Meine liebe Lydia!

Habe Dir gestern schon bereits die Ankunft des Paketes mitgeteilt, ebenso daß wir gestern G. Nachrodt besucht. Dieser ist jetzt dem 69er Regiment zugeteilt und liegt im Bürgerquartier in Mangny, ungefähr eine Stunde von Metz. Sein Bruder Willi hatte ihn besucht, trafen ihn jedoch nicht mehr, ließen ihm einen Gruß zurück in dem betreffenden Hotel wo er nachts über logiert. Wenn Du mir jetzt ein Paket schickst, aber bitte keine Wäsche mehr. Vielleicht schicke ich demnächst mal meine schmutzige Wäsche zurück. Augenblicklich ist es aber nicht nötig, da ich habe frisch waschen lassen. Mit dem Paket komme ich wohl in 14 Tagen aus. Ich will Dir mal schreiben, was Du dann rein packen kannst: ca ½℔ oder 1℔ Butter, 1-2℔ trockene Wurst, Käse ½℔ Zucker, Zigarren, Tabak nicht, den habe ich noch genug. Vielleicht noch mal wieder ein Stückchen selbstgebackenen Kuchen etc. Nun weißt Du ja Bescheid. Mit der Z[iege] wollen wir es so machen, verkaufe diese. Den Winter über tut diese noch nicht viel aus und Du hast die Arbeit nicht. Wie ist es denn mit der Kleinen? Speck[enbach] will heute nach Metz, hat sich für heute Nachmittag beurlauben lassen. Will seinen Schwager besuchen der im Landwehr Rgt. 30 liegt. Für heute weiß ich sonst nichts besonderes zu berichten. Es scheint so, als wenn wir bis zur Beendigung des Krieges hier liegen bleiben sollen. Kannst also deshalb beruhigt sein. Du mußt Dir aber unbedingt etwas mehr zulegen! Habe mich gestern auch mal gewogen. Habe mein altes Gewicht noch, wiege noch 88 kg. Albert Rentrop schrieb ich gestern auch eine Karte, er ist in Straßburg, bei einem Landsturm Batl. Speckenbach weiß aber jetzt, daß seine Frau krank gewesen, er hatte bei seiner Schwester nachgefragt. Tu aber keine Klümpchen zu dem Zucker. Diese waren teilweise geschmolzen und alles aneinander geklebt. Ueberhaupt verpacke alles in einzeln gut, weil bei dem Transport die Pakete nicht so glimpflich behandelt werden. Also haltet euch gesund und munter. Morgen mehr. Grüße Remscheids, Elly und Hugo! Besonders Gruß und Kuß für Dich und die Kinder
Dein Ernst
NB. In letzter Zeit waren viele Frankfurter Frauen hier, die ihre Männer besuchten. Doch ich glaube, es ist besser, wir warten die Zeit mit Geduld ab. Wenn dem Wiedersehen die Trennung nicht folgte? Uebrigens hält es schwer nach Metz hereinzukommen. Es müssen besondere Bescheinigungen seitens der Militärbehörde in Metz ausgestellt sein. Vom Kriegsschauplatz wenig Nachricht. Wenn es zum Klappen kommt, kommt es auf einmal. Also laß auch mal wieder etwas hören und nochmals Gruß und Kuß
Dein Ernst.
Da sich meine Korrespondenz mittlerweise ziemlich angehäuft hat, lege ich Dir jedes Mal im Briefe etwas bei, damit Du sie auch mal lesen kannst. Auf die Dauer kann ich sie nicht alle aufheben.