Meine liebe Lydia!

Mit der Post bekam ich gestern Abend Deinen Brief vom 4. mit Einlagen von Egon u. Marga und dem einliegenden Brief von Raab. Seit gestern bin ich vom Knüppeldamm ins Granatwäldchen gekommen und zwar kam das so: Unser Comp. Führer ist seit einigen Tagen krank, heute aber kommt er wahrscheinlich wieder vertretungsweise. Wir hatten dann gestern und vorgestern 1 anderen Comp. Führer. Dieser ging nun gestern wieder. Unser Leutnant, der den 1.Zug führte, übernimmt bis zur Rückkehr des Comp. Führers, die Compagnie Führung. Ich übernahm dann die Führung des 1. Zuges solange. Gestern Nachmittag hatten wir wie seit langem nicht, einen erquickenden Regen. Es war unnatürlich heiß. Der Regen und das Gewitter haben gut abgekühlt, aber heute morgen ist es schon wieder drückend heiß. Wir haben 1 Zeltbahn über unsern Tisch gespannt, damit die Sonne uns nicht allzu sehr bescheinen kann. Es ist jetzt gleich 9 Uhr. Bis 8 Uhr habe ich geschlafen. Frühstücken will ich nach Beendigung des Briefes. Der Kaffee wird erst gekocht.
Nun zu Deinem Briefe: Du hast aber allerhand Arbeit. Hast Du aber eine Menge Paketchen geschickt. Der Fall mit E. Machelett ist aber sehr traurig. Es ist noch fraglich, ob E. Urlaub bekommt. Besuch sie doch mal! Falls sie sterben sollte, müßt ihr aber, falls es nicht verbeten wird, kondolieren. Laß Dir doch Deinen Zahn ziehen und die Schmerzen bist Du los, oder wenn es geht, laß ihn plombieren. An Otto habe ich zuletzt in meinem Urlaub geschrieben und darauf noch keine Rückantwort erhalten. Nun ist ja die Hauptsache ist ja [sic], daß auch er noch gesund ist. Kannst mir Laura grüßen und ihr meinen Dank für den Glückwunsch aussprechen. Alle übrigen Fragen habe ich bereits schon mittlerweile in meinen früheren Briefen beantwortet.
Nun noch zu dem beiliegenden Ra. Briefe einiges. Du siehst, daß er möglichst die Schuld abschieben will. Etwas Ironie spricht aus seinem letzten Satze, indem er meint ich hätte die Gelder selbst ja in meinem Urlaub flüssig machen können. Er schreibt ja vom Urteil. Wenn es ihm gelingen sollte, ist es wohl am besten, er regelte die Schuppen-Angelegenheit in meinem Sinne mit Enders persönlich. Im übrigen bin ich auch der Meinung, daß am richtigsten ist, wenn wir das Geschäft schließen. Ich will heute R. auch noch darüber schreiben. Und jetzt wollen wir, auch Dich bitte ich, die strittige Angelegenheit, als „aus der Welt geschafft“ betrachten und nichts unversucht lassen, um nun herzliches Einvernehmen zwischen beiden Familien wieder herzustellen. Ich hoffe, daß Raabs ihre Hand dazu auch bieten werden. Ich glaube, beiderseits sind die Meinungen nun offen ganz ausgetauscht worden. Ob es wohl möglich wird, daß wir Egon zu seinem Geburtstage ein Rad schenken können? Oder lassen wir es noch? Kann er dann soviel fahren? Sonst weiß ich nichts Neues. Haltet Euch alle recht gesund und munter. Grüße an Remscheids, Elly, Raabs. So Gott will, morgen aus erster Linie mehr.
Sei Du nun noch besonders herzlich gegrüßt und geküßt, Allerbeste von
Deinem Ernst