Meine liebe Lydia

Heute früh sind wir nach hier gekommen. Liegen ca. 10 Minuten vom Knüppeldamm in Alarmbereitschaft. Sind, wie ich Dir bereits schon schrieb, diesmal fast ohne Verlust davon gekommen. Habe für die 3 Tage, die wir voraussichtlich hier liegen bleiben, einen schönen Unterstand. Liege mit einem Leutnant zusammen, der in Urlaub gewesen ist neulich und jetzt wieder den von mir geführten Zug übernommen hat. Ich bin sein Stellvertreter. Habe heute Mittag mit ihm zusammen gespeist, allerhand, was. Es gab Rindfleischsuppe, Rindfleisch mit Kartoffeln und Salat. Jetzt ist es 2 Uhr Nachm. Um so 2 Uhr war Postempfang. Ich bekam eine Karte von Raab und ein Paketchen mit 12 Cygarren von einem Unteroffizier, der in Urlaub ist. Carl Speckenbach war auch noch gestern bei mir in vorderster Stellung. Er wußte aber nichts besonderes zu berichten. Die Nacht hatte ich Revision von 9 – 1 Uhr, dann Nachtruhe bis gegen 5 Uhr, zu der Zeit wir abgelöst wurden. Mit Schnickmann sprach ich auch noch soeben. Hier unten angekommen habe ich geschlafen bis gegen 10 Uhr. Dann gewaschen, gefrühstückt und dann zu Mittag gegessen. Jetzt ist von 2 – 3 Uhr Gewehrreinigen. Um 3 Uhr ist Gewehrapell, muß dann diesen abhalten. Die anderen 2 Züge der Comp. liegen nämlich, einschl. dem Comp. Führer und Feldwebel in einer vorgeschobenen Bereitschaft, ca. ¼ Stunde von hier. Weiter ist heute früh kein Dienst mehr.
Jetzt will ich noch 1 Karte an Fr. und Ott, Brake schreiben, auch Egon und Marga sollen eine haben, ebenso Petri. Sonst weiß ich nichts Neues zu berichten, muß jetzt erst mal wieder etwas von Dir haben, damit ich wieder besser Stoff zum Schreiben habe.
Hoffe, daß es Euch wie mir noch gut geht. Grüße alle Bekannten. Gruß und Kuß für unsere l. Beiden. Besonders grüßt und küßt Dich allerbeste,
Dein Ernst