Meine liebe Lydia!

Gestern Abend um 10 Uhr hatten wir Postempfang. Empfing Deinen Brief vom 25., Egons Karte vom gleichen Datum, außerdem den beiliegenden Brief von Kuhlenkeppig. Augenblicklich sind wir wieder in besonderem Alarmzustand. Es ist wieder etwas im Gange, wahrscheinlich dieselbe Geschichte wie in unserer vorigen Ruhe. Dies war auch der Grund, daß gestern Abend die Post noch empfangen wurde. Die 9.Comp. und sämtliche Fuhrparks [?] sind diese Nacht ausgerückt. Auch wir standen heute Morgen vor 4 Uhr zum Ausmarsch bereit und in diesem Zustande sind wir jetzt noch. Das angesetzte Baden in Danpriel fiel demzufolge aus. Um die Zeit auszufüllen, hatten wir 1 Stunde Instruktion durch die Offiziere und jetzt um 245 soll exerzieren sein. Im übrigen schont man uns. Alles muß sich in mittelbarer Nähe der Baracke aufhalten. Soll mich wundern, ob die Sache jetzt zum Austrag kommt. Wir wünschen es jetzt. So werden wir jedes Mal in unserer Ruhe, vor allem in der Nachtruhe beschnitten. Solange der Zustand so anhält, werde ich wohl keine Post empfangen. Auch glaube ich nicht, daß dieser Brief gleich befördert wird. und dürfte die Postbeförderung eine vorläufige Stockung erfahren.
Nun zu Deinem Briefe: Ich glaube auch, daß wir das Neutapezieren mal bis zur Beendigung des Krieges hinausschieben. Vielleicht giebt es Zeit, daß wir es selbst tun können. Die Decken könntet Ihr resp. wir ja von Raab oder Schmeling jetzt machen lassen, was ein kleiner Kostenpunkt ist und dann auch meinetwegen das tapezieren, wie Du meinst selbst versuchen. Könnt Ihr es dann alleine? Die Grüße von Trimpops, Laura, Adele, Elly erwidere ich herzlichst. Ich bin auch auf die Versetzung der „beiden“ gespannt. Da Emil Neuhaus das Einjährige hat, wird er am Ende noch weiter befördert, obwohl wir „altgedienten“ nicht viel von den so schnell emporgekommenen halten, weil ihnen die tatsächlich die praktische Erfahrung [fehlt]. Aber die Preise schnellen ja kollosal in die Höhe – daß ich von Ra. einen Brief bekommen habe, weißt Du schon. Von dem Urlaub noch immer nichts gehört. Ich habe auch mal daran gedacht, an Reibeplätzchen von dort, aber lassen wir es, ist denn doch zu umständlich, zudem weißt Du aus unseren Briefen, daß ich hier ab und zu welche im Schützengraben bekomme. Frische Eier schicke mal ruhig. Wenn diese nicht allzu teuer im Einkauf sind, mußt diese aber ziemlich hart kochen. Du willst mir noch Kniewärmer schicken Kind, und ich werde Dir die getragenen in Kürze zuschicken, sie sind bald zu entbehren. Auch Kopfschützer und Pulswärmer und die Kamelhaarunterjacke kann ich wohl im übernächsten Monat entbehren. Wenn ich in Urlaub käme, brächte ich die Sachen mit, und ließe sie da. Sonst muß ich einmal sehen, ob ich alles in einem Paketchen schicken kann. Das wäre das Neueste. Ra. will ich heute auch noch schreiben, wenn weiter nichts passiert. Wenn also die Post packen sollte, kennst Du die Umstände und mach Dir deshalb keine Sorgen. Hoffen wir zu Gott, daß alles einen glücklichen Ausgang nimmt. Gruß und Kuß für unsere lieben Beiden. Besonders sei Du Beste herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem
Ernst
Gruß an Remscheids!
Marga meint, einer auf dem Gruppenbilde hatte einen anderen Orden wie das eiserne Kreuz. Das ist nicht der Fall. Dieser trägt es nur verdeckt, wie es beim Arbeitsdienst immer getragen wird. Hat es wohl vergessen, das eiserne Kreuz anzuhängen.