 Uhr. Ob ich nun die richtigen Worte gefunden habe, ich weiß es nicht. – Heute morgen wurden wir um ½ 4 Uhr geweckt. Um 4 Uhr war Abmarsch. Kurz nach 5 Uhr war ich in Stellung. Sprach noch mit W. Schnickmann, er will mir ein Bildchen vom Grabe Teutemann besorgen Diese Nacht hat es fast die ganze Nacht stark geregnet, sodaß die Wege heute ziemlich aufgeweicht sind. Augenblicklich ist wieder Sonnenschein. Aber sehr frisch dabei. Bei Speckenbach war ich gestern Abend noch auf eine halbe Stunde. Den Compagnien sind jetzt Husaren (25 Stück) zugeteilt, die den Schützengrabendienst lernen sollen. Das wird denen wohl nicht besonders anstehen. Die sind aber nur während der Besetzung der vorderen Linie bei uns, sonst nicht. Ich sah gestern, daß der Roggen bald reif ist. Die Früchte stehen hier, soweit ich die Lage beurteilen kann, ausgezeichnet. Das Heu hat man von den Feldern, wo die Leute oder vielmehr die Besitzer geflüchtet sind, getrocknet in große Haufen gesetzt. Diese soll wahrscheinlich Winterfutter für die Pferde sein. Cychorien sind hier auch angebaut und stehen in voller Blüte. Schrieb ich Dir schon, daß vorgestern ein engl. Flieger durch Artillerievolltreffer heruntergeholt wurde. Der Motor explodierte und der Aparat [sic] stürzte steil ab. In den Argonnen sollen wir ja auch wieder gute Erfolge gehabt haben. Immer Erfolg und immer Erfolg und doch wie weit scheint der Frieden noch so weit zu sein. Wann mag er kommen. Ob in Rußland wieder was vorgeht. Die Russen räumen allmählich Warschau und Umgegend. Von unserer Seite hört man gar nichts. Die Italiener sollen ja entsetzliche Verluste gehabt haben und scheinen ja auch garnicht vorwärtszukommen. Nun weiß ich aber nichts Neues mehr. Bekomme meinen Bogen garnicht voll. Heute Nachmittag werde ich wohl etwas Post bekommen und denke ich Dir dann morgen nach mal wieder etwas Nachricht zukommen zu lassen. Für heute dann genug. Grüße unsere l. Beiden, auch Remscheids Raabs etc.
Besonders grüßt und küßt Dich, Allerbeste
Dein Ernst


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Meine liebe Lydia!#
Gestern bin ich nicht zum Schreiben gekommen, vor lauter Dienst. Ich bekam gestern deine Briefe vom 8 u 9 und heute, die vom 4 und 11 und Egons. Der vom 4. war im Reserve Regiment gewesen, obwohl die Adresse richtig war. Ferner bekam ich gestern 1 Paketchen mit Süßigkeiten von Ebinghaus jr und 1 Karte von Petri. – Mit Hugo Trimpop will mir auch noch garnicht in den Sinn, ich kann Ellys Schmerz gut verstehen. Ich werde an Elly schreiben. Doch ich muß wirklich erst ein paar Tage verstreichen lassen, es wird mir hart, das Mitleid läßt sich schwer in Worte kleiden. Ja, es wird, und ist schon, manches irdische Glück zerstört werden. Man sollte meinen, es wäre bald Blut genug geflossen und die Völker einigten sich. Ich meine, mit Egon ist da nichts zu weiter zu machen. Gewiß können wir ihm die Privatstunden in Deinem Sinn geben lassen. Jedoch wird er dies nicht alles in den Ferien nachholen können und dürfen wir dafür Pastors so beanspruchen? Evtl. sprichst Du noch mal mit Schlüter, ich glaube der ist energischer. Wenn er es nicht fertig bringt, müssen wir uns mit der Tatsache abfinden. Wie gesagt, überlasse ich das Dir mit der Regelung der Privatstunden. Immerhin möchte ich nicht gerne was umsonst haben. Der Offizierstellvertreter ist früher bei der Artl. gewesen, hatte aber dort keine Aussicht auf Beförderung zum Leutnant und ist zum Infanteristen umgemeldet worden. Ich mache die Pionierdienste, wenn unsere [sic] Comp. daran liegt. Der Hegemann hat sächlich [?] Glück, vielleicht ist er aber auch wirklich krank und man tut ihm Unrecht. Na, Lehrer Hennig kann ja auch mal 1 Bild vom Schützengraben haben, ich bekomme wahrscheinlich noch mehrere. Ebinghaus Grete will auch, wie Du auf dem Kärtchen siehst, ein Bild haben, hast Du noch ein von mir als Feldwebel oder sonst muß ich mich noch mal abnehmen lassen. Aber es heißt wir können garnicht mehr nach W. zurück und geht es dann nicht. Evtl. müßtest Du ihr eins schicken. Bevor ich Grete weiter schreibe (1 Karte habe ich ihr heute früh geschrieben und den Empfang des Paketes bestätigt und Näheres im Briefe versprochen) warte ich Deinen Bescheid ab. Wenn die Eier so rar und so teuer sind, schicke keins. Mit Speckenbach sprach ich gestern Abend noch so eben, er weiß noch nicht, wann er in Urlaub kommt. Aber wahrscheinlich kommt er früher wie ich. Husberg ist jetzt in Urlaub, hörte es von Speckenbach. Er läßt Dich grüßen. Heute habe ich schon Karten geschrieben an: Lisettchen, Luischen, Wendels, Grete Elinghaus, unsern Beiden, Erna Raab. Hatte eine Serie von Ypern gekauft für 60 ₰ das Dutzend. Gestern früh sind wir vom Knüppeldamm nach C. gekommen. Hatten dann gleich exerzieren und des Nachmittags reihte sich ein Apell und Baden an den anderen. Nachmittags hatten dann noch einige Leute zu viel Bier getrunken und dadurch den Dienst versäumt, zur Strafe wurde sie mit 3 Tagen str[enger] Arrest bestraft dafür, den sie nun gestern durch Anbinden an einen Baum verbüßten. Heute war nun wieder Exerzieren Vormittag, heute Nachmittag schon seit 2 Uhr Apell. Jetzt ist es ½ 6 Uhr. Dann ist noch Einteilen der Comp., da wir morgen in vordere Linie kommen werden. Heute Nachmittag werden Sachen verpaßt: Hosen, Röcke, Halsbinden [?], Stiefel, Mützen etc. Ich habe auch eine neue Hose bekommen, hatte meine Manschetten, jetzt wieder eine in feldgrau. Ich habe mich in die Baracke gedrückt, die Leute stehen draußen, sonst wäre ich noch nicht zum schreiben gekommen. Die Karten hat der Radfahrer schon mit, dieser Brief wird erst morgen abgehen. Grüße unsere l. Beiden. Besonders sei Du vielmals herzlichst gegrüßt und geküßt, Allerbeste, von Deinem Ernst.
Nun Gott befohlen, und wenn möglich morgen mehr. Wenn auch nur einen Gruß. Gruß an Elly.


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Meine liebe Lydia!

Ich bekam gestern die beiliegende Karte und den beiliegenden Brief. Dann von Dir das Paketchen mit den Bohnen. Letzteres habe ich heute Mittag gegessen. Es schmeckte ganz gut. Ich glaubte es wären grüne Bohnen gewesen. Neues ist seit gestern eigentlich garnicht passiert. Heute morgen hatten wir den üblichen Umzug von der Fasanerie nach hier. Gestern Nachmittag gegen 8 Uhr haben die unseren eine kleine Sprengung bei Höhe 60 gemacht. Es entstand einen Augenblick mal etwas lebhaft Feuer, doch dabei blieb es. Gestern haben die Engländer wieder mit schwerer Artillerie hinter Co… geschossen, wobei es einige Tote und Verwundete gegeben hat. Sonst ist die Lage ruhig und unverändert hier. Wohne jetzt in Villa Apollo, hier, mit noch 4 Untfz und meinem Burschen Drees zusammen. Soeben ist die ärztliche Untersuchung hier. Im übrigen ist etwas Arbeitsdienst. Die Witterung ist jetzt wechselnd, bald Regen, bald Sonnenschein. Dabei etwas frischer Wind. Es ist wie im Herbst. Heute werde ich noch wohl etwas Post von Dir erhalten, habe dann wieder mehr Stoff zum Schreiben. Nachher will ich noch etwas Besuch machen. Schäfer und Schröter will ich eben hier besuchen. Vielleicht wissen die etwas Neues. Husberg sah ich noch nicht wieder. Er soll wohl neidisch auf meine Beförderung sein, so ähnlich sprach auch Speckenbach, sonst hätte er mich schon mal aufgesucht, da er mal ganz dicht an mir vorbei gegangen ist und wußte, daß ich da war. Aber da kann ich ihm nun leider nicht helfen. Nun will ich noch eben an Untfz. Langer schreiben und dann ist inzwischen der Radfahrer hier, der die fertige Post mitnimmt und auch Post bringt. Hoffentlich seid Ihr noch alle recht gesund und munter. Gruß an Remscheids und unsere Beiden.
Besonders sei Du allerbeste vielmals und herzlichst gegrüßt und geküßt von
Deinem Ernst


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Meine liebe Lydia!

Heute nur ein Kärtchen. Briefpapier ist gerade alle geworden. Mit der Post bekam ich gestern 1 Kärtchen von F.W. Daß ich von Hohenlimburg 1 Paket mit Rauchmaterial bekam, schrieb ich Dir wohl schon. Sonst ist alles wohl, Hoffe auch dort. Die allgemeine Lage unverändert. Grüße vielmals alle Bekannten auch unsere lieben Beiden. Auch sei herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem
Ernst!
NB. Gestern hatten wir Löhnung im Schützengraben. Weißt Du, daß Herr Ide gefallen ist?


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Meine liebe Lydia!

Heute ist Sonntag. Aber der Soldat hat keinen Sonntag. Wenn Du hier in unsere Bereitschaft mal einen Einblick tun könntest, würdest Du staunen mit welchem Geschick die Leute arbeiten. Aus der Höhlenstadt haben wir in den 2 Tagen fast eine Gartenstadt gemacht. Vor uns hat hier ein anderes Regiment gelegen und die nicht mehr wie absolut nötig gewesen, gemacht. Wir machen uns hier das Leben eben so schön in dieser Hinsicht, wie es eben geht. Der Comp. Feldwebel ist gestern Nachmittag nach W. gegangen und kommt heute wieder. Holt zur heutigen Löhnung Geld und regelt sonst einige Geschäfte. Gestern der Tag war sehr ruhig. Die Nacht wurde ich gegen 3 Uhr wach. Es waren Schrapnells, die die Störung verursacht hatten. Hiergegen ist man allerdings sicher und nimmt weiter keine Notiz davon. Nur das Getöse ist etwas hart. Unser Artillerie und Minenwerfer hatten einen Feuerüberfall gemacht und waren die Schrapnells die Antwort. Sonst giebt es wenig Neues. –
Gestern bekam ich mit der Post Deinen Brief vom 7.d.M. und eine Karte von F.W. Letzterer teilt mir seine Beförderung zum Untfz mit, der Gefallene aus Husendemm [?] wird wohl der Förster von Bernh. Nöll sein. Betz Rathmecke habe ich gekannt. Die Grüße von Elly, Laura und Adele erwidere ich. Hoffentlich hat Elly Nachricht von Hugo bekommen. Morgen kommen wir voraussichtlich auf 3 Tage zum Knüppeldamm. Ich werden dann noch wohl wieder etwas von mir hören lassen können. War Emil am Sonntag nicht bei Dir? hast mir nichts darüber geschrieben oder habe ich seinen Brief nicht bekommen.
Gruß an unser l. Beiden. Auch an Remscheids. Besonders sei Du allerbeste vielmals gegrüßt und geküßt von
Deinem Ernst


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Meine liebe Lydia!

Gestern und vorgestern bin ich nicht zum Schreiben gekommen. Den letzten Tag in Stellung hatte ich so allerhand um die Hand und wie ich Zeit hatte war der Radfahrer schon da gewesen. Gestern bin ich dann vor lauter Arbeit nicht dazu gekommen. Liegen in einem neuen Abschnitt in Alarmstellung, inmitten eines Waldes, ganz idyllisch. Doch die Unterstände waren zum Teil schlecht, besonders, den ich beziehen wollte. Und nun gab es nur Bauen, was den ganzen Tag in Anspruch nahm. Nun haben wir aber auch was feines. Allerdings muß man die Stuben, die ca. 1,30 m hoch sind, in gebückter Stellung begehen, und im Sitzen kann man den Kopf gerade tun. Der Comp. Feldwebel, der älteste Untfz und ich haben uns die Wohnung geteilt. Hat auch jeder an seinem Teil zu der Einrichtung beigetragen. Unsere Wohnung besteht aus Flur, Schlafstube und Wohnzimmer. Auch eine Veranda haben wir. In den 2 Tagen bekam ich folgendes mit der Post: Deinen Brief vom 5.7., 1 Karte von O. Wilke vom 5.7., 1 Paketchen mit 20 Cygarren von L. Holzhlg, 1 do von Lisettchen mit allerlei Süßem. Nun zu Deinem Briefe. (Dann bekam ich aber gestern noch 3 Kärtchen: von Egon, Lisettchen und Fritz Wilke.) Hast ja tüchtig Einkäufe gemacht. Da wird es wohl Winter werden, bis Du das alles fertig hast. Ihr werdet dann nun auch wohl den so sehnsüchtig erwarteten Regen bekommen haben. Du willst nicht haben, das [sic] wir lachen, wenn Du mir ein Muster schickst. Das ist auch kein boshaft lachen, aber Du mußt wissen, daß ich meistens mit jüngeren Leuten hier zu tun habe, die unverheiratet sind und die sich gern etwas Spaß machen und haben zumeist mit solchen Sachen etwas Hintergedanken. Zufällig fiel das Restchen bei Entfaltung des Briefes raus, sonst hätte es vielleicht keiner gesehen, denn uns persönlich angehende Sachen, verrate ich nicht. Ich bin Dir für die allergeringste Mitteilung dankbar. Ich bin jetzt immer beim 1. Zug als Stellvertreter; als Führer ist ein Leutnant. Beim 2. Zug ist auch 1 Leutnant, dieser ist jedoch krank und infolgedessen führt Müller solange den Zug. Ob ich übrig bin oder nicht, Urlaub wird wohl vor der Hand nicht zu haben sein. Müller fährt wahrscheinlich jetzt am 25. in Urlaub und bis zu seiner Rückkehr werde ich dann seinen Zug übernehmen müssen.
Dann haben Remscheids ja großen Besuch gehabt. Ja, es soll mich wundern, ob wie Du meinst, bis zur Obsternte der Krieg beendet ist. An Hugo will ich auch mal 1 Kärtchen schreiben, dann Otto und Fr. W., an Elise und Lisettchen und an die Holzhandlung. Neues hat es hier in den letzten Tagen sehr wenig gegeben. Den letzten Tag hatten wir noch einen Leichtverwundeten infolge Gewehrschusses. Trotzdem wir gegen Abend heftig mit kleinen Minen beworfen wurden, hatten wir weiter keine Verluste, nur einigen Materialschaden richteten sie an. Der am 2. Tage schwer verwundet wurde, ist seinen Verletzungen erlegen und wird heute in W. bestattet. 1 Gruppe ist zur Beerdigung dorthin gegangen. Die letzten Tage war ich etwas erkältet. Infolgedessen hatte ich erst am linken Auge, jetzt am rechten Auge ein Gerstenkorngeschwür. Es geht aber wieder besser. Man schwitzt manchmal sehr, dann legt man sich hin und friert dann etwas und schon hat man so etwas weg.
Egon freut sich ja aber über seine Geschenke sehr. Mein Brief ist dann ja zur rechten Zeit angekommen. Hast Du wegen der Steuern schon etwas unternommen? mit deinem Bruder Wilhelm zusammen, wie Dir Schulte angeraten hatte? Sonst nichts Neues, wenn Gott will morgen mehr. Gruß und Kuß an unsere l. Beiden und Elly und Remscheids. Besonders grüßt und küßt Dich, Allerbeste,
Dein Ernst
Eine Karte von den beiden Schlössern von der anderen Seite aus gesehen, wie die neulich geschickten, anbei. Jetzt ist allerdings von dem Schlosse links infolge schwerer Granaten das ganze Dach heruntergeschossen worden.