Meine liebe Lydia!

Seit gestern Abend bin ich hier auf Bahnschutzwache; Morgen abend oder Sonntag früh werden wir wieder durch den Landsturm, den wir abgelöst, abgelöst. Nach 5 ½ stündigem Marsche gelangten wir, ich und noch 11 Mann sind auf diesen Unteroffiziersposten, sehr ziemlich ermüdet an. Um 6 Uhr stellten wir die ersten Posten mit. Der Landsturm wurde zwecks Typhusschutzimpfung abgelöst. Unsre Unterkunft ist nicht schlecht. – Eben eine kleine Pause gehabt, die Revision war hier. – Ich habe ein kleines Bretterhäuschen, welches nah[?] auf dem Bahndamm, liege für mich. Dieses Häuschen ist mit einer Bank, kleinem Ofen, Töpfchen und Bettstelle versehen. Letztere besteht aus zusammengenagelten Brettern mit Strohfüllung, Zeltbahn, Kopfteil und 1 Wolldecke. Sie nimmt ziemlich ⅓ des Raumes ein. Die Nacht nahm ich meinen Mantel als Decke hinzu, heizte das Oefchen noch mal gut ein, und habe dann geschlafen wie ein Dachs bis heute Morgen ½ 8 Uhr. Die Mannschaften haben Strohlager in einem Brückengewölbe, ebenfalls mit Heizung versehen. Auch hat jeder eine Wolldecke. Dann haben wir noch ein Eßzimmer, zugleich auch Küche. Hierzu ist ein alter Eisenbahnwagen eingerichtet. Ein Herd mit Töpfen und Eimern und sonstigem Geschirr ist da. Auch Tische und Bänke. Die Tische sind aus alten Zimmertüren gemacht. Gestern Abend machte unser Koch nur Kaffee, den übrigen Proviant mußte jeder selbst mitbringen. Aber heute giebt es etwas bessres, Um 8 Uhr war der Kaffee gebraut wie man hier sagt. Um 10 Uhr gabs Boullion [sic]. Brot und Wurst hatte jeder selber. Heute Mittag giebt es Fleischsuppe mit Nudeln und Rindfleisch. Es fehlt aber noch das Suppengrün drin. Wir haben einen ins Dorf geschickt um etwas zu holen. Heute Abend giebt es Bratkartoffeln, die Zutaten muß jeder selbst liefern. Wie Du siehst leben wir, wenn man bedenkt, daß wir im Krieg sind, auf ziemlich großem Fuße. Morgen giebt es allerdings dieselbe Speise. Teutemann Neuenrade liegt an der anderen Seite der Brücke, ca ¼ Stunde von mir, mit 7 Mann. Schnickmann Altena ca ½ St. entfernt an einem Tunnel. Morgen Abend, oder Sonntag früh geht es wieder zum Fort zurück. Die Ablösung sollen wir nun, wie ich Dir glaube ich schon geschrieben habe, noch 2 mal in diesem Monat machen, und zwar am 18 u 19 und 25 u.26 Dezbr. machen. Dann werde ich mein wahrscheinlich hier im Bahnwärterhäuschen haben. Was für ein großer Unterschied gegen das Vorjahr. Doch es ist so wie Du meinst, wenn wir uns nach Beendigung des Krieges glücklich wiedersehen dürfen, können wir dieses als das schönste Weihnachtsgeschenk betrachten. Und wird es uns leicht sein, im Hinblick darauf und daß wir es dem Vaterlande schuldig sind, werden wir das Weihnachtsfest würdig feiern. Heute und Morgen werde ich keine Post bekommen, ob wir sonst eine Zeitung bekommen soll auch wohl so ne Sache sein. Samstag giebt es dann alles zusammen. Morgen mehr. Grüße Remscheids und unsere lieben Kinder. Besonders sei Du gegrüßt und geküßt von Deinem
Ernst.
Jetzt giebt es Mittagessen, also Kochgeschirr bei die Hand [sic]. Wünsche auch Dir guten Appetit!