Meine liebe Lydia!

Heute in obigem Dorfe angekommen und in einem Gehöft in einer Scheune Quartier genommen. Bin in der 10. Comp. mit 1 Untfz und 13 Mann von unser Comp. Speckenbach ist in der 12. Comp. Liegt auch hier im Dorfe. Sonst alles wohl. Hoffentlich auch dort. Herzl. Gruß und Kuß auch für unsere Kinder, und nun mit Gott
Dein Ernst

Glückselig neues Jahr!

Meine liebe Lydia!

Habe gestern eine Karte von Marga, je 1 Brief von Dir und Egon erhalten. Hoffentlich ist das Paket auch in Deinem Besitz. Spe[ckenbach] bekam soeben Nachricht von zu Hause, daß sein Paket angekommen sei. Habe ich Dir das nicht geschrieben, daß Mar. Kreinberg gestorben ist? Husberg, der bis zum 15. in Urlaub war, brachte mir die Nachricht mit. Für Willy kein schönes Weihnachtsfest. Ueberhaupt dürfte es für seine ganze Existenz böse sein. Gestern hörte ich, vielmehr wurde mir durch Buck und dem Feldwebel gesagt, daß mein Urlaub soweit genehmigt sei, zum 5. nächsten Jahres. Wieviel Tage weiß ich nicht, werde es wohl in den nächsten Tagen in Erfahrung bringen können. Kannst dies Raab ja auch mitteilen. Wenn mir möglich tel. ich Dich früh genug an und Du kommst mir bis Hagen entgegen. Werde wahrscheinlich denn einen Abendzug benutzen, sodaß ich gegen 11-12 V[ormittags] dort bin. Heute morgen sind wir zum dritten mal gegen Typhus geimpft worden. Was denkst Du wohl, wen ich in der vergangenen Woche in Metz traf? Den früheren kleinen Jos. Külpmann, der bei uns resp. Eckesey als Lehrling war. Mußt ihn doch kennen. Dient aktiv hier in Metz, bei den 21. Pionieren. War Bursche bei einem Major. Ist aber glaub ich so groß wie ich, er erkannte mich zuerst und freute sich sehr. Heute morgen früh schickte er mir einen Gruß durch Leute unserer Comp. Vom Kriegerverein bekam ich heute Morgen 5 Cygarren. Spe[ckenbach] bekam gestern sein Paket dort vom Frauenverein. Gestern schrieb ich Dir wegen einem Paket. Das ist nun aber nicht nötig, weil mein Urlaub sicher ist, und ich mir dann selbst Sachen mitnehmen kann. Sonst nichts von Belang hier. Ist alles noch in gewohnter Weise. Ueber die Feiertage giebt es überhaupt keinen Urlaub, auch nur beschränkt nach Metz und muß alles vor 9 Uhr im Fort sein. Selbst die Offiziere dürfen nur einzeln ausgehen und immer zu haben sein. Man befürchtet tatsächlich einen Angriff der Franzosen. 70 soll es auch so gewesen sein. Selbst die Bahnwachen werden verstärkt. Es ist ja auch bei einem franz. Offizier ein Brief, vielmehr 1 Befehl gefunden worden. Von „Joffre“, der einen allgemeinen Angriff vorsieht. Man glaubt dort, wir wären so geschwächt, daß wir einem Angriff nicht mehr standhalten könnten. Doch die letzten Tage haben sie eines Besseren belehrt.
Nun Schluß. Morgen mehr. Herzl. Gruß und Kuß, und auf baldiges frohes Wiedersehen. Dein Ernst.

Grüße unsere l. Kinder, Elise, Remscheids! Wir haben morgen Nachmittag eine geschlossene Weihnachtsfeier für alle hier im Fort, in der Reithalle. Die Pastöre beider Konfessionen werden Ansprachen halten. Der Gesangsvereine werden singen etc. Die ganze Artl. ist hier vom Metz fort gekommen. Die zweite Comp. unseres Batl. kommt von St. Julien in unser Fort.

Meine liebe Lydia
Heute, den Dir gestern versprochenen Brief. Habe heute meine übliche Woche wieder. Das [sic] ich gut angekommen bin, weißt Du ja. Hatte an meinen Paket hier zum Fort reichlich zu tragen. Die anderen ließ ich an der Bahn zurück. Inacker und noch einer haben diese andern Tages geholt. Buck hat es sich selbst bei mir abgeholt. Glörfeld habe ich es durch 1 Mann seiner Comp. zubringen lassen. Von Cöln aus hatte ich viele Kameraden, die mit nach hier fuhren, auch traf ich in Metz am Bahnhof 3 Mann meiner Comp., die nach Frankfurt in Urlaub waren, die dann mit mir hierauf gingen. Andern Morgens ging es um 6 Uhr raus, um 715 marschierten wir ab zu Schanzarbeiten nach Charly und kehrten dann gegen 3 Uhr zurück. Habe mich dann Abends beizeiten in die Falle begeben. Habe zu meinem Strohsack jetzt auch eine Bettstelle bekommen. Gestern hatten wir denselben Dienst. Morgen geht es zu Schanzarbeiten nach May, wo wir früher schon waren. Von unserer Comp. sollen 4 Untfz u 25 Mann für die Maschinengewehrabteilung ausgebildet und dazu die jüngsten Jahrgänge genommen werden. Ein fester Befehl ist aber noch nicht raus. Morgen Nachmittag wollten wie eben nach Metz, weil uns Speckenbach aus Anlaß seines Geburtstages zu einem Glase Bier eingeladen hat. Husberg will morgen, oder darf vielmehr morgen wieder auf 8 Tage in Urlaub gehen, Er hatte sein Gesuch von Hause aus nachgesucht. Speckenbach erhielt von seiner Frau gestern keinen Glückwunsch, nur von seiner (Frau) Mutter und Geschwistern und ist infolgedessen der Meinung, seine Frau sei wieder krank. Man hat ihn auf sein Drängen die Krankheit seiner Frau zugegeben. Er ist jetzt etwas niedergeschlagen. Hoffentlich bewahrheitet es sich nicht. Hast Du die 38 M von R. bekommen? Bist Du auch gut wieder zu Hause angekommen? Es war doch schön in Urlaub, wie man sich schnell wieder daran gewöhnt in der Familie zu sein. Ich habe Dich, Euch alle die ersten Tage hier sehr vermißt. Wie die Tage nur so verflogen sind, wie ein Rausch. Wenn nur nicht immer der Abschied nicht wäre. Hoffentlich gelingt es mir noch einmal den Besuch auf einige Tage noch einmal zu machen in Form eines Urlaubes. Lieber ist mir allerdings der große Urlaub, Dir nicht auch? Mit Egon geht es doch hoffentlich gut wieder. Morgen werde ich doch auch von dort etwas bekommen, ich bin das so gewöhnt jeden Tag etwas zu bekommen. Bis jetzt, seit meinem Urlaub, noch von keine [sic] Seite etwas bekommen. Von Wiblingw[erde] bekam ich 3 Würste, von jeder Sorte eine und 2 Pakete Tabak und ½ Kiste Zigarren. Habe augenblicklich ziemlich Mundvorrat und eine Mensche Wäsche: Letztere mache ich jetzt vor und nach schmutzig und schicke sie Dir denn zu. Und kann nur einen Teil davon gebrauchen. Vom Bezirkskommando Siegen bekam ich, auch die andern daher, 1 Hemd und 1 Unterhose, von der Comp. 1 paar Strümpfe, kannst Dir also so ungefähr denken, was ich alle für Wäsche habe. Den großen Karton, deutsch Schachtel, ganz voll. In dieser Woche sind 4 Mann unserer Comp. im 2 Arrest wegen Trunkenheit bestraft worden (3 mit 3 Tagen, 1 mit 5 Tagen). Zwei sitzen augenblicklich hier auf Wache in der Zelle. Einige Frankfurter Unteroffiziere fahren schon zum zweitenmal in Urlaub. Gestern bekamen wir 5 Sanitäter vom 135 Rgt. Auch einen vom 30 Rgt., der durch einen Kampf bei Panta Mussow einen Arm, den rechten, verloren hat. Buck will jetzt auch versuchen in Urlaub zu kommen, da Weihnachten ein anderer vom Batl. fahren will. Inacker hat sich heute untersuchen lassen, er glaubt er wird entlassen, wenigstens auf einige Monate. Bestimmt ist es aber nicht. Ich möchte es ihm gönnen. Jetzt genug für heute. Meine Satzstellung und Schrift ist heute Abend, finde ich, selber schlecht und mußt mal entschuldigen. Morgen mehr. Herzl. Grüße und tausend Küsse, Dein Ernst:
Grüße und küsse auch für unsere Kinder und Elise.

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Mein liebes Märgelchen
Wie Egon, so erhältst auch Du eine Karte von einem gesprengten Haus in St. Julien. Mutter soll jetzt noch einen Brief haben und dann habt Ihr alle drei etwas.
Grüße Alle! Besonders grüßt und küßt Dich Dein
Väterchen!

Meine liebe Lydia
Heute hier glücklich angekommen. Alles hier in gewohnter Weise vorgefunden. Die Pakete alle glücklich angebracht, jedoch nur meines direkt mitgenommen, die andern hat Inacker heute Morgen geholt. Hoffentlich bist Du auch wieder glücklich oben angekommen. Von Wiblingwerde heute das Paket bekommen. Hier fand ich die Briefe und Karten vor. Morgen mehr. Herzl. Gruß u. Kuß Dein Ernst.
Grüße Remscheids, Kinder, Elise, Raabs!

M. l. Lydia!
Soeben hier in Cöln angekommen, fahre um 710 weiter nach Metz. Sitze augenblicklich im Wartesaal und nehmen eine kleine Erfrischung ein. Hoffentlich hat es mit Egon nichts besonderes auf sich. Schade, daß die schönen Urlaubstage so schnell verflogen sind, nicht. Doch das ändert nichts daran. Hoffentlich dauert der große Urlaub nicht allzu lange. Mit Gruß u Kuß D.Ernst.

Meine liebe Lydia!
Meine beiden Karten aus Couflans und Marslatour schätze ich in Deinem Besitz. Gestern erhielt von Egon eine Karte, von Dir eine Karte, von Hohenlimburg 1 Karte, von Raabs 1 Brief, von Pastor Spies einen Brief und heute morgen den Brief von Dir vom 19.11. Heute morgen war Fritz Julius, der von dort zurückgekehrt ist, bei mir und Inacker, ist in die 4 Comp. unser [sic] Batl. gekommen.
Heute bin ich Untfz vom Dienst, blieb daher vom Dienste zurück in der Kaserne und habe so Zeit zum Schreiben. Vom Urlaubsgesuch noch nichts gehört. Soll mich wundern wenn es was giebt. Wenn möglich sage ich Dir durch Telephon oder Telegraph Bescheid wenn ich komme, damit wir uns in Altena treffen können. Eigentlich wollte ich Euch alle überraschen. Erst muß natürlich der Urlaub erst [sic] dasein. Pastor Spies schickt Blättchen zur Verteilung, Inacker und Speckenbach bekommen ebenfalls welche. Raabs Brief kam verspätet an, hatte die Adresse mal wieder verkehrt geschrieben. War am 11. abgeschickt. Heute macht die Comp. zum Teil Schanzarbeiten in Chailli, zum Teil Granatenwurfübungen in Failly aus befestigten Infanteriestellungen, der Rest macht Wach- und Arbeitsdienst. Es geht hier so langsam ein Tag nach dem andern rum.
Nun mal etwas von unserer Tour von gestern, in kleinen Zügen die genauere Beschreibung geht natürlich besser. – Also wir fuhren zu fünf Untfz von Metz nach Clofans. Es dieses die dritte Station in Frankreich hinein. Clofans ist am 25. August beschossen worden, wo auch unser Batl. über Gravalotte her zum Angriff bestimmt war. Man sah hier eine nah eine [sic] gesprengte Eisenbahnbrücke, einige verbrannte Häuser. Natürlich alles von Militär vollgepropft. Nachdem wir 2 Gläser Kaffee getrunken, Tassen giebt es in franz. Kaffees nicht, ging es weiter. Kommen dann in das eigentliche Gefechtsfeld, wo außer Befestigungen, Erdlöcher, die von Granatschüssen herrührten nicht viel mehr zu sehen war. Allerdings sahen wir hier die ersten Gräber von Gefallenen. Unser Ziel war Marslatour. Kamen dann vorher noch einigen Ortschaften vorbei. In Marslatour bot sich uns ein richtiges Kriegsbild. Dir dies zu beschreiben führt zu weit und behalte ich mir dies mündlich vor. Gegen 3 Uhr marschierten wie von dort über Vionville, Resonville, Gravelotte. In Resonville ist 70 das Hauptquartier der Deutschen gewesen. Es sind überall Gedenktafeln angebracht, wo z.B. der Kaiser gewohnt hat etc. Auch Napoleon hat dort gewohnt, Von Gravelotte bis Metz hatten wir insofern Glück, als wir zuerst einen Leiterwagen ertappten, der und ein Stück Weges mitnahm und nachher bis nach Metz ein Lastauto benutzen konnten. Also ausführlicher dann mündlich. Morgen mehr. Sonst noch alles wohl. Hoffentlich auch dort. Herzl. Gruß und Kuß auch für unsere Kinder, Dein Ernst

Meine liebe Lydia!
Habe heute keinerlei Post erhalten von dort. Bin heute mal wieder auf Wache. Es ist jetzt 10 Uhr Abends. Draußen ist es stockfinster und kräftig am regnen. Ich denke dabei an unsere unter freiem Himmel liegenden Truppen von uns hier. Die unseren in der Comp. haben heute am Abend keine Nachtübung gemacht, rückten um 4 Uhr aus und waren um 9 Uhr wieder im Fort. Zum Teil durchnaß, das ist auch nichts genaues, wenn man bedenkt, daß wir bloß einen Anzug haben und die Trockenverhältnisse nicht die besten sind, Denn wir sind doch schon alte Leute und wird manchen hier etwas nicht allein in den Kleidern hängen bleiben. Heute ist Rauert Lüdenscheid Offizier vom Ortsdienst, d.h. er hat die ausgestellten Wachen und Posten zu revidieren. Gegen 12 Uhr denke ich, wird er wohl kommen, denn dann wollte ich mich nachher eine Stunde auf die Britsche [sic] zum süßen Schlafe hinlegen. Heute sind von unserer Comp. wieder einige, ich glaube 5 Mann in Urlaub gefahren, darunter der uns aus dem Rgt zugeteilte Untfz Gregory Plettenberg auf 3 Wochen. Der war erholungsbedürftig. Dagegen wurde einem anderen Untfz der Urlaub glatt abgeschlagen, der nur als Grund für den Urlaub angegeben hatte, seine Frau und Kinder zu besuchen. Uns Untfz will man, oder darf man, weniger Urlaub oder keinen geben. Es heißt wir nähmen eine bevorzugte Stellung ein und seien weniger abkömmlich. Ich danke aber für diesen Vorzug dann. Mein Gesuch ist auch noch nicht angelangt. Raab wird wohl die Adresse richtig angegeben haben, daß es nicht geht wie bei dem Paket. Frage ihn mal. Abgeschickt wird es doch wohl sein, im anderen Falle würde ich von hier mal Schritte selbst unternehmen, doch wenn das Gesuch von dort im Gange ist, geht dies nicht an. Speckenbach hatte auch selber, nachdem Enders es abgelehnt, eingereicht und Familienverhältnisse angegeben. Heute bekam er das Gesuch mit dem Bemerken zurück, daß er die Verhältnisse näher angeben sollte und hat er von Erbschaftsregulierung seines Schwiegervaters angegeben. Wenn es ihm glückt, dann kommt er noch eher wie ich, wenn auch nur auf einige Tage. Hoffentlich bekomme ich dann etwas länger dafür, doch abwarten. Damals schriebest Du mir mal von Kreinberg Carl, der wäre durch Alkohol umgekommen. Was ist das für einer und ist er zu Hause oder hier im Felde umgekommen? Wollte schon immer fragen darnach. Uebermorgen, Sonntag wollten wir, einige Unteroffiziere nach Gravelotte um uns die Schlachtfelder von 70 zu besuchen, d.h. erst müssen wir Urlaub haben und auch muß das Wetter günstiger werden, sonst bleiben wir zu Hause.
Sonst wüßte ich nichts besonderes zu berichten. Noch alles wohlauf und das hoffe ich auch von dort. Sonntag oder Montag werde ich wohl ein Paket mit Wäsche ab nach dort schicken, damit Raabs ihr Kistchen wieder kriegen. Die Butter ist doch streng geworden, muß sie sehr dünn schmieren, dann geht es noch. Inacker ist vorläufig in die Küche kommandiert. Der Arzt hatte ihm 14 Tage Erholungsurlaub verschrieben, doch ist ihm dieser vom Batl. gestrichen. Wahrscheinlich wird er wieder für felddienstfähig erklärt oder kommt als garnisonsdienstfähig in eine Garnison in innern des Landes. Eine kleine Pause gehabt. Wurde revidiert, Kauert war hier. Ist jetzt mit der Patrouille an den Posten vorbei. So nun genug für heute. Herzliche Grüße und Gute-Nachtkuß, auch für unsere Kinder, Dein Ernst
Auf frohes Wiedersehen!

Meine liebe Lydia!
Heute Morgen empfing ich Deinen und Egons Brief vom 8.11. Gestern Abend Deine und Egons Karte vom 6.11. Viel neues [sic] weiß ich allerdings heute Abend nicht zu berichten. Husberg Neuenrade ist heute Nachmittag auf 7 Tage in Urlaub gefahren. Er hatte auch durch das Amt und Landratsamt den Urlaub nachgesucht. Mehr wie 7 Tage werde ich auch wohl kaum bekommen. Bis jetzt liegt allerdings noch kein Gesuch auf dem Batl. vor. Speckenbach will auch selbst hier ein Gesuch auf Beurlaubung einreichen. Seitens der Firma erhielt er Bescheid, daß ihm von dort kein Erfolg versprochen werden konnte. Mit keinem Worte erwähnen die allerdings von G. Nachrodt. Den Brief habe ich gelesen. Hoffentlich kommt mein Gesuch bald an, damit ich evtl in der nächsten Woche auch als persönlicher Gratulant bei Dir erscheinen kann. Hier muß man Geduld haben, mit Gewalt ist hier nichts zumachen.
Hier in Metz sind seit einigen Tagen wieder verschärfte Bestimmungen eingetreten. Z.B. darf ohne Erlaubnis des Polizeimeisters keiner in den Festungsbereich kommen. So ähnlich ist es, wie im Anfang. Dies ist eine Folge des kollosalen Fremdenbesuchs hier und Verdacht der Spionage. Hier in unserer nächsten Umgebung ist vom Kriegsschauplatze nichts zu berichten. Man hört sein einigen Tagen keinen Schuß mehr. Meinem Verstande nach wird hier nur von Metz eine Verteidigungsstelle eingenommen, dagegen im Norden mit aller Kraft vorangedrängt. Alle Berichte lauten ziemlich günstig. – Seid Ihr dann am Sonntag den ganzen Weg bis Altena zu Fuß gemacht? Ich muß mich wundern. Warst doch gewiß dann recht müde und hast darauf gut schlafen können. – Für uns war gestern eine Nachtübung vorgesehen, fiel aber aus, weil eine solche Übung erst höheren Ortes genehmigt sein muß. Heute war Löhnungsapell, im übrigen der übliche Dienst. Die 1. Comp. vom Landw. Regt 30 ist vorgerückt, d.h. sie hat eine ander [sic] Comp. desselben Rgts, die bis dahin auf Vorposten gestanden hatten, abgelöst. Ich hörte dies von und auf dem Landwehr Rgt. zugeteilten Leuten. Sonst nichts Neues mehr. Morgen mehr. Noch alles wohlauf. Hoffentlich auch dort. Tausend herzliche Grüße und Küsse, auch für unsere Lieblinge
Dein Ernst
Auf baldiges Wiedersehen!

Meine liebe Lydia!
Schon wieder einen Brief von mir. Wenn Du nun die Briefe und Karten so der Reihe nach erhalten würdest, wärest Du von allem genau der Reihe nach unterrichtet. – Also heute Morgen empfing Dein Paketchen mit Cygarren, Etui und Reserve-Baterie [sic]. Für alles nun meinen besten Dank. Heute bin ich mal wieder Untfz vom Dienst und blieb infolgedessen im Fort zurück und habe somit gute Zeit, Dir diesen Brief zu schreiben. Viel neues weiß ich allerdings nicht. Will aber doch versuchen alle 4 Seiten voll zu bekommen. Egons Karte vom 30.v.M. bekam ich gestern abend. Heute gehen von unserer Comp. 4 Mann, Freiwillige, zum Landwehr-Regiment. Wahrscheinlich werden demnächst die jüngeren Jahrgänge in nächster Zeit noch weiter rausgesucht. Da demnächst wieder Bedarf sein wird, weil in letzter Zeit viele von dort als garnisondienstfähig zurückkommen. Es treffen fast jeden Tag welche ein. Buck (Lehrer Schafsbrücke) war eben bei mir. Lehrer Püttmann hat das eiserne Kreuz bekommen. Auch hätte er, einen Brief von Pastor Spieß bekommen, über dessen Inhalt ich jedoch nichts weiß. Hatte gestern tel. mit seiner Familie (Jüngermann) gesprochen. Er ist Ordonanz am Batl. Gestern war ich und Untfz. Emken (Lehrer in Spielwigge) auf ein paar Stunden gegen Abend in Metz. Neues war dort nicht zu sehen. Nachdem wir zu Nacht gegessen gingen wir wieder nach unserem Fort. Alles ist voll von Soldaten noch voll [sic]. Auch sah ich gestern sehr viele Oesterreicher. Heute Nachmittag wollen wir Untfz Beckert (gebürtig aus Hörde ist Betriebsleiter auf ein Jahr hier in Lothringen und kennt auch Schütz’s) nach Charly, wo der eine Teil unserer Comp. liegt. Haben keinen Dienst weiter. Ist ungefähr eine Stunde von hier. Raabs Paket noch nicht bekommen. Wird es wohl richtig addressiert haben? Heute hört man fast gar kein Schießen. Jetzt weiß ich nichts Neues mehr von Belang. Etwas muß ich für den morgigen Brief aufheben. Auch ist es gleich 12 Uhr und muß ich Essen holen lassen. Also dann bis morgen. Betreffs meines Urlaubs werde ich wohl bald was hören. Vielleicht wäre ich dann zum Geburtstage da. Grüße die Kinder und Remscheids!
Vor allem sei Du herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem
Ernst