Meine liebe Lydia!

Heute giebt es auf unserer Feldwache nichts Neues. Für morgen früh ist ein Uebungsmarsch ins Gelände vorgesehen und wir daran wohl die Hälfte unserer Wache mitnehmen. Es heißt unsere Armee sei überall siegreich im Vorgehen. Namur ist ja gefallen und ist wohl ein Vormarsch von dort im Gange. Seit vorgestern Mittag hören wir keinen Kanonendonner mehr, wohl ein günstiges Zeichen, daß unsere Truppen immer weiter Feld gewinnen. Ich hatte heute Morgen Gelegenheit mit einem Unteroffizier der Telegraphentruppen zu sprechen, der in Frankreich gewesen war. Der erzählte mir, fast alle Dörfer, die bis jetzt eingenommen, wären mit dem Erdboden gleich gemacht, weil immer aus dem Hinterhalt auf unsere Truppen geschossen wird. Hat sich die Sache mit Wenke bewahrheitet? Es ist gut, daß wir gutes Wetter haben, bei schlechtem Wetter ist hier nicht viel los. Weil wir im Felde liegen und dann der Boden kollosal [sic] aufgeweicht ist. Hoffentlich kommen von der Front bald wieder günstigere Nachrichten. Morgen mehr. Herzl. Gruß und Kuß Dein Ernst, auch für unsere Kinder.