Meine liebe Lydia!

Gestern Abend erhielt ich Deinen Brief vom 8/10. Du meinst, ob ich regelmäßig schreibe. Gewiß hier scheint die Post zu versagen. Glörfeld liegt hier in St. Julien. Eine Gefecht hat er meines Wissens nicht mitgemacht. Jedenfalls meint er damit, unseren Marsch damals von der Bahnwache nach Gravelotte. Auf französ. Boden wird er wohl gewesen sein. Uns bis heute noch nicht bekannt, ob wir irgendwo anders hinkommen. Und mist [?] dran warst Du? Hoffentlich bist Du jetzt wieder wohlauf. Vor allen Dingen schone Dich. Wenn Du die Arbeit nicht gut allein kannst, hole Dir Hulda wieder. Es ist doch gut, daß Du unsere l. Kleinen noch um Dich hast. Sie sind tatsächlich schon größer, wie ich öfter denke. Elly scheint sich dann auch überarbeitet zu haben. Hoffentlich bewahrheitet sich das mit Spelsberg nicht. Wenn ich so manchmal noch denke, sind doch schon eine ganze Anzahl Rahmeder Bürger dem Kriege zum Opfer gefallen. Und doch ist das Ende noch nicht abzusehen. Heute Nachmittag kommen wieder 5 Verwundete vom Landwehr Rgt 30 (2. Comp) zu unserem Batl. zurück und wurden unserer Comp. zugeteilt. 4 davon meiner Korporalschaft. Einen davon kannte ich, es ist dies Lademacher von Everinghausen. Die Leute sind vorläufig nur Garnisonsfähig [sic]. Er erzählte mir, daß Fritz Schmermbeck vermißt oder gefallen sein sollte. Habe mich noch nicht richtig mit ihm aussprechen könne, vielleicht erfahre ich noch andere Neuigkeiten. Ich habe mir den „Tmol“[?] nur im Falle einer Mobilmachung schicken lassen. Gott sei Dank bin ich bis jetzt immer gut dran gewesen. Neulich hatte ich mal ein paar Tage einen Anfang von dem Dir bekannten Hexenschuß. Sonst wüßte ich nichts Neues zu berichten. Doch, Du schriebst mir neulich Remscheids hätten 100 M gegeben. Dagegen las ich im Lüdenscheider Blatt: 50 M. Letzteres wird wohl stimmen. Buck sage mir gestern, Lehrer Püttmann Schafsbrücke, den Du auch kennst, sei durch Granatsplitter verwundet, nachdem er glaub ich 8 Gefechte mitgemacht hätte. Er hat mir auch den Namen des Lazaretts genannt, wo er liegt, doch ist mir dieser entgangen. Vielleicht hast Du aber auch dort davon gehört. Hier an unserer Kampffront ist keine Veränderung eingetreten, man hört nur noch Tag für Tag den Kanonendonner. Hoffentlich hält die gute Witterung noch an, was für unsere Truppen auch von großem Werte ist. Die Gartenfrüchte hast Du Dir dann wohl alle eingebracht. Die Wurzeln sind ja wohl immer das letzte. Hast Du die Kartoffeln schon eingekellert und was hast Du bezahlen müssen. Ist Dr. Isenburg auch ausgebildet und irgend hingeschickt worden. Morgen mehr, muß schließen, es geht jemand noch heute Abend nach Metz und soll den Brief direkt dahin mitnehmen, damit er schneller an seinen Bestimmungsort gelangt.
Mit Gruß und Kuß, auch für unsere Kinder
Dein Ernst.