Meine liebe Lydia
Heute, den Dir gestern versprochenen Brief. Habe heute meine übliche Woche wieder. Das [sic] ich gut angekommen bin, weißt Du ja. Hatte an meinen Paket hier zum Fort reichlich zu tragen. Die anderen ließ ich an der Bahn zurück. Inacker und noch einer haben diese andern Tages geholt. Buck hat es sich selbst bei mir abgeholt. Glörfeld habe ich es durch 1 Mann seiner Comp. zubringen lassen. Von Cöln aus hatte ich viele Kameraden, die mit nach hier fuhren, auch traf ich in Metz am Bahnhof 3 Mann meiner Comp., die nach Frankfurt in Urlaub waren, die dann mit mir hierauf gingen. Andern Morgens ging es um 6 Uhr raus, um 715 marschierten wir ab zu Schanzarbeiten nach Charly und kehrten dann gegen 3 Uhr zurück. Habe mich dann Abends beizeiten in die Falle begeben. Habe zu meinem Strohsack jetzt auch eine Bettstelle bekommen. Gestern hatten wir denselben Dienst. Morgen geht es zu Schanzarbeiten nach May, wo wir früher schon waren. Von unserer Comp. sollen 4 Untfz u 25 Mann für die Maschinengewehrabteilung ausgebildet und dazu die jüngsten Jahrgänge genommen werden. Ein fester Befehl ist aber noch nicht raus. Morgen Nachmittag wollten wie eben nach Metz, weil uns Speckenbach aus Anlaß seines Geburtstages zu einem Glase Bier eingeladen hat. Husberg will morgen, oder darf vielmehr morgen wieder auf 8 Tage in Urlaub gehen, Er hatte sein Gesuch von Hause aus nachgesucht. Speckenbach erhielt von seiner Frau gestern keinen Glückwunsch, nur von seiner (Frau) Mutter und Geschwistern und ist infolgedessen der Meinung, seine Frau sei wieder krank. Man hat ihn auf sein Drängen die Krankheit seiner Frau zugegeben. Er ist jetzt etwas niedergeschlagen. Hoffentlich bewahrheitet es sich nicht. Hast Du die 38 M von R. bekommen? Bist Du auch gut wieder zu Hause angekommen? Es war doch schön in Urlaub, wie man sich schnell wieder daran gewöhnt in der Familie zu sein. Ich habe Dich, Euch alle die ersten Tage hier sehr vermißt. Wie die Tage nur so verflogen sind, wie ein Rausch. Wenn nur nicht immer der Abschied nicht wäre. Hoffentlich gelingt es mir noch einmal den Besuch auf einige Tage noch einmal zu machen in Form eines Urlaubes. Lieber ist mir allerdings der große Urlaub, Dir nicht auch? Mit Egon geht es doch hoffentlich gut wieder. Morgen werde ich doch auch von dort etwas bekommen, ich bin das so gewöhnt jeden Tag etwas zu bekommen. Bis jetzt, seit meinem Urlaub, noch von keine [sic] Seite etwas bekommen. Von Wiblingw[erde] bekam ich 3 Würste, von jeder Sorte eine und 2 Pakete Tabak und ½ Kiste Zigarren. Habe augenblicklich ziemlich Mundvorrat und eine Mensche Wäsche: Letztere mache ich jetzt vor und nach schmutzig und schicke sie Dir denn zu. Und kann nur einen Teil davon gebrauchen. Vom Bezirkskommando Siegen bekam ich, auch die andern daher, 1 Hemd und 1 Unterhose, von der Comp. 1 paar Strümpfe, kannst Dir also so ungefähr denken, was ich alle für Wäsche habe. Den großen Karton, deutsch Schachtel, ganz voll. In dieser Woche sind 4 Mann unserer Comp. im 2 Arrest wegen Trunkenheit bestraft worden (3 mit 3 Tagen, 1 mit 5 Tagen). Zwei sitzen augenblicklich hier auf Wache in der Zelle. Einige Frankfurter Unteroffiziere fahren schon zum zweitenmal in Urlaub. Gestern bekamen wir 5 Sanitäter vom 135 Rgt. Auch einen vom 30 Rgt., der durch einen Kampf bei Panta Mussow einen Arm, den rechten, verloren hat. Buck will jetzt auch versuchen in Urlaub zu kommen, da Weihnachten ein anderer vom Batl. fahren will. Inacker hat sich heute untersuchen lassen, er glaubt er wird entlassen, wenigstens auf einige Monate. Bestimmt ist es aber nicht. Ich möchte es ihm gönnen. Jetzt genug für heute. Meine Satzstellung und Schrift ist heute Abend, finde ich, selber schlecht und mußt mal entschuldigen. Morgen mehr. Herzl. Grüße und tausend Küsse, Dein Ernst:
Grüße und küsse auch für unsere Kinder und Elise.