Meine liebe Lydia!

Gestern bekam ich keine Post. Heute morgen bekam ich durch unsern Radfahrer 2 Pakete, eines von Dir und einen von Geschwister Trimpop. Die Zwiebäcke habe ich gleich heute morgen zum Kaffee gegessen. Es war schon bereits 10 Uhr wie ich Kaffee getrunken. Die Nacht mußte ich revidieren von 9 – 12 Uhr. Die letzte Stunde hat es ziemlich geregnet. Dann habe ich geschlafen bis heute morgen um 8 Uhr. Dann wurde ich geweckt. Es waren 2 Pioniere da, denen mußte ich Arbeit anweisen. Hätte sonst am Ende noch ein paar Stunden geschlafen. Am Tage kann man vor den Fliegen nicht schlafen. Leider hatten wir in den ersten Morgenstunden gegen ½ 5 Uhr 1 Toten und 1 Schwerverwundeten. Ersterer war noch aktiv und diente im 3. Jahr, war schon früher verwundet worden und auch mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet und aus Pfalzburg im Elsaß gebürtig. Er war Untfz. Der Verwundete war Reservist und schon früher verwundet gewesen. Die Verluste entstanden infolge Handgranaten aus dem engl. Schützengraben. An dieser Stelle liegen wir uns auf ca. 30,00 m gegenüber. Jetzt ist es wieder sehr ruhig. Ab und zu schießt die Artillerie von beiden Seiten. Ein Buschmann Hohenlimburg war in Urlaub hatte ihm Grüße an den Uhrmacher und Emil und Lisette aufzugeben. Letzterer sagte er, hätte er nicht antreffen können, er sei 2mal vor die verschlossene Türe gekommen. Sonst weiß ich nichts Neues zu berichten. Wenn ich diesen Nachmittag Post von Dir bekomme, weiß ich dann morgen wieder mehr. An die Kinder schreibe ich dieser Tage auch ein Kärtchen. Gruß und Kuß für die Beiden. Besonders grüßt und küßt Dich, allerbeste,
Dein Ernst

Meine liebe Lydia!
Gestern empfing von Dir die beiden Briefe vom 1.7. mit der einliegenden Zeitung. Heute morgen um 5 Uhr haben wir unsere alte Stellung bezogen. Ich wohne in Villa „Siegmund“. Diese ist aber nicht so nobel, wie am Knüppeldamm meine Wohnung „Schrapnellecke“. Es fehlen Tisch und Bank und auch die Pritsche. Aber einen Strohsack habe ich. Gegen morgen setzte auf ungefähr 2 Stunden 1 heftiger Artilleriekampf ein. Jetzt ist es wieder ganz ruhig. Furchtbar warm ist es hier und – Fliegen. Du machst Dir keinen Begriff davon. Ich habe heute morgen meinen Posten als Comp. Bauführer angetreten und bin im Nebenamt stellvertr. Zugführer vom 1 Zuge. Meine Leute habe ich an der Arbeit. Um der Fliegenplage entgegen zu arbeiten, lasse ich alle Abfälle und Speisereste zusammensuchen. Diese werden dann in eigens dafür ausgegrabenen Müllgräben geworfen und sofort mit Erde überworfen. Unsere Notdurft verrichten wir auf Brillen mit unterstellten Fässern, die täglich an einem bestimmten Ort entleert werden. Jedesmal nach Benutzung wird der Kot mit einem Schaufel Erde überstreut. Auch Pissoirrinnen sind an verschiedenen Stellen im Graben angebracht. Der Urin wird in Fässer geleitet und diese auch wieder entleert. Zwischendurch werden Aborte und Pissoire mit Chlorkalk durch unsere Sanitäter bestreut, um die Bazillen zu töten. Ueberhaupt wird sehr auf Reinlichkeit gehalten. Du siehst, daß da in sanitärer Hinsicht alles gethan wird. Dieses alles muß ich beaufsichtigen, allerhand was? Ein Teil arbeitet dann an Verbesserungen der Brustwehr, Unterstände, Wasserabfluß etc. Interessiert Dich das auch alles? Lege noch ein Bildchen von der Schützengrabenaufnahme bei, soll noch 4 Stück davon haben. Eben kommen hier aus 2ter Linie Leute vom jungen Landsturm, die dort gearbeitet haben und wollen mal aus Neugierde nach den Engländern schauen. Sie kehren stolz zurück, den Feind haben sie zwar nicht gesehen, aber die Stellung wenigstens.
Nun zu Deinen Briefen. Es ist recht, daß Du Hugo mal Paketchen schicken willst, ist seine Adresse denn jetzt anders als früher? Die Baracken – Aufschrift die C. Blankenagel gelesen hat, war in Corteville, ich sah letztens meinen Namen nah Verewige [?]. Von Baukhagens Urlaubsgesuch hast Du mir nichts geschrieben. Wenn ich mal eines Gesuches bedarf, sage ich Dir früh genug Bescheid. Wenn es der Reihe nach geht, werde ich erst Anfang September drankommen. Du mußt auch wissen, daß G. Nachrodt und Raab dicke Freunde sind und finde ich die Freude ganz begreiflich. Wer hat Dir das denn mit Otto alles erzählt, wohl Elly? Ich freue mich, daß er so gute Freunde hat. Hans [?] Spelsberg hat den letzten auf mich ja auch nah Meyen gewartet, ist aber weil wir später kamen, fortgegangen. Allerdings kann ich mich besser über die Verhältnisse wegsetzen, wie Otto und die andern. Du meinst nun gewiß, ich hätte kein Gefühl für so was? Dann hat Erich ja Malör gehabt. Ja, es geht nicht immer so. Die Lebensversicherungsprämie wird schon angemahnt werden, solange warte mit dem bezahlen. Hast doch gewiß mit Egon gehörig geschimpft wegen den Bonbons und weil er den Pfefferminz verloren hatte. Ich habe noch ziemlich Vorrat davon. Also unsere Miß hat immer noch die alten Gewohnheiten. Ich kann mir ihre Lage ganz gut denken. Ob Kattwinkel dann nur noch 1 Maurer zu bekommen hat? Emil wird dann wohl da gewesen sein. Muß ich mich dann wirklich noch mal abnehmen lassen, ich hatte sonst vor, es während des Krieges nicht mehr zu tun. Wie wünscht Du mich dann und dann soll ich mir in die Augen sehen lassen, ja dann Kind, tue ich das am besten aus nächster Nähe, meine Augen sind nun einmal so klein. Das weißt Du doch. Nun ist es aber genug, muß mich mal wieder um meine Arbeit bekümmern. Habe Dir heute so allerhand erzählt, was? Heute ist ja Egons Geburtstag, was soll er wieder ein „Gedönse“, wie Marga sagt, haben. Grüße Remscheids, Elly, Clara, Adele. Gruß und Kuß für unsere l. Beiden. Besonders grüßt und küßt Dich allerbester, Dein Ernst.
Heute sind wir den 13ten Tag hier. Es heißt am 27. gäbe es 3 Tage Ruhe. Nun Gott befohlen. Wenn möglich, morgen mehr. Nochmals herzl. Gruß und Kuß, Dein Ernst

Lieber Ernst!

Gratuliere, wenn auch recht spät, zu Deinem Degen, um etwas mehr Löhnung, aber auch mehr Verantwortung. Halt Dich gesund, so wird auch das gehen.
Habe sehr schlechte Zeit, grade ein Pferd in der Schmiede u. kein Mann hier.
Hedw. fort. Mariechen fort. Diedr. zur Inftr geschrieben.
Der Herr mit Dir
Wilhelm
Brake, d. 29.6.15

[Briefkopf Raab und Trimpop]
Oberrahmede, 30. Juni 1915

Lieber Ernst!

Meine Karte aus meinem Urlaub wirst Du inzwischen erhalten haben. Wir wollen hoffen daß auch der Brief Dich bei völliger Gesundheit antrifft. Habe noch bis zum 3ten Juli Nachurlaub erhalten. Es wird wohl der letzte sein bis ich ausrücke. Hier sind wieder viele gefallene der Sohn von H. Meyer der älteste, hörte heute morgen soll auch gefallen sein. Kölsche Kuhlenkepig, Chr Emde Lüd und noch viel, die Dir nicht bekannt sind. Sonntag müssen von hier wieder viele in meinem Alter zur Garnison. Sobald ich ausgerückt bin, werde Dir schreiben, wo ich hingekommen bin. Ich habe nun die Tage dazu benutzt alles nötige noch zu vergeben. Den Schuppen habe ich für 5200 Mark verkauft. Die Bücher von Deiner Schwägerin eingelöst und ihr dieselben und gekündigt. Die Rechnungen pro Mai Juni sind an Enders Drahtwerke und Dr.Hofmann abgegeben. Es sind ca. 800,- im Tagelohn. Die kleinen Posten habe ich gelassen. Plate hat 150,- Mrk gezahlt. Gestern und heute bin ich bei Dr.Hofmann und klebe das Dach. Wengenroth fängt heute in der Ratmecke mit putzen an. Bei Dr.Hofmann ist so ziemlich alles fertig. Bei Enders müssen wir die Ueberwölbung doch noch fertig stellen. Die Mat[erialien] liegen alle dort und wollen die Ta [?] es gemacht haben. Sobald die Arbeit dann fertig ist, soll Schluß gemacht werden. Ich hatte die 800,- Mark für unsere beiden Frauen vorgesehen und erhalte soeben Klagen vom Wechsel Strücken. Ich hatte Ihm vor 14 Tagen geschrieben, daß wir beide fort wären, er möchte den Wechsel einlösen. Werde Ihn morgen decken. Ebenfals [sic] einen von Boneval. Wenn die Ueberwölbung fertig ist, giebt es doch wieder Geld von Enders und können Clara und Lidia [sic] sich dann etwas nehmen. Die Abrechnung von Dr. Hofmann kann ich nicht fertig stellen. Hoffentlich kommst Du einmal in Kürze in Urlaub und kannst Du dann vielleicht noch etwas regeln. Sonst ist noch alles beim alten. Schreibe mir gleich wieder an meine alte Adresse. Wir werden mit dem [?] Depot ausrücken. Die Kaserne ist voll bis aufs äußerste.
Sei recht herzlich gegrüßt auf ein sonniges Wiedersehn
Dein Carl u Clara [Raab]
Erich kommt vielleicht auch heute Abend auf 14 Tage Erholungsurlaub.

Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag bekam ich den beiliegenden Brief von Ra und ein Kistchen mit 20 Cygarren und kl. Briefchen von Deinem Bruder Wilh. Einen Brief an R habe ich schon fertig. Im Wesentlichen war ich ja schon durch (seinen) Dich über die Mitteilungen, die er mir gemacht, unterrichtet. Es ist gut, daß dieses mal wieder geregelt ist. Ich werde dann auch noch was regeln können, wenn, ja wenn ich mal Urlaub bekomme. Neues hat es seit gestern hier eigentlich gar nicht gegeben. Ich habe diesen Morgen, sage und schreibe bis um ½ 10 Uhr geschlafen. Um 3 Uhr bei Tagesgrauen wurde ich wach. Ich hörte ein mächtiges Infanteriefeuer von unserer Stellung links und sah die Leuchtkugeln hochgehen. Doch es war nur ein Feuerüberfall, nach einer Viertelstunde war die gewohnte Ruhe wieder da. Die 2te Rate Urlauber sind heute morgen weggegangen; 2 Untfz und 8 Mann. Die haben noch dort aber längere Zeit zum fahren gebraucht wie ich, sind um 630 von Werwick gefahren. Und ist Drees (mein Bursche) erst anderen morgens um 900 U in Schwelm gewesen. Heute ist es nicht so warm wie gestern. Der Himmel ist bewölkt. Gestern habe ich mir ein Glas Marmelade mitbringen lassen für 1 M. Die meine, die Du geschickt, war alle. Ich glaube, ich kaufe sie hier auch billiger, als wie dort. Sonst habe ich Essen und Trinken genug. Zu meinem Mittagessen von der Feldküche (wie die Mannschaften) bekam ich wenigstens 1 ȹ Schinken und ½ ȹ Edamer Käse. So ist es fast jeden Tag und bekomme ich hier mehr, wie mancher zu Hause. Im übrigen hört man sonst vom Kriege wenig, wollt sagen vom Frieden. Aber er muß doch bald kommen. Elend ist bald genug in der Welt und Tote hat es schon übergenug gegeben. Morgen geht es dann in vorderste Stellung. Wenn möglich dann mehr. Gruß und Kuß an unsere l. Beiden.
Besonders grüßt und küßt Dich allerbeste
Dein Ernst

Mein liebes Märgelchen!

Vom 27. vorigen Monats erhielt ich ein Kärtchen von Dir. Nun weiß ich die Reihenfolge der Zensuren wieder und will sie auch behalten. Und Du hast auch Waldbeeren gesucht, hast Du ins Körbchen auch welche bekommen oder alle gleich gegessen? Wenn ich mal in Urlaub komme, suchst Du für mich doch auch welche zu einem Waldbeerkuchen? Aber schöne Namen habt Ihr Euch gegeben, das muß ich sagen. Genug für heute. Grüße Mutter und Egon und sei Du besonders gegr. u. gek. von D. Väterchen.

Meine liebe Lydia!

Heute einen Sonntagsbrief, habe gute Zeit zum Schreiben. Gestern Nachmittag bekam ich reichliche Post. Deinen Brief vom 29.v.M., Karten von Egon, Kleine, Stippe, einen Brief von C. Gerlach und 1 Paketchen mit Cygarren und Tabak vom Arbeitgeberbund. Habe jetzt eine Pause von 1½ Stunden gehabt. Speckenbach war bei mir. Um 12 Uhr fing ich mit dem Schreiben an und jetzt ist es ½ 2 Uhr. Um ¼ vor 2 Uhr muß die Comp. antreten. Der Comp. Führer will sie sprechen. Was er mal wieder will, weiß ich nicht. Mittag gegessen habe ich auch soeben. Kartoffeln, dazu eine Fleischkonservenbüchse warm gemacht. Wir hatten soviel, daß ich Speckenbach noch was mitgeben konnte. Seine Angehörigen hatten ihm depeschiert, er möchte doch sofort in Urlaub kommen, da seine 3 Brüder daheim. Aber für so was hat man hier wohl wenig Sinn und glaubte er in den 14 Tagen noch nicht zu fahren. So jetzt ist die Besprechung vom Comp. Führer auch vorbei, sie hat ½ Stunde gedauert. Er hat über allgemeine Bestimmungen gesprochen, Strafen, Verhalten etc. Haben dabei noch 2 mal Fliegerdeckung machen müssen. Es kam 2 mal ein feindl. Flieger in unsere Nähe. Ein Untfz steht Fliegerposten und ruft dann: Batteriebefehl Fliegerdeckung, und schon ruft alles, und alles muß sich wo es geht und steht gleich auf die Erde legen und so lange liegen bleiben, bis der Befehl durchkommt: Flieger vorbei.
Nun zu Deinem Briefe folgendes: das ist nett, daß Elise wieder kommen will, wenn ich mal in Urlaub kommen sollte. Die von der Comp. beurlaubten sind heute früh wieder gekommen. Die 2. Rate soll morgen oder übermorgen fahren. Mit dem Check über 5200 M hätte Raab es etwas anders machen können. Die Summe in 2 Teile ausstellen lassen können auf 5000 und auf 200 M. Den kleineren Teil hätte er zurückhalten können. Wilh. Schulte will ich auch mal 1 Kärtchen schreiben, ich glaube, er antwortet darauf. Aber seinen Bart hat Speckenbach nicht abnehmen lassen, nur trägt er den Spitzbart kleiner. Ich weiß wirklich nicht, was für einen Ring er am kl. Finger trägt. Vielleicht einen aus einem Centimes Stück (nach belgischen Gelde 4 ₰) wie ihn viele hier tragen als Andenken. Gelegentlich will ich mal darauf achten. Die Ringe kosten hier 1 M. Soll ich meinen Bart denn auch abmachen, gefalle ich Dir dann besser? Man sieht im Bart allerdings recht alt aus und alt war ich ja immer schon gerne. Ich kann mir die Schüssel voll Salat schon vorstellen, wenn Elise ihn angemacht hat. Es ist wirklich schade, daß ich mich da nicht daran beteiligen kann. Es ist gut, daß Elly gute Beschäftigung gefunden hat. Bekommt sie von Hugo regelmäßig Nachricht? Diese Woche werde ich noch M 15 Dir zukommen lassen. Der für mich die 14 Tage geputzt hat fährt mit der ersten Rate in Urlaub und soll der es dann in Milspe auf die Post tun. So lange wir wenig oder gar nicht in Ruhe kommen ist keine Gelegenheit zum Geldausgeben da. Kleine schreibt mir auf die Postkarte, er sei in Urlaub gewesen und habe bei Dir vorgesprochen. Davon hast Du mir, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, nichts geschrieben oder das Schreiben ist nicht angekommen. Eben unterhält man sich sehr vom Urlaub. Die haben auch alle dieselbe Erfahrung gemacht wie ich und Du. Wenn der Abschied nicht wäre. Heute habe ich nun schon allerhand geschrieben. 1 Karte an Wilh. Schulte, an Arbeitgeberbund, an Marga und Egon und Kleine. Stippe hätte ich auch wieder geschrieben, doch hat er auf seiner Karte keinen Absender geschrieben und muß ich es dabei belassen. Nun weiß ich aber nichts Neues mehr. Marga denke noch mal wieder schreiben zu können. Post werde ich nachher auch noch mal wieder etwas bekommen. Karl Gerlach will ich aber heute oder morgen auch einen Brief schreiben. Dann für heute genug. Grüße alle Bekannte. Gruß und Kuß für unsere lieben Beiden, besonders sei Du gegrüßt und geküßt, allerbeste
Dein Ernst.

Am oberen Knüppeldamm, den 3. Juli 1915
Villa zur Schrapnellecke No 13

Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag empfing ich Dein Kärtchen vom 26.v.M. und 1 Paket mit Süßigkeiten (Bonbons, Pfefferminz, Honig, Waffeln und Chokolade) vom Kriegerverein. Aus unserer 3. Bereitschaft sind wir heute Morgen um 5 Uhr nach hier, in die 2te Bereitschaft gekommen. Als erster begrüßte uns heute Morgen beim Antreten, durch einen „gute Morgen Musketiere“ der kommandierende General v. Deimling. Er war mit dem Auto gekommen und wird wahrscheinlich die Stellung besichtigt haben. Wie Du auf der heute morgen geschriebenen Postkarte gesehen hast, hatte soeben Besuch von Ellys Bruder Carl. Wir haben uns dann einige Stunden gut über allerhand unterhalten, zusammen gefrühstückt und dann mußte er zu seiner Comp., die hier in der Nähe Schanzarbeiten macht, zurück. Er meinte, morgen oder übermorgen wieder nach Kortrick zurückzukommen und dann bei dem nächsten Ersatz wieder in unser Regiment zurückzukehren. Er hat an Gewicht ziemlich verloren, obwohl er eigentlich nichts oder wenig zu verlieren hatte. – Es ist gut, daß Raab noch den Nachurlaub bekommen hat, er wird dann noch manches regeln können. Wenn ich so keinen Urlaub bekomme, was ich wohl bald erfahren dürfte, können wir deshalb ja mal eine geschäftliche Reklamation machen. Aber 4 Wochen, wie der Rapp [?] sagt, vollständig ausgeschlossen, mit 14 Tagen will ich gut zufrieden sein. Heute Morgen reine Wäsche erhalten von der Comp. Wäscherei. Nachmittag will ich mal baden und dann ist dem Körper wieder Genüge geschehen. Heute ist es wieder furchtbar schwül. Mit den Fliegen muß man sich hier geradezu schlagen. Im übrigen ist die Lage unverändert, die Offensive scheint wieder nicht zu kommen. In den Argonnen wurde heute Morgen wieder 1 Erfolg: 200 Offz, 1700 Mann und Kriegsmaterial soll die Beute sein. Wahrscheinlich bleibe ich 3 Tage hier liegen und dann geht es wieder in die alte Stellung. Morgen ist ja Sonntag und werde ich Dir dann auch einen Brief zukommen lassen können. Für heute weiß ich nichts mehr. Ich hoffe Euch noch alle gesund, bei mir ist auch noch alles in der Reih. Will jetzt noch dem Kriegerverein schreiben und auch Lisettchen in Wiblingwerde erwidern. Grüße mir Remscheids. Auch Gruß und Kuß für unsere l. Beiden. Besonders herzliche Grüße und Kuß, allerbeste
Dein Ernst

Meine liebe Lydia!

Soeben Besuch von Ellys Bruder Carl bekommen. Aus diesem Anlaß sende ich Dir und unseren l. Beiden die herzlichsten Grüße. Brief folgt nachher. Sonst nichts von Belang –Dein Ernst
Herzl. Grüße Carl Blankenagel.

Meine liebe Lydia!

Empfing gestern Nachmittag Deinen l. Sonntagsbrief vom 27.v.M. eine Karte von Marga und Fr. Wilke. Zu Deinem Briefe folgendes: Gerne möchte auch mal wieder in unserem Gärtchen einige gemütliche Plauderstunden mit Dir verbringen, aber – Ob Ra denn nun seinen Nachurlaub bekommen hat? Die Schuppenangelegenheit ist denn nun endlich geregelt. Wenn der Krieg uns auch hier 2000 M Verluste gebracht hat, so ist doch wenigstens Elise befriedigt. Raab wird dann wohl die Bücher selbst noch eingelöst haben. Ich befürchte, Du kannst das nicht mal, weil jedenfalls über die Rückgabe eine Quittung erfolgen muß. Gewiß hätte ich vielleicht in meinem Urlaub eine Prokura für Dich am Gericht bewerkstelligen können. Wenn wieder Schwierigkeiten in meinem Teile entstehen sollten, muß ich das in meinem nächsten Urlaub nachholen. Daß Hugo Tr. in der Gegend vom Lemberg sei, hast Du mir geschrieben. Sonst nichts. Hoffen wir, daß er noch einmal zu seiner Elly zurückkehre. Wenn Carl Blankenagel in Courtray ist, werde ich ihn vielleicht demnächst mal sehen. Er wird dann dort bei einer Arbeitskompagnie sein, die augenblicklich in Cortwilde liegen und am Tage unsere, hinter uns liegende Stellungen, ausbauen. Ich halte es auch für richtiger, wenn die Ueberwölbung bei Enders gemacht wird, weil zum großen Teil das Material doch dafür da ist. Leute wird Kattwinkel denn wohl besorgen können. Gewiß hätte Klara Kattw[inkel] davon benachrichtigen müssen, wenn Schulte Leute zur Verfügung hatte. Ist Buck auch Untfz? An Frau Remscheid will ich auch noch schreiben mich für die Eier und Blumenspende bedanken und auch damit gleichzeitig meinen Glückwunsch verknüpfen. Ich kann wohl sagen, daß meine Verpflegung gegen früher besser geworden ist. Deshalb habe ich Dich auch gebeten, keine besonderen Pakete zu schicken. Ich denke auch, daß Raab, wenn Enders die Rechnung begleichen, noch etwas Geld für die Familien übrig hat. Du willst wissen, was ich am Sonntag Abend gegen 7 Uhr gemacht habe. Meine Tätigkeit habe ich Dir bereits ziemlich genau in dem Briefe von dem Tage geschildert. Tatsächlich aber wurde ich erst gewahr, daß auf dem Tage Sonntag war, nachmittags gegen 5 Uhr. In den Wochentagen verkommt man meistens. Um 7 Uhr rum, habe ich da wohl bei meinem Unterstande gesessen und Zeitungen oder sonst eine Zeitschrift gelesen. Dabei auch wohl in Gedanken einen Vergleich zwischen meinem Sonntagen jetzt und den im vergangenen Jahre zusammen verlebten gezogen. Wenn ein Wechsel protestiert wird, ist der Verfalltag verstrichen, ohne daß er eingelöst ist. Es wird dann Zahlung verlangt, evtl. auf gerichtlichem Wege. Seit gestern hat sich nichts besonderes ereignet. Außer einigen Stunden Gewehrreinigen haben wir gar keinen Dienst gehabt. Heute sollen jedoch gegen Artilleriefeuer unsere Unterstände durch Verstärkung mit Sandsäcken und Bohlen, umgebaut werden. Und da giebt es allerhand zu tun. Gestern war noch Löhnungsapell. Wenn möglich, morgen mehr. Es ist möglich, daß wir morgen zum richtigen Knüppeldamm auf 3 Tage kommen und dann erst in vordere Linie. Also Gott befohlen. Gruß und Kuß für unsere l. Beiden. Besonders grüßt und küßt Dich, Allerbeste
Dein Ernst
Bekamen zu unserer Comp. 1 Offizier Stellvertreter, geb. Uelzen, der Infanteritisch [sic] ausgebildet worden ist.
Weil Mangel an Pionieren da ist, werde ich wohl demnächst ans Ausbauen unserer Unterstände, etc. kommen, mit Leuten, die mir unterstellt werden nur an den Tagen wenn unsere Comp. in erster Linie liegt. Bei der Comp. bleibe ich. In jeder Comp. soll so eine Einrichtung getroffen werden.