Meine liebe Lydia!
Die Ankunft der Briefe habe ich Dir heute bereits durch Karte mitgeteilt. Komme hiermit näher auf den Inhalt zurück. Die 2te Hausjacke habe ich bekommen und habe somit 3 und komme da gut mit aus, ebenso die Päckchen zum zurückschicken. Ladenmacher sagt mir, er hätte im ganzen 5 oder 6 Pakete gehabt, noch weitere für verschiedene Schalksmühler. Jetzt, da ich im Besitze von Füßlingen bin, habe ich keine dicke [sic] Strümpfe, wie ich Sie mir gewünscht hatte, nicht [sic] nötig. Doch Füßlinge, die können doch nicht viel kosten, könnte ich dann mindestens 4 paar gebrauchen. Ein paar habe ich ja von Dir bekommen. An Elly habe ich noch nicht geschrieben, werde dies ja heute noch machen. Hat man denn von den vermißten Irt [?] noch nichts wieder gehört? Du meinst, ob der Kampf hier bald zum Abschluß käme. Das werden wohl nur die höchsten Instanzen wissen. Allem Anschein geht es ja langsam und sicher vorwärts. Doch sollen die Befestigungen auf beiden Seiten furchtbar sein und schlechter wie eine Festung einzunehmen sein. Doch die unseren sind zähe und wird auch das überwunden werden. Vorläufig müssen wir mal mit den Teilerfolgen zufrieden sein. Hoffen wir das [sic] die Sache in diesem Jahr wenigstens zur Entscheidung kommt. Wie ich sehe, hast Du in diesem Monat große Ausgaben gehabt. Nun das war ja jedes Jahr im Monat Oktober gehabt. Bei Raab wird es wohl ebenso gewesen sein. Er muß doch noch immer viel im Voraus haben? Was sein muß, muß sein, wenn Du Bedarf hast, hole nur. Nun noch etwas zu den Briefen der Kinder. Wenn Du sie nicht gelesen hast, dürften Dich einige Sätze interessieren. Egon schreibt zunächst etwas über den Verlauf seiner Krankheit, dann noch seinen damaligen Gang zur „Woeste“. Den Brief, den ich an die Kinder geschickt, hätte Elly in den Strumpf gesteckt schreibt er. Zweimal schreibt er mir, daß wir gar keine Späne mehr bekämen. Er und Käte hätten Holz gesägt. Briefe könntet Ihr mir nicht mehr schreiben, weil nur 1 Umschlag da wäre und den Du gebrauchen wolltest. Zuletzt schreibt er noch: Marga pramt [?] sich einen, daß sie ihren Namen so schön geschrieben hat. Marga schreibt mir: Mutter hat sich die Haare anders gemacht und darin sieht sie so spaßig aus. Darauf schreibt sie: Die kleine Katze ist in der Küche und noch verschiedenen Heimlichkeiten, die ich Dir nicht anvertrauen soll. Einige ganz originelle Ausdrücke, nicht wahr? Morgen und übermorgen werde ich den beiden mal eine Karte schreiben. Alber [sic] Rentrop seine Karte lege ich Dir bei. Heute Abend sind unseres Stube ziemlich alle zu Hause und singen so einen nach dem andern, damit die Zeit vergeht. Es ist jetzt 8 Uhr, um 9 Uhr geht’s heute Abend in die Klappe. Wir Unteroffiziere haben ja jeden Abend Urlaub bis 11 Uhr, die Mannschaften bis 9 Uhr. Doch weiß man nicht, was man so recht treiben soll, nur wenn wir Abends mal nach Metz gehen wird es gegen 10 Uhr bis zur Rückkehr, so wie erst gegen 6 Uhr hier weg gehen können, da dann Befehlsausgabe gewesen ist. Die Frankfurter Untfz sind schon zum Teil in Urlaub gewesen, doch haben wir noch mal so weit und können wir unter 1 Woche nicht fahren. Ich kann auch hier telefonisch erreicht werden. Telefon: Feste Manteufel, Metz, Abschnitt 6. Im dringenden Falle könntest Du es mal benutzen. Wenn Du oben im Hause wärest, hätte ich Dich schon mal angerufen. Wenn Du mal anrufen willst, am besten am Tage zwischen 12 und 3 Uhr.
Grüße Alle! Besonders sei Du gegrüßt und geküßt
von Deinem Ernst