Meine liebe Lydia!

Heute Deinen 1[ieben]. Brief erhalten. Ich liege noch immer hier auf der Feldwache am Tunnel an der Bahnlinie Metz – Saarbrücken. Von Metz 2 Bahnstationen, von der Grenze 10 km. Soeben werden von Dienze [?] große Siege gemeldet und hoffen wir, daß der Franzmann bald endgültig niedergerungen ist, mit den anderen wird dann auch gründlich aufgeräumt werden. Die Kost ist hier ziemlich gut, nicht wie zu Hause, aber derbe und kräftig. Bett könnte besser sein. Wir schlafen ständig auf Stroh unter Zelt und führen ein richtig Biwakleben. Wir bekommen jetzt Decken, da es schon gegen morgen ziemlich frisch ist. 1 Mann ist krank geworden und ins Lazarett gekommen, hatte Rheumatismus. Meine Strümpfe sind noch alle ganz. Hemd ist schon mal gewaschen. Habe außer meinem Hemd noch 2 Hemden und 1 Unterhose. Alles noch tip top. An Marga und Egon habe ich auch in vergangener Woche schon ein Kärtchen geschrieben und an Dich jeden Tag eine Karte. Morgen mehr. Herzl. Gruß und Kuß auch für unsere Kinder. Dein Ernst.

Heute erhielt ich eine gute Post. Brief mit Ansichtskarte Lüdenscheid von Dir, Remscheids, Raabs 1 Brief. Ist denn von Wiblingwerde niemand bei Dir gewesen? Von den anderen Rahmedern außer Speckenbach, der neben mir 10 Minuten entfernt liegt, noch nichts gehört. Schreibe bald wieder.
Ob und wann wir vorgeschoben werden, hängt jedenfalls von der Gefechtslage ab, ich glaube vorläufig nicht.

Gruß C. Husberg.