Mein liebes Märgelchen!

Deinen Brief empfing ich gestern Abend, zusammen mit Mutters und Egons. Teilst mir in Deinem nächsten Briefe Deine Zeugnisnoten mit. Auch kannst Du Egon sagen, das [sic] er das tut. Will mal sehen, wie viel die Noten gegen Weihnachten besser sind. Hilfst Du auch Mutter in den Ferien? Oder mußt Du immer mit Käte und dem Püppchen spielen? Grüße Mutter, Egon, Elly. Besonders grüßt und küßt Dich Dein Väterchen!

Mein liebes Märgelchen!

Daß ich Deinen letzten Brief erhalten habe, weißt Du ja schon. Heute bekommst Du nun ein Briefchen von mir. Ich bin heute den 2ten Tag in dem Schützengraben hier in Reservestellung. Seit gestern früh hat sichs nun im ganzen und großen im alten Gleise bewegt. Es ist jetzt hier schönes Frühlingswetter. Auch des Nachts ist es nicht mehr kalt. Wenn die Franzosen oder Engländer und unsere Soldaten nicht immer so hin- und herschössen, lebte ich im schönsten Frieden hier. Gestern Nachmittag habe ich Reibeplätzchen in Schmalz gebacken gehabt. Selbstgebackene. Diese schmecken zwar nicht so gut, als wenn sie unser liebes Mütterchen bäckt. Wir [haben] nämlich eine schlechte Pfanne (Kochgeschirrdeckel). Dann war manchmal das Feuer nicht so, wie es zum backen nötig ist. Aber sie haben trotzdem gut geschmeckt. Dazu hatten wir uns einen guten Kaffee gemacht. Die dazu verwandten Kaffeetabletten von Hause, waren gut. Von unserer Feldküche bekommen wir auch 2 mal Kaffee. Der ist aber nur kriegsstark, d.h. er ist ziemlich dünn. Nein, Feldküche ist nicht richtig, den Kaffee bekommen wir von einem Kaffeehaus, welches zu diesem Zwecke hier am Knüppeldamm errichtet ist und wovon die ganze Comp. den Kaffee bekommt. Von der Feldküche bekommen wir des Abends warmes Essen, Die Soldaten müssen das eine halbe Stunde weit holen, die Küche ist zum fahren und wird von zwei Pferden gezogen. Gestern Abend gab es Graupensuppe mit Rindfleisch, Pökelfleisch und Brot. Von dem letzteren giebt es von jedem Teil nur etwas. Heute Morgen habe ich mit meinen Leuten einen Abort gebaut. Sonst habe ich eigentlich gestern und heute fast garnichts ausgerichtet. Soeben kommt ein Soldat und bringt noch Kartoffeln, die er irgend im nahen Dorfe, wo keine Leute mehr drin sind, geholt hat. Er ist jetzt am Schälen und giebt es dann noch Kartoffeln. Ob sie gebacken oder gekocht werden, darüber sind wir uns nicht einig. Es ist jetzt 5 Uhr Nachmittags. Der Brief geht gleich fort. Ein Soldat, der alle Briefe besorgt, wartet schon darauf. Ich muß daher Schluß machen. Grüße Mutter und Egon, auch Elly und sei Du besonders herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem Väterchen
Grüße auch Remscheid! Und Raabs!

Mein liebes Märgelchen!
Gestern sind wir auf 4 Tage nach hier zur Ruhe gekommen. Komme erst heute zum Schreiben. Gestern vor lauter Dienst keine Zeit dazu gehabt. Die Post brachte mir gestern: 1 Brief und 1 Karte von Dir vom 7. u. 5.3. Von Egon vom 3., 5., 4. und den langen Brief vom 7. März. Von Lisettchen 1 Brief, von Hohenlimburg 1 Karte, von einem Kameraden aus Bremen 1 Karte. Desgleichen von Lehrer Schlüter und Fritz Wilke. An Paketen: Von Hause: 1 mit Keks, 1 mit Zucker, Äpfeln etc.2 vom Kriegerverein mit Speck und Cygarren und eines von Hohenlimburg mit Zwieback, Würfel, etc. Eine große Post, nicht wahr? Von Mutter erhielt ich 3 Briefe vom 5. 6. und 7. Mutter und Egon will ich heute auch noch jedem 1 Brief schreiben. Dies ist heute morgen schon die 7.Karte, die ich schrieb.
Es geht mir sonst noch ganz gut und dasselbe wird hoffentlich auch bei Euch der Fall sein. Hier schönes Frühjahrswetter. Habt Ihr immer noch Schnee? Grüße alle herzlichst. Besonders grüßt und küßt Dich Dein Väterchen.

Mein liebes Märgelchen!
Deinen Brief vom 21.2 bekam ich. Hier in meinem Quartier sind auch noch kleine Kinder, 2 Mädchen von 1 und 4, und 1 Junge von 6 Jahr. Wirst Du auf Ostern versetzt? Sonst noch alles wohl. Heute ist Sonntag und  muß ich gleich zur Kirche. Es ist jetzt 9 Uhr. Herzliche Grüße und Küsse, Dein Väterchen.

Mein liebes Märgelchen!

Gestern Abend empfing ich mit der Post drei mir zugesandte Paketchen mit Chokolade. Meinen Dank dafür. Vom Kriegerverein bekam ich auch ein Päckchen mit Wurst. Dann noch Paketchen von Mütterchen mit kondensierter Milch und Mettwurst. Briefe keine. Morgen geht [es] wieder in Stellung. Sonst noch alles wohl. Hoffentlich auch dort. Kannst Du dann auch richtig rodeln und Schlittschuh laufen? Oder ist der Schnee wieder fort? Grüße Mütterchen und Egönchen. Besonders sei Du gegrüßt und geküßt von Deinem
Väterchen

Mein liebes Märgelchen!

Heute bekommst Du den von mir versprochenen Brief. Deine Karten und Briefe habe ich aller wohl erhalten. Du wolltest wissen, ob ich die Leibbinde auch gebrauche, gewiß doch. Die wärmt gut. Ebenso die Pulswärmer mit Daumenlöcher [sic] ziehe ich täglich an. Die haben sich tüchtig geweitet, sind wohl etwas zu lose gestrickt worden. Nun strickst Du mir noch Strümpfe. Aber die ziehe ich erst an, wenn ich wieder pünktlich in der Heimat bin. Ich habe jetzt fünf paar hier und bekomme sonst zu viel in den Tornister, so daß ich nicht alles packen und auch nicht tragen kann. Aber fertig stricken kannst Du die Strümpfe deshalb doch. Zeit hast Du doch. Gehst Du noch immer so viel nach Remscheids und spielst mit Käte oder kommt sie auch mal zu Dir. Deine Zeugnisabschrift habe ich auch erhalten. Das ist befriedigend, doch muß es noch immer viel besser werden. Du kannst es ganz gut. Nur bist Du etwas zu lässig, nicht wahr. Das gilt besonders vom Schreiben. Ich meine die Schönschrift. Hier mußt Du Dir noch viel mehr Mühe geben. Und wird es mich freuen, wenn ich in Deinem nächsten Briefe oder Karte schon eine Besserung sehen würde. Vor allen Dingen mußt Du den Rat der Mutter immer so befolgen wie es artige Kinder immer tun sollten. –

Wir haben morgen Kaisers Geburtstag und feiern diesen durch Parademarsch, Vorträge u.s.w. Ihr habt doch gewiß auch eine Klassenfeier, ebenso Egon, und dann frei. Schreib mir mal, wie Ihr den Geburtstag gefeiert habt.

Aber der Weihnachtsmann hat Euch doch noch viel gebracht, mehr wie ich gedacht. Seid Ihr denn immer so artig gewesen? Hier uns Kriegern hat der Weihnachtsmann auch was gebracht. Allerhand schöne und nützliche Sachen. Ich erzähle Dir dies mal, wenn ich wieder zu Hause bin, sonst wird mir jetzt der Briefbogen zu klein. Ich wohne augenblicklich in einem großen Saal. So groß wie der Schmidt’sche Saal in Nöll, mit noch 180 Mann zusammen. Das ist ein buntes Bild. Könntest Du Dir diesmal hier besehen. Habt Ihr Menin schon auf der Landkarte gefunden. Es ist eine Stadt mit 30000 Einwohnern. Der Unteroffizier, wovon mir Mutter die Todesanzeige schickte, hat hier gekämpft. Ist aber schon vor Weihnachten, wo an einem Tage drei Sturmangriffe gemacht worden sind, auf dem Feld der Ehre gefallen. So nun habe ich Dir das Neueste geschrieben. Morgen bekommt Mutter auch einen Brief. Hoffentlich ist der Krieg bald zu Ende und wenn Gott will, kehre ich dann wieder zu Euch zurück. Grüße unser liebes Mütterchen und Egönchen. Sei nett folgsam und dann zum Schluß einen herzl. Gruß und dicken Kuß
Dein Väterchen!

Grüße mir bitte Remscheids Alle!

Mein liebes Märgelchen!

Ich will Dir eben mitteilen, daß es mir noch gut geht. Deine gestrickte Leibbinde und auch die Pulswärmer mit Daumenlöchern trage ich jeden Tag. Beide halten mich gut warm. Du meinst, ob ich Strümpfe brauchte. Noch nicht, vielleicht später mal. Aber Mutter könnte mir die Kamelhaarmuffen, die ich von Metz zurückschickte, hierher schicken. Gestern Abend erhielt ich Deine Karte, Egons Karte, Mutters Brief und 1 fünftes Paket mit Weihnachtsgebäck nachgeschickt. Briefpost von Metz ist noch nicht da. Werde ich wohl in 3 Tagen, wenn wieder Ruhe ist, bekommen. Egon bekommt morgen eine Karte. Es grüßt und küßt Dich Dein
Väterchen.

Mein liebes Märgelchen!

Deine Karte heute erhalten. Sag Mutter sollte mir mal 1 Paketchen mit Kaffeebohnenmehl, Zucker und Bouillon und Suppenwürfel [schicken]. Sonst noch alles wohl. Hoffentlich auch dort. Wie war das Weihnachtszeugniß? Grüße Mütterchen und Egon und alle im Hause. Besonders sei Du gegrüßt und geküßt Dein Väterchen.

Mutter bekommt nachher oder morgen oder einen Brief.