Meine liebe Lydia!

Empfing gestern gegen Abend Deinen Brief vom 6. cr. und die beiden beiliegenden Karten von F.W. und P.L. Habe heue morgen bis 10 Uhr geschlafen. Hatte schon Besuch von Wilh. Schnickmann, Altena. Er hatte seinen nachgesuchten Nachurlaub erhalten. 10 Tage, wie ich. Voller Freude kam er aus dem Granatwäldchen zu mir und überbrachte es mir. Ich gönne und verstehe seine Freude, habe ich es doch auch erleben dürfen. Er meinte, ob ich noch was zu bestellen hätte, doch wußte ich nichts. Daß er Dich mal aufsuchte, konnte ich nicht gut verlangen. Ich weiß aus Erfahrung, wie die Zeit immer besetzt ist. Aber Asbeck hofft demnächst auf Urlaub und noch 1 Untfz Rüthe, die wollen Dich mit ihren Bräuten aufsuchen und Dir meine Grüße überbringen. Wollen Dich aber vorher anrufen. Ist alles fix und fertig besprochen nur, die Hauptsache der Urlaub, fehlte noch. Fernsprechnummer haben sie sich schon notiert. Zehn Mann von der Comp. sollen fahren in Kürze, die am wenigsten hier gewesen sind. Und dann noch mal 10 u.s.f. Ob ich noch mal an die Reihe komme? Und noch mal unverhofft bei Dir bin? Fast den ganzen Tag hört man allen Leuten das Urlaubsthema besprechen. Ein Luftschloß wird an das andere gebaut. Du siehst, das [sic] hier mancher erst den Wert der Seinen und der Heimat kennen gelernt hat. Wer möchte aber auch nicht gerne zu den Seinen fahren. Hier in diesen ewigen Stellungskämpfen ist es doch eine angenehme Abwechselung. Viele nervöse Leute werden es nach dem Kriege geben und hat es schon gegeben. Man kann das hier jeden Tag beobachten. Diese Nacht hatte ich Revision von 1 – 5 Uhr. Es war im ersten Teil stockdunkel und brachten nur die beiderseits dann und wann abgeschossenen Leuchtkugeln etwas Licht. Gegen 3 Uhr setzte heftiger Regen ein, der bis gegen 6 Uhr anhielt. Hier im Schützengraben brauchte es eigentlich gar nicht zu regnen, obwohl für die Natur Regen auch hier sehr nötig war. Wahrscheinlich ist auch dort Regenwetter eingetreten.
Nun zu Deinem Briefe. Frau Teutemann hat noch kein Bild vom Grabe bekommen. Husberg als sein nächster Nachbar hat jetzt die Sache in die Hand genommen. Dann ist bei der Trude [?] Machelett doch wenig Hoffnung vorhanden. Es freut mich, daß nur die Kinder zu Eurer Erholung den Sonntag ausgenützt habt. Wenn ich auch nicht jeden Tag etwas bekomme von dort, deshalb schreibe ich doch, weiß ich doch, daß Ihr nicht ständig in Lebensgefahr seid. Ich weiß wohl, daß Du Deine Arbeit zu Hause hast und bin ich auch mit weniger Nachrichten zufrieden. Gestern sah ich in dem Altenaer Kreisblatt die Todes-Anzeige von Ww. H. Mintenbeck. Das wäre das Neuste. Die Nacht bis jetzt ist es hier ausnahmsweise auf beiden Seiten ruhig, Abwechselnd etwas Artilleriekampf und den Wechsel von einigen Gewehrschüssen. Dabei ist es geblieben und hoffentlich bleibt es auch dabei. Wenn möglich morgen mehr. Grüß Remscheids u Elly. Gruß und Kuß auch für unsere Kinder. Besonders grüßt und küßt Dich allerbeste
Dein Ernst.