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Meine liebe Lydia!

Heute wieder Sonntag. Lange Zeit außerhalb der Stellung verbracht. An Dienst fehlte es heute auch nicht. Seit acht Uhr ist so ziemlich ständig Dienst gewesen, wenigstens hier wir immer auf den Beinen gewesen. Es ist jetzt gleich 1 Uhr. Erst war Gewehrreinigen, dann Apell damit, dann wurden wieder Sachen verpaßt. Die ganze Comp. ist jetzt so ziemlich gut und neu eingekleidet. Ich habe auch wieder einen nagelneuen Rock bekommen. Den meinen hat dann wieder ein anderer bekommen. Heute Nachmittag ist noch nach 4 Uhr 2 mal Apell. Es heißt wir hätten morgen Besichtigung und exerzieren im Batl. Ich dachte heute wäre Gottesdienst gewesen, es wird aber wohl der Pfarrer nicht frei sein. Gestern eröffnete der jetzige Comp. Führer ein Herr Lt. Teigmann, daß er ständig jetzt unserer Comp. führe, unser in Urlaub gefahrener bisherige Comp. Führer käme nicht wieder. Er wird sich wohl nach meiner Ansicht krank gemeldet haben, es soll aber auch seitens der Regiments-Führer etwas gegen ihn im Schilde gewesen sein. Er hätte es nämlich an der Manier, hier und da einen Mann ins Gesicht zu schlagen und ist letztens ein Mann daher weggelaufen und mußte zurückgeholt werden. Zu so etwas darf ein Mann sich nicht hinreißen lassen. Es wird nur zu oft außer acht gelassen und nicht bedacht, zu welchem Zwecke wir alle hier sind. Unser jetzige Comp. Führer ist aktiv, war schon in Südwestafrika und glaube ich, daß mit ihm auszukommen ist. Heute Nachmittag wollte ich nach 4 Uhr noch mit Speckenbach nach Werwick. Der will oder muß seine Löhnung dort holen, weil die Comp. dort in Ruhe liegt. Ob es nun was giebt weiß ich noch nicht; es geht drum, ob mich der Comp. Führer vom Dienste befreit. Auch des Wetters wegen ist es noch fraglich. Den ganzen Tag sind vereinzelt starke Regenschauer mit Gewitter im Gange. Die nächste Ruhe soll unsere Comp. auch in W. haben. – Gestern bekam ich Morgens 1 Paket von Muhle (das habe ich wohl schon geschrieben), 2 Paketchen von Dir, eines mit der Leberwurstbüchse, eines mit Stachelbeeren und das dritte von Hedw. Wendel mit 10 Cygarren. Die Leberwurstbüchse wäre eigentlich nicht nötig gewesen, da wir doch sparen wollen. Ich bekomme ja so reichlich zu essen. Die Stachelbeeren haben mit gut gemundet, einige waren da allerdings etwas faul geworden. Die Leberwurstbüchse will ich mit in den Graben nehmen. Also ich bitte dich noch mal, schicke mir keine Lebensmittel, ich habe wirklich reichlich genug. Wenn Du mir nun so gerne schickst, ich habe ja auch am liebsten was von Dir, dann schicke mir ab und zu einig[e] Zigarren, aber keinen Tabak, der ist genügend immer da. Und Raab ist schon wieder in Urlaub, ist es vielleicht der Urlaub vor seinem Ausrücken? Es ist gut, dann wird er wohl die schwebenden Differenzen mit dem Bauverein ausgleichen und auch mit Dr. Hofmann und Enders, es geht drum ob die letzten Arbeiten so weit fertig sind, abrechnen können und Dir und Clara auch noch etwas Geld überweisen können. Du schreibst in einem Deiner Briefe von dem Unterbringen der Kinder auf einige Tage in den Ferien. Das könnte nur bei Elise, deinem Vater oder in Hohenlimburg sein. Ich möchte es ganz gerne, gut wäre es. Sieh mal zu. Nun für heute genug. Nun besieh Dir mal diese eng beschriebenen Zeilen. Jetzt muß ich mich aber auch selber loben. Grüße Remscheids, Elly, und unsere l. Beiden. Besonders Du allerbeste, herzl. gegrüßt und geküßt von Deinem Ernst.
Dies soll unser 16te Com. Führer sein, allerhand. Den Russensieg von gestern wirst Du ja wissen. Wieder 27000 Gefangene. Manchmal meint man, wenn man die Blätter so liest, es müßte bald Friede sein, und dann auf einmal sieht man keine Änderung. Eben haben wir uns 1 Kochgeschirr mit Cytronenwasser angesetzt (von Herberg). Das Fläschchen kann ich nicht retour schicken, keine Gelegenheit.
Wenn die kleinen Beiden aus der Nähe [?] hier erhalten, teile mir das eben mit, ich möchte gerne wissen, ob die übergekommen sind.