wir liegen uns auf ca. 30,00 m gegenüber

Meine liebe Lydia!

Gestern bekam ich keine Post. Heute morgen bekam ich durch unsern Radfahrer 2 Pakete, eines von Dir und einen von Geschwister Trimpop. Die Zwiebäcke habe ich gleich heute morgen zum Kaffee gegessen. Es war schon bereits 10 Uhr wie ich Kaffee getrunken. Die Nacht mußte ich revidieren von 9 – 12 Uhr. Die letzte Stunde hat es ziemlich geregnet. Dann habe ich geschlafen bis heute morgen um 8 Uhr. Dann wurde ich geweckt. Es waren 2 Pioniere da, denen mußte ich Arbeit anweisen. Hätte sonst am Ende noch ein paar Stunden geschlafen. Am Tage kann man vor den Fliegen nicht schlafen. Leider hatten wir in den ersten Morgenstunden gegen ½ 5 Uhr 1 Toten und 1 Schwerverwundeten. Ersterer war noch aktiv und diente im 3. Jahr, war schon früher verwundet worden und auch mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet und aus Pfalzburg im Elsaß gebürtig. Er war Untfz. Der Verwundete war Reservist und schon früher verwundet gewesen. Die Verluste entstanden infolge Handgranaten aus dem engl. Schützengraben. An dieser Stelle liegen wir uns auf ca. 30,00 m gegenüber. Jetzt ist es wieder sehr ruhig. Ab und zu schießt die Artillerie von beiden Seiten. Ein Buschmann Hohenlimburg war in Urlaub hatte ihm Grüße an den Uhrmacher und Emil und Lisette aufzugeben. Letzterer sagte er, hätte er nicht antreffen können, er sei 2mal vor die verschlossene Türe gekommen. Sonst weiß ich nichts Neues zu berichten. Wenn ich diesen Nachmittag Post von Dir bekomme, weiß ich dann morgen wieder mehr. An die Kinder schreibe ich dieser Tage auch ein Kärtchen. Gruß und Kuß für die Beiden. Besonders grüßt und küßt Dich, allerbeste,
Dein Ernst


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