Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag war ich nach W. Um ½ 3 Uhr gingen wir hin, bzw. von C. weg und um 7 Uhr mußten wir wieder zurück sein. Ein Kartengruß dürfte (Euch) Dir schon daher zugegangen sein, den wir im Soldatenheim losließen. Links von uns fanden unsrerseits gestern Abend einige Sprengungen statt und setzt infolgedessen lebhaftes Feuer ein. Näheres weiß ich darüber nicht. Sonst ist alles in gewohnter Weise. Leider verloren wir vorgestern einen Doppeldecker. Durch Abschuß geriet er in Englische Bereitschaft. Ich sah noch wie eine Flamme herausschlug, sich dann überschlug und dann noch verhältnismäßig ruhig niederging. Einer der Piloten soll allerdings wie gesagt wird herausgeschleudert sein. Beiliegend findest Du ein Bild von dem Grabe Teutemann. Es ist nicht besonders gut geraten. Ein anderes Grab ist gerade vor seinem Grab und sieht man daher auf dem Bilde noch ein zweites kleines Kreuz. Dann liegt ein Blatt der Kriegszeitung bei. Darin findest Du eine englische Abhandlung über die Kämpfe um Höhe 60, wo auch unser Regiment mitwirkte. Hebe den Artikel mal auf. Mit der Post bekam ich gestern eine Karte von O.W., der jetzt in Ausbildung in Döberitz ist, und Margas Karte vom 23. Um 3 Uhr diesen morgen haben wir abgelöst. Husberg war auch diesen morgen schon bei mir, seine Comp. liegt ebenfalls hier am Knüppeldamm. Schröter Lüdenscheid besuchten wir auch vorhin. Der fährt heute Nachmittag in Urlaub. Augenblicklich ist es gehörig am regnen und uns ziemlich kühl dabei. Ich sah gestern, daß man hier schon tüchtig mit der Ernte begonnen hat. Roggen steht meistens schon in Haufen und auch mit dem Mähen der Hafer ist begonnen. Es ist hier doch bedeutend früher wie zu Hause. Flachs wird auch geschnitten. Wie ich so alles beurteilen kann, giebt es eine gute Ernte. Unser selbst gekochtes Mittagessen schmeckte ganz vorzüglich gestern. Was wir gekriegt haben, hatte ich Dir gestern schon geschrieben.
Nun weiß ich nichts Neues mehr. Heute werde ich wohl Post von Dir bekommen und dann habe ich wieder besser Stoff zum Schreiben. Grüße mir Remscheids, Elly und unsere l. Beiden.
Besonders sei Du, allerbeste, herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem
Ernst!
Wollte mich gestern in W. abnehmen lassen. Doch war der Bildermacher nicht da. So muß ich es noch ein paar Tage aufschieben.

Mein liebes Märgelchen!

Erhielt auch Deine Zeilen, die Du in dem Brief von Egon geschrieben hattest. Bist Du auch froh, daß es bald Ferien gibt? Gut, daß Ihr noch alle recht gesund seid. Grüße mir Mütterchen und Egon, auch Remscheids. Heute ist Sonntag, es ist ½ 1 Uhr jetzt. Was mögt Ihr morgen machen? Wir haben ziemlich Dienst.
Sei Gott befohlen und herzlichst gegrüßt und gek[üßt] von Deinem Väterchen.
[Am Rande] Egons Karte vom 21. bekam ich gestern.
[Vorderseite der Karte:]
Deutschland, so voll Mut und Mark, Bist du einig, bist du stark!

Mein liebes Märgelchen!

Vom 27. vorigen Monats erhielt ich ein Kärtchen von Dir. Nun weiß ich die Reihenfolge der Zensuren wieder und will sie auch behalten. Und Du hast auch Waldbeeren gesucht, hast Du ins Körbchen auch welche bekommen oder alle gleich gegessen? Wenn ich mal in Urlaub komme, suchst Du für mich doch auch welche zu einem Waldbeerkuchen? Aber schöne Namen habt Ihr Euch gegeben, das muß ich sagen. Genug für heute. Grüße Mutter und Egon und sei Du besonders gegr. u. gek. von D. Väterchen.

Mein liebes Märgelchen!

Deine Karten kamen in meinen Besitz. Gewiß es wäre schön, wenn ich in Urlaub kommen könnte, aber es ist noch sehr fraglich. Neues ist nicht zu berichten. Mutter bekommt morgen, wenn möglich einen Brief. Grüße mir deine Freundin bitte besonders und auch die andern Remscheids. Auch Gruß und Kuß für Mutter und Egon, Besonders grüßt und küßt Dich Dein Väterchen.

Mein liebes Märgelchen!

Dein l. Kärtchen bekam ich gestern im Schützengraben. Die Zensur I ist das „sehr gut“ und nur II. „gut“? Ich weiß es nicht mehr, Das wäre ja gut gemachte Arbeit. Und Fräulein von Hindenburg hast Du gehört, das ist ja allerhand. Egons Karte bekam ich aber noch nicht. Ich käme mal gerne wieder auf Urlaub, aber es geht nicht so einfach. Schön wäre es, da stimme ich Dir bei. Gut, daß Ihr alle noch recht gesund seid. Ich bin auch noch wohl auf. Nun Gott befohlen. Bestelle viele Grüße an Mutter, Egon und Tante Elise. Besonders sei Du herzl. gegrüßt und geküßt von
Deinem Väterchen.

Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag erhielt ich Deinen Brief vom 27.5. Außerdem noch die beiliegende Karte. Habig ist mit mir in Metz gewesen und augenblicklich als Schreiber kommandiert. Seit heute morgen sind wir in vorderster Stellung, es heißt auf 3 Tage. Dann soll es 3 Tage Ruhe geben, wahrscheinlich in W. Jetzt sind noch Strümpfe in der Comp. verteilt worden, ich habe 2 Paar bekommen. Außerdem 1 Hemd. Bin also mit allem gut versorgt. – Es heißt, demnächst sollen die Compagnien Urlaub erhalten. Und zwar sollen immer fahren 1 Untfz und 10 Mann. Auf wie viel Tage weiß ich nicht. Es soll dem Rang nach gehen. Vielleicht hätte ich dann das Glück in Kürze zu kommen, es wäre schön, nicht? Habe heute wieder herrliches Wetter. Sonst weiß ich nichts Neues zu berichten. Denke mal, heute den 1.6. Bald schon 10 Monate im Kriege. Wer hätte das gedacht. So Gott will morgen mehr. Grüße Remscheids und Elly, Herzl Gruß und Kuß, auch für unsere Kinder. Besonders herzl. Gruß und Kuß für Dich allerbeste
Dein Ernst
Es fehlt mir sonst nichts. Ich komme mit meinen Portionen gut aus.

Meine liebe Lydia!

Wie Du an der Bezeichnung siehst bin ich auch heute noch in Reserve. Wahrscheinlich kommen wir morgen in vorderste Stellung. Diese Nacht von 9 – 4 Uhr war der II. Zug, dem auch ich jetzt angehöre, als Verstärkung in vorderer Linie. Gestern teilte ich Dir kurz meine Beförderung mit. Gestern früh kam der Radfahrer und brachte den Regimentsbefehl mit, dieser lautete ungefähr: „Laut Regimentsbefehl vom 22.Mai 1915 werden der Sergeant Müller und Untfz Trimpop für besonders tapferes Verhalten vor dem Feinde, zu Vizefeldwebeln befördert:“ Ich war Anfang etwas bestürzt, da ich keine Ahnung hatte. Dagegen wußte Müller, daß er zur Beförderung vorgeschlagen war. Der Comp. Feldw. und ebenso die Offiziere haben es aber gewußt. Es war für mich eine wirkliche Pfingstüberraschung. Meine übernommenen Feldwebelgeschäfte mußte ich an einen der ältesten Untfz abtreten. Müller und ich teilen uns dagegen jetzt in der Führung des II. Zuges. Durfte mir jetzt auch einen Burschen zulegen. Dieser ist ein Res. Hugo Drees, in der Nähe von Schwelm zu Hause, ein sehr stiller Mann. Gewehr und Patronentaschen trage ich jetzt nicht mehr, dagegen einen Revolver. Comp. Dienst mache ich auch nicht mehr. Dagegen bekommt dann ab und zu mal Lagerdienst, wenn ich hier in Ruhe bin. Statt Seitengewehr trage ich den Degen, statt Troddel das silberne Portepee und am Kragen noch zwei große Adlerknöpfe. Jetzt kannst Du Dir denken, wie ich ungefähr aussehe. An Löhnung werde ich jetzt 21 M die 10 Tage erhalten. Einen ausgeben wollen wir Beiden auch. Da kommen wir nicht vorher. Dies wird wohl der Fall werden, wenn wir zum erstenmale in Ruhe kommen. Eine Schirmmütze muß ich auch haben. Statt der gewöhnlichen Kokarden muß ich jetzt silberne Kokarden an der Mütze haben. Das Portepee muß ich auch selbst bezahlen. Mütze 5 – 6 M, Portepee 5 – 6 M und für Freibier ca 10 M, werde ich wohl an Auslagen haben. Von der Comp. bekommen wir demnächst 30 M Kontributionsgelder für den Mann ausbezahlt. Hier in Stellung trage ich aber das gewöhnliche Seitengewehr. 2 M gab ich gestern für den Nachruf „Teutemann“ aus. – Bei der Postausgabe bekam ich gestern Deine Karte vom 20.5. den im Brief Dir zugeschickten Karten von W. Isenburg, Luischen, Behn & Comp. Pakete wurden nicht ausgegeben. Heute soll die Post noch mal kommen. Habe heute schon allerhand Post erledigt: an Dich, W. Isenburg, Eure zu Hause, an Luischen, nach der Baracke, Leutnant Schumacher, Uhlmann, Raab, Muhle, im ganzen 8 Karten und 2 Briefe habe ich geschrieben. Allerhand, nicht. Bis gegen 10 Uhr habe ich diesen Morgen geruht. Es ist hier furchtbar warm. Sitze in Hemdsärmeln im Unterstande und schreibe. Es ist jetzt gleich 2 Uhr. Will jetzt frühstücken und dann noch einige Stunden ruhen. Die nächsten Tage wird es wohl wenig Schlaf geben. Schnickmann lag auch gestern hier, die sind gestern Abend nach Gheluwe oder in die Nähe davon marschiert.
Diese Nacht habe ich meine Brieftasche verloren, ein Mann der 8. Comp. brachte sie mir diesen morgen zurück. Nun weiß ich aber wirklich nicht, was ich noch schreiben soll. Es geht Euch hoffentlich noch gut. Ich bin noch wohlauf. Kannst Du alles lesen, habe eine sehr schlechte Stellung zum Schreiben. Also dann Gott befohlen. Grüße Elly und Remscheid. Gruß und Kuß auch für unsere Kinder. Besonders herzl. Gruß und Kuß für Dich allerbeste
Dein Ernst

Mein liebes Märgelchen!

Heute zur Feier des Tages und unter dem Eindruck den das herrliche Pfingstwetter macht, wünsche ich auch Dir frohe und gesegnete Feiertage. Du gehst doch gewiß mit Mütterchen und Egon morgen nach Hohenlimburg. Wie schön wäre es, wenn wir alle zusammen über den Berg einen schönen Spaziergang nach dort hätten machen können wie vor einigen Jahren: Es geht Dir doch noch gut? Bei mir ist noch alles wohlauf. Habe lange nichts von Dir gehört. Grüße Mutter und Egon.
Besonders herzl. Gruß und Kuß für Dich
Dein Väterchen

Mein liebes Märgelchen!

Deinen Brief habe ich in vergangener Woche erhalten. Gestern habe ich Mutter und Egon geschrieben und heute sollst Du dies Kärtchen haben. Es geht mir sonst noch ganz gut, hoffentlich Euch auch noch. Egon seinem Kühle habe ich noch nicht geschrieben, bin noch nicht dazu gekommen. Hast Du auch Dein Beetchen im Garten selbst in Ordnung gemacht? Nun grüße mir Remscheids. V. Grüße und Küsse für Mutter und Egon und auch für Dich.
Dein Väterchen.

Mein liebes Märgelchen!

Seit heute morgen befinde ich mich wieder im Schützengraben. Sitze augenblicklich auf einer Bank im Graben. Die Sonne scheint schön warm. Bei Euch ist es doch gewiß auch immer schönes Wetter und ist der Garten bald wohl umgegraben und bepflanzt. Schade, daß ich nicht dabei helfen kann. Jetzt mußt Du aber morgens immer früh aufstehen und kannst nicht so lange schlafen wie in den Ferien. Kannst Du auch gut aus dem Bett? Wie gefällt es Dir denn jetzt in der neuen Klasse? Sonst weiß ich nichts anders. Auch muß ich mich beeilen, denn die Post wird eingesammelt und nach Corteville gebracht. Es ist jetzt 11 Uhr. Morgen bekommt Mutter etwas, wenn möglich. Grüße sie und Egon, auch Remscheids. Es geht mir noch gut. Hoffentlich ist auch bei Euch alles bei bester Gesundheit.
Nun sei herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem

Väterchen!