Lieber Freund Ernst!
Besten Dank für deine l. Zeilen, welche ich am 30.10.14 erhielt. Glaub doch ganz bestimmt, daß du kollossal im Tran gewesen bist, besehe bloß die Adresse vom Brief, daraus siehst du, wie bekannt du unsrer Comp. bist, sonst hätte ich deinen Brief nicht erhalten.
Ich habe Aussicht, noch lange hierzubleiben, die Arbeit, die im Festungsbezirk schon still gelegt war, wird mit aller Kraft auf einmal fortgesetzt, kannst glauben, daß das bei dem schlechten Wetter kein Vergnügen ist, es wird schon zu kalt bei dem Regen. Hier erhalten alle Mannschaften nur 33 Pf. Eine Löhnung, von der man nicht leben kann.
Dein Bart ist gut gewachsen, so siehst sehr ernst aus und machst deinem Namen volle Rechtfertigung. G. Nachrodt hat 6 Wochen Urlaub, hoffentlich bekommst du auch bald Urlaub, denn das tut immer richtig gut, wenn man mal aus der Zwangsjacke heraus kommt. Ich lasse diese Woche wieder ein Urlaubsgesuch einreichen, hoffentlich mit Wirkung.
Heute Nachmittag geht’s wieder nach Mainz, des Samstags Abend giebts immer Sonntagsurlaub nach Frankfurt, Wiesbaden, Mainz oder sonst in der Umgegend. Alfred Keil ist auch bei mir im Quartier, ich soll dich vielmals grüßen, auch von E. Klinker, mit dem Ausmustern giebts nichts, er muß jetzt wieder Dienst tun. Wenn wir hier wegkommen, werden wir wahrscheinlich in die Kaserne geführt, soll mich bloß wundern, wo wir Weihnachten feiern, an zu Haus feiern habe ich aufgegeben. Bestellt viele Grüße an Speckenbach und Wilh. Schnickmann Altena. Sonst wüßt ich Heute nichts Neues. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder, wenn nicht, lade ich dich zu meinem Geburtstag ein, dann wollen wir hier in Gaubischofsheim feiern.
Sei vielmals gegrüßt
Dein Freund Erich.