Meine liebe Lydia!

Empfing heute Mittag 1 Karte vom 23.8. abgestempelt. Wie ich sehe, treffen meine Karten auch regelmäßig ein. Auch ich habe jeden Tag eine Karte oder Brief abgeschickt. Daß Dehnert weg war, wußte ich nicht. Knipp war schon früher, von Baukhage her, bei uns. Wie ich sehe, beklagen sich die Mainzer über schlechtes Essen. Das wird wohl viel davon kommen, daß diese keine Soldatenkost gewöhnt sind. Es giebt hier auch keine Delikatessen, aber doch ist die Kost nicht schlecht. Hugo Trimpop durfte nach meiner Ansicht, trotz seiner Krankheit auch noch nicht sobald zurückkommen, denn die Leichtkranken, wir haben welche, sollen lauf Befehl zu inneren Diensten herangezogen werden. Von den Mainzern habe ich bis jetzt noch nichts gehört. Unsern Hund haben wir noch und hat sich sehr an uns gewöhnt. Husberg Neuenrade kommt als Besitzer des Hundes nach Beendigung des Feldzuges in Betracht. Von den Rahmedern habe ich noch keinen wieder gesehen, außer Speckenbach, wie Du ja weißt. Es ist gut, daß es Frau Speckenbach wieder besser geht. Er sagte mir gestern, daß er erst einen einzigen Brief bekommen hätte. Sind die in Lüdenscheid untergebrachten [sic] Lüdenscheider? Von Hohenlimburg bekam ich heute auch eine Karte, die sind ja am vergangenen Sonntag mir Dir zusammen auf der Brake gewesen. Ferner teilen die mir den Tod von Wencke mit, ferner daß Klinke Wiblingwerde durch Kopfstreifschuß verletzt sei und Ernst Hohage, Haste durch Hüftenschuß. Gestern hatten wir, wie ich Dir bereits durch Karten mitgeteilt, Feldgottesdienst in Failly. Den ganzen Werdegang teile ich Dir später mal, wills Gott, mündlich mit, nach dem Gottesdienst wurde auch das Abendmahl noch ausgeteilt. Es war eine ganz erhebende Feier, für einen jeden. Hörst Du auch ab und zu mal etwas vom Geschäft? Hast Du Dir auch schon mal wieder Geld geben lassen, warte nicht zu lange damit. Raab könnte doch auch gewiß die 1500 M Kaution für die Schule in diesem Falle bekommen, vielleicht wird er noch vorstellig beim Amte deshalb. Ich meine nur in dem Falle, wenn das Geld unbedingt da sein muß. Ebenso könnte er sich die Garantiesumme von Berges, Rövenstrunk, Wagner etc. nötigenfalls geben lassen. Vielleicht spricht Du mal mit ihm darüber. Auch sag ihm, er möchte mir doch von Zeit zu Zeit, so alle acht Tage, den eingeführten Geschäftsgang und Stand brieflich mitteilen. Darf den Briefen allerdings nicht mehr anvertrauen, als was schließlich jeder sehen darf, da immer noch die Gefahr besteht, daß die Briefe geöffnet werden, allerdings die letzten waren zu. Er schreibt mir, er muß jeden Tag bis 12 Uhr nachts vorbereiten, aber es ist in diesem Falle nichts daran zu ändern. Hin und wieder, würde er vielleicht doch noch andere Anstrengungen und Entbehrungen zu leiden haben. Sag Raab, es würde doch wohl nicht nötig sein, daß er für Büro sich einen Techniker hielt. Die Abrechnungen etc. hoffe ich doch noch alle diesen Winter, wenn auch nach Weihnachten zu machen. Im Ausnahmefalle kann er sich ja mal zeichnerische Arbeiten etc durch einen Architekt machen lassen. Wir kommen so glaube ich noch besser weg, als wenn wir ständig einen auf dem Büro haben. Vielleicht berichtest Du mir mal dann darüber. Dann grüße alle Raabs, Remscheids, Schmelings, Bräker und alle die nach mir fragen. Habe heute große Wäsche gehabt: 2 Hemden, 1 Unterhose, Strümpfe. Ist alles noch in tadelloser Verfassung. Mir fällt ein, ein paar gute Muffen, Pulswärmer könntest Du mir wohl stricken. Ende des Monats wird man die auch haben müssen. Ich schreibe Dir noch, wann Du diese schicken sollst. Gruß an Elly. Sonst nicht Neues. Gesund werdet Ihr hoffentlich noch alle sein. Morgen mehr. Herzl. Grüße und Küsse auch für unsere Kinder und auf frohes Wiedersehen. D. Ernst

Eben war ein Bauer aus dem Dorfe hier, der 1 Mann einige Tage zum Mähen haben wollte, ich will das versuchen, Urlaub für 1 Mann zu bekommen. Auf den Feldern sieht man meistens nur alte Männer und Frauen.

Für morgen, Abmarsch 7 Uhr ist wieder 1 Übungsmarsch befohlen, dieses mal geht Husberg mit, wir müssen immer wechseln, ebenso die Mannschaften, wegen der Wache stehen.

Vom Schlachtfelde weiß ich nichts sonderliches zu berichten. Einige kleinere Gefechte sind uns bekannt geworden. Man erwartet jedoch einen entscheidenden Schlag in Bälde.