Meine liebe Lydia!
Zu allererst meinen herzlichsten Glückwunsch zu Deinem am 20. stattfindenden Geburtstag. Hoffe, daß es uns und den Kinder noch vergönnt sein möge, diesen Tag noch lange und vielmals feiern zu dürfen. Mein Wunsch an Deinem Freudentag persönlich zugegen sein zu dürfen, geht nun leider nicht in Erfüllung, aber dessen kannst Du versichert sein, daß ich mich in Gedanken der Feier ganz anschließen werde. Hoffentlich können wir im nächsten Jahre dann wieder zusammen feiern. Heute wurde mein Urlaubsgesuch vom Komp. Führer genehmigt. Jetzt muß allerdings noch das Batl. entscheiden. Es wurde dann gleich zum Batl. gebracht, doch brachte die Ordonanz es mit dem Bemerken zurück, daß vor dem 7. Dez. keine Gesuche mehr zugelassen würden. Also müssen wir uns bis dahin mal gedulden. Vom Gouvernement, wie C. Funke gemeint hat, giebt es hier überhaupt keinen Urlaub, wird sogar bestraft, wer sich unterstehet dort einzukommen. –
Gestern erhielt ich eine Karte von Dir, Marga und vom Kriegerverein. Bei letzterem hatte ich betreffs dem Pakete an Speckenbach angefragt. Heute ist ihm dann eines zugegangen. Heute bekam ich Deinen (stammte vom 13.) und Egons Brief vom 11. cr. – Soeben wieder große Siegesnachricht vom Osten: Hindenburg hat 2000 Russen gefangen genommen und 80 Maschinengewehre erbeutet, im Westen gute Erfolge im Argonnerwald. – Hoffentlich geht es so weiter, damit der Krieg schneller seinem Ende entgegen geht. Daß Mariechen Kreinberg auch krank war, wußte ich nicht. Doch sehr traurig für Willy. Mit Egon steht dann die Sache wieder wie im vergangenen Jahre. Er muß es mit dem franz. ja dann noch Weihnachten nachholen. Mit Marga steht die Sache dann ja günstiger. An Beide schreibe ich morgen mal ein Kärtchen. – Mit unsern Gang nach Gravelotte hat es gestern nichts gegeben, weil wir um den Urlaub nach dort zu spät eingekommen waren, jetzt ist der Gang für den Buß- und Bettag vorgesehen. Ob was giebt nun? [= Ob es nun was gibt?] Gestern war hier den ganzen Tag regnerisches Wetter. Am Nachmittag gingen wir auf einige Stunden nach Metz, um 9 Uhr waren wir wieder zurück und bin dann gleich in die Klappe gegangen. Heute hatten wir wieder den ganzen Tag Regenwetter. Heute morgen um 650 Uhr marschierten wir ab nach Chailly um dort Schanzarbeiten zu machen. Nach 2 Stunden Weges gelangten wir dort an. Natürlich durchnaß. Obwohl wir über den Mantel noch den Zell hatten (Zeltbahn). Der Regen hielt aus, und kehrten wir, nachdem wir gefrühstückt hatten unverrichteter Sache zurück und kamen gegen 12 Uhr ins Fort zurück. Ich konnte das Wasser aus den Stiefeln schütten. Heute Nachmittag dienstfrei gehabt, Sachen getrocknet und Bettruhe gehabt. Morgen üben wir auch einen ganz neuen Dienstzweig: Bomben werfen. Gestern wurde der älteste Untfz. 97 eingetreten, einjährig gedient, zum überzähligen Vizefeldwebel befördert worden [sic]. Das wäre so ziemlich das Neueste. Morgen dann mehr. Also nochmals innigen Glückwunsch, auch für unsere Kinder
Dein Ernst.