Meine liebe Lydia!
Heute von der Reservestellung einen Brief. Daß ich Deinen Brief vom 3. cr. erhalten habe und auch ein Paketchen mit Wurst von Wiblingwerde, habe ich Dir wohl bereits von Werwick mitgeteilt. Gestern wollte ich Dir schon schreiben, hatte jedoch die 2 Tage recht viel um die Hand und habe heute ein Stündchen zum Schreiben frei gemacht. Habe nämlich hier einen 4 sitzigen Abort bauen lassen mit meinen Leuten. Und das ist nicht so einfach. Erstens hat man keine geschulten Leute und zweitens muß man alles Holz dazu stehlen, d.h. von zerschossenen Häusern und aus dem Walde nehmen, dann fehlt noch zu guterletzt, daß unentbehrliche Werkzeug. Aber ist fertig geworden und für den Krieg ganz gut. Du siehst also, daß ich allerhand gemacht habe. Zunächst zur Beantwortung Deines l. Briefes folgendes: Nachricht hast Du jedenfalls nach dem 19/2 von mir in den Händen. Von Schröder ist ja jetzt Geld reingekommen. Hoffentlich bist Du denn versorgt. Isenburgs haben jedenfalls gehört, daß [ich] in Urlaub gewesen und auch keinen Besuch gemacht habe und Du bist ja auch noch nicht dagewesen. Mit dem Neuhaus auch ein trauriger Fall. Ueberall Unglück wo man hinsieht. Liesen ist dann wirklich fein raus. Soll mich wundern, ob Raab weg muß. In dem Falle müßte ein Gesuch eingereicht werden für mich, vielleicht hat es doch Erfolg, Welches die zuständige Stelle ist, weiß ich wirklich selber nicht. Hatte R. geschrieben, er sollte mal am Bezirkskommando sich befragen. Enders, bzw. Humpert würde es evtl. auch sagen können, da die sehr viel Gesuche gemacht haben. Morgen früh gehts auf 2 Tage in die vorderste Linie. Ob wir nach Werwick oder Corteville in Ruhe kommen, weiß ich noch nicht, jedenfalls in Corteville. Den letzten Tag in Werwick hatten scharfschießen als Uebung, rückten dazu 650 V[ormittag] aus und waren um 1100 wieder zurück; dann war nach 345 N[achmittag] Exerzieren auf eine Stunde. Im Anschluß daran wurde die Comp. für den Schützengraben eingeteilt. Um700 war Postempfang. Um 100 Nachts wurde geweckt und um 215 war Abmarsch. Um 6 Ihr waren wir hier. Um 9 Uhr begann dann meine Dir genannte Tätigkeit. In Werwick kamen ca. 60 Mann von uns ins Lazarett die mit Krätze und Läuse behaftet waren. Heute, vor einer Stunde sind die wiedergekommen. Du meinst, hier wäre schon Frühling. Nun gestern hat es noch tüchtig geschneit. Ich glaube, daß es hier gar nicht mal früher ist wie dort, trotz des milden Winters. Sonst nichts Neues. Den ersten Tag in Ruhe, dann mehr. Grüße unsere l. Kinder und Elly. Auch Remscheids. Nun mit Gott, und herzlichste Grüße und Küsse für Dich, allerbeste
Dein Ernst.
Husberg liegt auch hier, sprach soeben mit ihm.