Jetzt den versprochenen Sonntagsbrief. Soeben (es ist jetzt 400 Uhr) Postempfang gehabt. Ich bekam: 1 Paketchen mit Butter in Dose, Kaffeetabletten, etc, deinen und Egons Brief vom 1.3. Margas Karte vom 1. und Egons vom 2.3. und von Otto Trimpop 1 Kärtchen. Für alles meinen Dank. Zunächst zur Beantwortung Deiner Briefe folgendes: Mit unserer Menin Ruhe ist es nichts, man hört nichts mehr davon. Die Ungeziefermittel sind wohl ausreichend, haben uns gestern Abend vor dem zu Bette gehen einigermaßen eingepudert, und ich noch dazu den Beutel umgehängt. Jetzt werde sie sich wohl ergeben. Sollten wir mal nach Menin kommen, kannst Du damit rechnen, daß Du ein Bildchen von mir bekommst. Hier ist auch Gelegenheit, kostet jedoch das Bild im Cabinet-Format Stück 1,00 M und das ist mir zu viel, oder bist Du nicht auch der Meinung. Mit Eurer Gartenarbeit scheint ihr ja recht flügge zu sein. Egon schreibt mir doch von seinem Schnee noch. Ist der kl. J. ja wirklich gut geblieben und ganz aus der Art geschlagen. Im Gegensatz zu der Kälte und dem Schnee dort, haben wir hier ziemlich mildes Wetter und viel Regen dabei. Will an Lehrer Hennig mal persönlich schreiben und Dir dann berichten. Den Tod der Frau Brinker teilte mir auch Elise mit, ist auch ein sehr trauriger Fall. Ob Warschau bald fällt, wir nehmen fast alle an, daß es eigentlich gefallen sein sollte. Die Russen sammeln immer noch neue Kräfte. An den Fall Verdun glaube ich garnicht. Obs überhaupt fällt? Es ist alles zu viel für uns. Auf die Verstärkung aus dem Osten wird hier wohl gerechnet. Nun zu Deinem Brief vom 1.3. Die Geldfrage wird er jetzt wohl geregelt haben. Hast Du die Steuererklärung denn eingereicht? Habe heute Raab meine Ansichten auseinander gelegt in meinem Briefe, der mit diesem abgeht. Auch ihn gebeten, Dir den Brief lesen zu lassen, ob ers tut? Elises Forderung soll auf Schuppen Enders umgetragen werden und sie hat dann nichts zu befürchten. Dann soll er 2000 – 3000 M für Euch (beide Familien) bereit halten. Habe ihm geschrieben, er müßte dafür sorgen, und habe ich ihm vorgeschlagen Deine Bücher bei Basse, vom Geld oder Wechsel, von Schröder der ihm was geben muß, einzulösen und Dir einzuhändigen. Du sollst dann unsere berechtigten 500 M rausnehmen, bzw. festhalten und die 180 M Dir am 1 April einzuhändigen. Die 200 M, die er für Miete vom Geschäft bekommt, Dir geben und dann noch die 80 M dazu. Von dem Rest müssen dann beide Familien den Unterhalt vorläufig bestreiten. Es muß dann auf beiden Seiten so viel wie möglich gespart werden und es wird schon gehen. Deine Bücher sind bei Basse mit 2500 M akkrediert. In Wirklichkeit sind es wohl rund 3000 M. Du hättest die 500 M darüber und die 500 M die uns vorab zustehen, dann mehr. Die Der (Hälfte) Rest müßte dann geteilt Dir und Clara zur Verfügung stehen. Alle anderen müssen dann mal warten. Auch ein für mich einzureichendes Gesuch habe ich ihm in den Grundsätzen angegeben, im Falle seines keinen Erfolg hat. Eines von beiden wird dann doch wohl Erfolg haben. Die Kinder sollen weiter lernen und können es auch. Im schlimmsten Falle, haben wir ja noch die Lebensversicherung. Hier können wir auch 1000 – 1500 M von der Versicherung bekommen, oder bei der Bank. Dies wollen wir jedoch nur im alleräußersten Falle tun. Ganz können wir die Bücher nicht für uns beanspruchen, da er ja auch so viel verpfändet hat, wie wir.
Hypothek E. Schulte 2000 M, Grundstück 1000 M. Du machst Dir zu viel Gedanken. Es ist dies eine vorübergehende Krisis, die durch den Krieg herbeigeführt ist. Unsere Lage ist doch sonst gut, wenn wir Schulden hätten, stände die Sache anders. Daß wir Enders den Schuppen schenken, sehe ich nicht ein, den Willen sollen sie nicht haben. Ich verdenke dies gewiß nicht und kann mich in Deine Lage gut reindenken. Könnten wir mündlich machen, wäre die Sache anders. Gewiß spüren man [sic] in solcher Lage die Trennung am schwersten. Hoffentlich, wie manchmal haben wir dieses Wörtchen schon geschrieben, geht der unselige Krieg bald zu Ende und wird sich dann alles vor und nach wieder einrenken. Raab muß nun alles sofort, so schnell wie möglich bewerkstelligen, da seine Einberufung evtl. jeden [Tag] erfolgen kann. Dies habe ich ihm auch geschrieben. Hoffentlich kannst Du Dich nun etwas beruhigen. Meine Vorschläge werden sich durchführen lassen. – Nun mal zu etwas anderem. Du meinst Du schreibst jeden Tag 4 Seiten voll als Brief und ich: 8 Seiten, nicht wahr. Also bin ich immer der fleißigste, wie immer wirst Du denken. Allerdings Egon schreibt alles so genau, sodaß ich gewissermaßen mit euch leben kann. Ich mache es doch auch so? Diese Verbindung mit Hause giebt mir und auch den anderen immer wieder neuen Mut zum Durchhalten.
Der gestern angesagte oder besser angekündigte Apell fiel aus. Heute Vormittag war ich zur Kirche. Habe, da ich weit von der Kanzel abstand, allerdings recht wenig von der Predigt verstanden. Um 200 was Apell in Gewehren und Seitengewehren. Um 530, jetzt ist es 515, Apell in Kochgeschirren und Brotbeutel. Morgen früh um 650 Antreten zum Scharf-Uebungsschießen. Weiter ist uns noch kein Dienst bekannt gegeben. Sonst wüßte ich auch nichts mehr von Belang. Habe Raabs Brief schon fertig. Jetzt will ich noch an Elinghausen und Hening nach dem Apell schreiben. Und dann ist es mittlerweile Zeit ins Bett zu gehen. Also Gott befohlen. Herzlichen Gruß und Kuß für Dich Allerliebste
Dein Ernst.
Gruß an unsere l. Kinder und Elly!
Gruß auch an Remscheids.