Meine liebe Lydia!

Es ist jetzt 2 Uhr Nachmittags. Soeben ist Postempfang gewesen. Gestern kam keine mehr. Ich bekam Deinen Brief vom 10., den einliegenden Brief von Kattwinkel und 1 Karte von Husberg.
Wir liegen immer noch in Reserve. Es heißt morgen werden wir abgelöst und kommen dann wahrscheinlich wieder in unsere alte Stellung am Kanal.
Die Rechnung von Dr. Simon reguliere nur. Du meinst, ich könnte noch mal in Urlaub kommen. Das ist wohl ausgeschlossen, hoffen wir das [sic] bald der große Urlaub kommt. Und auf ein paar Tage lohnt es sich nicht, es ist den Abschied nicht wert. Ich habe lange Zeit gebraucht, ehe ich mich wieder hier in die Umgebung rein finden konnte. Wir wollen daher alles in Gottes Hand stellen. Wenn Italien neutral bleibt, denke ich, wird die Sache wohl nicht mehr allzu lange dauern. Viel Neues giebt es sonst hier nicht. In Corteville sollen wieder gestern einige Geschosse eingeschlagen sein; darüber soll 1 Wehrmann, der als Maurer dort beschäftigt war, von den ehem. 30ern 1. Comp. auch gefallen sein. Also wieder 1 Mann hinter der Front. Heute wenig Dienst. Es ist leicht am Regen [sic]. Sonst wüßte ich nichts Neues. Auch muß ich mich beeilen, denn die Post soll gleich abgegeben werden. Also für heute genug. Wenn möglich morgen mehr.
Dann mit Gott. Grüße unser l. Kleinen. Besonders sei Du herzlichst gegrüßt und geküßt, allerbeste,
Dein Ernst