Meine liebe Lydia!
Meine beiden Karten aus Couflans und Marslatour schätze ich in Deinem Besitz. Gestern erhielt von Egon eine Karte, von Dir eine Karte, von Hohenlimburg 1 Karte, von Raabs 1 Brief, von Pastor Spies einen Brief und heute morgen den Brief von Dir vom 19.11. Heute morgen war Fritz Julius, der von dort zurückgekehrt ist, bei mir und Inacker, ist in die 4 Comp. unser [sic] Batl. gekommen.
Heute bin ich Untfz vom Dienst, blieb daher vom Dienste zurück in der Kaserne und habe so Zeit zum Schreiben. Vom Urlaubsgesuch noch nichts gehört. Soll mich wundern wenn es was giebt. Wenn möglich sage ich Dir durch Telephon oder Telegraph Bescheid wenn ich komme, damit wir uns in Altena treffen können. Eigentlich wollte ich Euch alle überraschen. Erst muß natürlich der Urlaub erst [sic] dasein. Pastor Spies schickt Blättchen zur Verteilung, Inacker und Speckenbach bekommen ebenfalls welche. Raabs Brief kam verspätet an, hatte die Adresse mal wieder verkehrt geschrieben. War am 11. abgeschickt. Heute macht die Comp. zum Teil Schanzarbeiten in Chailli, zum Teil Granatenwurfübungen in Failly aus befestigten Infanteriestellungen, der Rest macht Wach- und Arbeitsdienst. Es geht hier so langsam ein Tag nach dem andern rum.
Nun mal etwas von unserer Tour von gestern, in kleinen Zügen die genauere Beschreibung geht natürlich besser. – Also wir fuhren zu fünf Untfz von Metz nach Clofans. Es dieses die dritte Station in Frankreich hinein. Clofans ist am 25. August beschossen worden, wo auch unser Batl. über Gravalotte her zum Angriff bestimmt war. Man sah hier eine nah eine [sic] gesprengte Eisenbahnbrücke, einige verbrannte Häuser. Natürlich alles von Militär vollgepropft. Nachdem wir 2 Gläser Kaffee getrunken, Tassen giebt es in franz. Kaffees nicht, ging es weiter. Kommen dann in das eigentliche Gefechtsfeld, wo außer Befestigungen, Erdlöcher, die von Granatschüssen herrührten nicht viel mehr zu sehen war. Allerdings sahen wir hier die ersten Gräber von Gefallenen. Unser Ziel war Marslatour. Kamen dann vorher noch einigen Ortschaften vorbei. In Marslatour bot sich uns ein richtiges Kriegsbild. Dir dies zu beschreiben führt zu weit und behalte ich mir dies mündlich vor. Gegen 3 Uhr marschierten wie von dort über Vionville, Resonville, Gravelotte. In Resonville ist 70 das Hauptquartier der Deutschen gewesen. Es sind überall Gedenktafeln angebracht, wo z.B. der Kaiser gewohnt hat etc. Auch Napoleon hat dort gewohnt, Von Gravelotte bis Metz hatten wir insofern Glück, als wir zuerst einen Leiterwagen ertappten, der und ein Stück Weges mitnahm und nachher bis nach Metz ein Lastauto benutzen konnten. Also ausführlicher dann mündlich. Morgen mehr. Sonst noch alles wohl. Hoffentlich auch dort. Herzl. Gruß und Kuß auch für unsere Kinder, Dein Ernst