Meine liebe Lydia!

Gestern Abend empfing ich Deinen Brief vom 2.6., außerdem den einliegenden Brief von Carl Gerlach und die Karte von Erich. Wollte gestern noch schreiben, bin aber nicht dazu gekommen. Vormittags habe ich erst geschlafen bis um 9 Uhr. Um 10 Uhr war Kirchgang. Am Nachmittag hatten wir noch 2 Apells und Compagnie Einteilung. Gegen 6 Uhr war Postempfang. Dann war Speckenbach noch bis 9 Uhr bei mir. Dann war es Zeit ins Bett, um 1 Uhr war die Nacht rum. Um 230 marschierten wir ab und waren gegen 5 Uhr hier. Habe dann noch mal geschlafen bis gegen 10 Uhr. Jetzt ist es gleich 12 Uhr. An Carl Gerlach und Erich habe ich dann eine Karte geschrieben. So nun weißt Du mein Tageswerk ausführlich. Etwas besonderes hat sich hier nicht ereignet. Es ist hier kolossal warm. Nun zu Deinem Briefe. Die Adresse von Res. Drees soll nur 1 Vorsichtsmaßregel sein. Unser aller Leben steht ja in Gottes Hand und er wird ja auch wissen, was am besten für uns ist. In dieser ernsten Zeit muß man neu lernen, alles ertragen zu können, auch das Schlimmste. Die beiden Wüst kannte ich, waren nette Jungens. Wüst ist ein Kunde von uns und wohnt gegenüber von Jüngermann. Es ist gewiß eine harte Prüfung für die Familie. Diedr. Rahmede hatte schon immer schlechte Zähne. Hier sind auch manche die an Zähnen operiert werden.
Wegen dem Schuppen Enders haben ich gestern an Raab geschrieben und ihn gefragt, ob wir ihnen (Enders) den Schuppen für 5500 M noch mal anbieten sollten. Das sind M 500 mehr als wie die geben wollen. Daß Clara so sprechen kann, ist mir unverständlich. Gewiß es wird manche Schwierigkeit zu überwinden sein. Aber kommen wir beide zurück muß alles glatt gehen. Man muß sich dann aber nach der Decke strecken und einrichten lernen. Darüber wollen wir uns jetzt keine Gedanken machen. Vorläufig muß die Sache mal ruhig ihren Lauf nehmen und mit dem trösten, die auch so vom Kriege in Mitleidenschaft gezogen werden. Schulden haben wir in Wirklichkeit doch keine. Das Geld liegt eben fest. Also auch da Kopf hoch und Geduld. Aber vom Schlafe sollst Du Dir meinethalben nichts abziehen. Ich sehe, Du hast den Brief erst um 11 Uhr beendet. Du wirst mir sonst noch krank, nur ich könnte dann keine ruhige Stunde frei haben. Ich bin evtl in einem Falle, wenn Du keine Zeit hast, mit einem Kärtchen zufrieden.
Ich schrieb Dir, die Muhler hätten Butter geschickt, aber es war mindesten 1 ȹ Apfel-Gelee. Großartig was? Jetzt weiß ich aber nichts Neues mehr. Morgen so Gott will mehr. Für heute nun Schluß. Gruß an Remscheids, Elly, Klara, Adele! Gruß und Kuß auch für unsere lieben Beiden.
Besonders herzl. Gruß und Kuß für Dich allerliebste
Dein Ernst