Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag brachte mir unser Compagnie-Radfahrer die beiliegende Karte und Deinen Brief vom 28.5. Ich bekomme jetzt jeden Tag, mit Ausnahme von Paketen in den Schützengraben reingebracht. In Beantwortung Deines Briefes folgendes: Nach Brinker habe ich nicht wieder geschrieben. Für ein andermal wird er sich wohl eine solche Dreistigkeit nicht mehr erlauben. Unser Cassenconto wird Ra wohl schon ausgeglichen haben. Bis zum Herbst denke ich wird noch etwas Geld aus dem Geschäft kommen, somit Ihr auch beide etwas bekommen könnte. Neuen Ersatz haben wir vor zwei Tagen (20 Mann) bekommen, aber von Brügge. Soll mich wundern, ob Blankenagel mich dann wirklich aufsucht. Ist das Ruß, der Elly schon mal zu Hause besucht hat? Ist Otto Wilke bei der Infanterie? Oder arbeitet er in Trier? Ich denke auch noch manchmal an die „schönen“ Abende. Es ist gut, daß man in dieser Beziehung noch wenigstens liebe Erinnerungen hat. Für dieses Jahr werden wir wohl darauf verzichten müssen, hoffen wir zu Gott, daß es dann in nächsten Jahre wieder was giebt.
C. Gerlach wird wohl auch seine Erinnerungen in dieser Beziehung haben – Diese Nacht hatte ich von 1 – 5 Revision. Habe dann, nachdem ich zuvor Kaffee getrunken, bis gegen 1 Uhr geschlafen. Dann Mittagessen: Rolladen mit Sauce und Kartoffeln. Denke an, allerhand. Die Burschen hatten uns das gemacht. Jetzt ist es 2 Uhr. Gegen 4 Uhr kommt gewöhnlich der Radfahrer und wird er wohl dann noch etwas Post für mich mitbringen. In Rußland soll die Sache ja augenblicklich sehr günstig für uns stehen. Hoffentlich ist der Koloß dann bald klein. Von Italien hört man noch weniger. Sonst nichts Neues, Grüße Elly, Remscheids! Gruß und Kuß für unsere l. Beiden.
Besonders sei Du herzlichst gegrüßt und geküßt allerbeste,
Dein Ernst.
Morgen, so Gott will, mehr