rueckseite vorderseite

Als ich aus meinem Urlaub zurück an meine Arbeitsstelle kam, lag da eine Postkarte, die an mich adressiert war:

Lieber Urenkel

herzliche Grüße aus dem
Fort Belfort wo wir dieser
Tage stationiert sind.
Ich denke oft an meine Lieben
zu Hause.
Inzwischen müsstest du ja schon
sehr viele Briefe von mir erhalten haben
Dein Urgroßvater E. Trimpop

 

Abgestempelt als carte postal militaire – vielen Dank für diese Karte!

sterbeurkunde
Sterbeurkunde – ausgestellt am 8. März 1916
rentenbescheid
936 Mark jährlich – monatliche Rente von 78 Mark

 

sterbetafel_oberrahmede
„Wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen.“
ernst_trimpop
Nachforschungsauftrag beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
lydia
Lydia ca. 1924 (*1880 – † 1956)
egon
Egon 1917 (*1903 – † 1944)
marga
Marga 1918 (*1905 – † 1972)

Weitere Soldatenschicksale aus dem 1. Weltkrieg werden von Stéphanie Trouillard auf Twitter zusammengestellt.

Meine liebe Lydia!

Gestern Nachmittag war ich nach W. Um ½ 3 Uhr gingen wir hin, bzw. von C. weg und um 7 Uhr mußten wir wieder zurück sein. Ein Kartengruß dürfte (Euch) Dir schon daher zugegangen sein, den wir im Soldatenheim losließen. Links von uns fanden unsrerseits gestern Abend einige Sprengungen statt und setzt infolgedessen lebhaftes Feuer ein. Näheres weiß ich darüber nicht. Sonst ist alles in gewohnter Weise. Leider verloren wir vorgestern einen Doppeldecker. Durch Abschuß geriet er in Englische Bereitschaft. Ich sah noch wie eine Flamme herausschlug, sich dann überschlug und dann noch verhältnismäßig ruhig niederging. Einer der Piloten soll allerdings wie gesagt wird herausgeschleudert sein. Beiliegend findest Du ein Bild von dem Grabe Teutemann. Es ist nicht besonders gut geraten. Ein anderes Grab ist gerade vor seinem Grab und sieht man daher auf dem Bilde noch ein zweites kleines Kreuz. Dann liegt ein Blatt der Kriegszeitung bei. Darin findest Du eine englische Abhandlung über die Kämpfe um Höhe 60, wo auch unser Regiment mitwirkte. Hebe den Artikel mal auf. Mit der Post bekam ich gestern eine Karte von O.W., der jetzt in Ausbildung in Döberitz ist, und Margas Karte vom 23. Um 3 Uhr diesen morgen haben wir abgelöst. Husberg war auch diesen morgen schon bei mir, seine Comp. liegt ebenfalls hier am Knüppeldamm. Schröter Lüdenscheid besuchten wir auch vorhin. Der fährt heute Nachmittag in Urlaub. Augenblicklich ist es gehörig am regnen und uns ziemlich kühl dabei. Ich sah gestern, daß man hier schon tüchtig mit der Ernte begonnen hat. Roggen steht meistens schon in Haufen und auch mit dem Mähen der Hafer ist begonnen. Es ist hier doch bedeutend früher wie zu Hause. Flachs wird auch geschnitten. Wie ich so alles beurteilen kann, giebt es eine gute Ernte. Unser selbst gekochtes Mittagessen schmeckte ganz vorzüglich gestern. Was wir gekriegt haben, hatte ich Dir gestern schon geschrieben.
Nun weiß ich nichts Neues mehr. Heute werde ich wohl Post von Dir bekommen und dann habe ich wieder besser Stoff zum Schreiben. Grüße mir Remscheids, Elly und unsere l. Beiden.
Besonders sei Du, allerbeste, herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem
Ernst!
Wollte mich gestern in W. abnehmen lassen. Doch war der Bildermacher nicht da. So muß ich es noch ein paar Tage aufschieben.

M. l. Lydia!

Aus dem Soldatenheim in Werwick, bei einem guten Glase deutschen Bieres und aus dem Kreise einiger Kameraden sendet Dir herzl. Grüße
Dein Ernst
Grüße Carl Speckenbach.
Es erlaubt sich die herzl. Grüße zu senden C. Brakelmann.
Viele Grüße unbekannt Unteroffz Volz, genant d. l. Willy
Brauckenmüller
NB: Grüße unsere l. Beiden!

Meine liebe Lydia!

Heute schon wieder einen Brief. Es ist zwar Montag und doch eigentlich Sonntag für uns, weil diesen morgen um 8 Uhr schon Gottesdienst durch einen kath. Pfarrer. Er sprach sehr eindrucksvoll. Mit dem Liede: Großer Gott wie loben dich begann der Gottesdienst und endete mit: Deutschland, Deutschland über alles. Im Anschluß verlas der Pfarrer für die kath. Mannschaften, die evangelischen konnten abtreten, noch eine Messe. Auf fiel mir, daß er 2mal das „Unser Vater“ betete, einmal für uns und einmal für unsere lieben [sic] in der Heimat, und dabei den Schluß des Gebetes, denn dein ist das Reich , u.s.w. wegließ. Die Katholiken kennen das wohl nicht anders. Jetzt ist es 10 Uhr durch. Diesen Morgen war ich schon auf ein paar Minuten bei Speckenbach. Nach W… wollen wir heute Nachmittag, gestern hatte er keine Zeit. Die Comp. hat Dienst Zielen. Ich war auch mit angetreten. Der Comp. Führer hieß mich wieder wegtreten und sagte, zu diesen kleinen Diensten brauchte ich gar nicht erst zu kommen. Sehr freundlich, nicht wahr! Ich werde mich in Zukunft gerne darnach richten. Daher kann ich Dir jetzt in Ruhe diesen Brief schreiben. Denn wenn alle hier sind, ist es manchmal nicht so ganz ruhig. Denke Dir, alles junges Blut im Höchstalter von 26 Jahren. Ich bin als „Alter“ da ganz allein zwischen, aber im übrigen komme ich ganz gut aus. Ich muß sagen so etwas Respekt macht der Bart doch. – Gestern erhielt ich deinen „ausnahmsweisen“ kleinen Brief vom 22ten und das Paket mit Kuchen, Bonbons etc. Der Kuchen hat gut gemundet und habe ich ihn gestern Nachmittag und diesen morgen Brief zum Kaffee gegessen. Und ihr, im Frauenverein, wollt schon wieder für die Soldaten zum Winterfeldzug arbeiten. Gewiß ganz schön, aber wir möchten den Winter nicht noch mal durchkosten und vorher Frieden haben. Doch Vorsorge ist nötig. Ich muß sagen, daß in letzter Zeit sonst viel Wäsche: wie Hemden, Unterhosen, Strümpfe in der Comp. reingekommen sind. Ueberhaupt fast die ganze Compagnie fast neu eingekleidet sind. Du solltest mich jetzt mal sehen in meiner ganz neuen Kleidung, so gut, als wie zu Beginn des Krieges. Viel zu gut für den Schützengraben. Ich denke R. wird wohl das allernötigste regeln können, viel ist ja in 3 Tagen nicht zu machen. Bei nächster Gelegenheit werde ich noch einmal Bilder machen lassen und sollen dann Elinghaus dann auch eins haben und dann mit Augen. Morgen früh geht es dann voraussichtlich wieder in den Schützengraben, vielmehr erst an den Knüppeldamm. Nun weiß ich aber auch bald nichts Neues mehr. Wie sieht das denn mit Gartenfristen aus? Ist alles gut geraten. Frische Kartoffeln habt Ihr doch gewiß auch schon gehabt? Heute Mittag wollen wir uns auch mal wieder etwas Kartoffeln kochen. Bohnen, die einer geschickt bekommen hat, und 2 Konservenbüchsen dazu warm machen. Wie es dann geschmeckt hatte, schreibe ich Dir morgen. 10 ȹ Kartoffeln kauften wir und zu 6 ₰ pro Pfund bei einem Bauern auf dem Gehöft. Die Leute hier so dicht hinter der Front können wir wirklich nicht von Barbaren sprechen. Alles was genommen wird, wird bezahlt und das ganze Vieh hat man ihm gelassen (8 Kühe). Unsere Feinde würde es wohl nicht getan haben. Nun grüße Remscheids, unsere l. Beiden. Besonders sei Du allerbeste herzlichst gegrüßt und gek[üßt] von
Deinem Ernst

Meine liebe Lydia!

Heute wieder Sonntag. Lange Zeit außerhalb der Stellung verbracht. An Dienst fehlte es heute auch nicht. Seit acht Uhr ist so ziemlich ständig Dienst gewesen, wenigstens hier wir immer auf den Beinen gewesen. Es ist jetzt gleich 1 Uhr. Erst war Gewehrreinigen, dann Apell damit, dann wurden wieder Sachen verpaßt. Die ganze Comp. ist jetzt so ziemlich gut und neu eingekleidet. Ich habe auch wieder einen nagelneuen Rock bekommen. Den meinen hat dann wieder ein anderer bekommen. Heute Nachmittag ist noch nach 4 Uhr 2 mal Apell. Es heißt wir hätten morgen Besichtigung und exerzieren im Batl. Ich dachte heute wäre Gottesdienst gewesen, es wird aber wohl der Pfarrer nicht frei sein. Gestern eröffnete der jetzige Comp. Führer ein Herr Lt. Teigmann, daß er ständig jetzt unserer Comp. führe, unser in Urlaub gefahrener bisherige Comp. Führer käme nicht wieder. Er wird sich wohl nach meiner Ansicht krank gemeldet haben, es soll aber auch seitens der Regiments-Führer etwas gegen ihn im Schilde gewesen sein. Er hätte es nämlich an der Manier, hier und da einen Mann ins Gesicht zu schlagen und ist letztens ein Mann daher weggelaufen und mußte zurückgeholt werden. Zu so etwas darf ein Mann sich nicht hinreißen lassen. Es wird nur zu oft außer acht gelassen und nicht bedacht, zu welchem Zwecke wir alle hier sind. Unser jetzige Comp. Führer ist aktiv, war schon in Südwestafrika und glaube ich, daß mit ihm auszukommen ist. Heute Nachmittag wollte ich nach 4 Uhr noch mit Speckenbach nach Werwick. Der will oder muß seine Löhnung dort holen, weil die Comp. dort in Ruhe liegt. Ob es nun was giebt weiß ich noch nicht; es geht drum, ob mich der Comp. Führer vom Dienste befreit. Auch des Wetters wegen ist es noch fraglich. Den ganzen Tag sind vereinzelt starke Regenschauer mit Gewitter im Gange. Die nächste Ruhe soll unsere Comp. auch in W. haben. – Gestern bekam ich Morgens 1 Paket von Muhle (das habe ich wohl schon geschrieben), 2 Paketchen von Dir, eines mit der Leberwurstbüchse, eines mit Stachelbeeren und das dritte von Hedw. Wendel mit 10 Cygarren. Die Leberwurstbüchse wäre eigentlich nicht nötig gewesen, da wir doch sparen wollen. Ich bekomme ja so reichlich zu essen. Die Stachelbeeren haben mit gut gemundet, einige waren da allerdings etwas faul geworden. Die Leberwurstbüchse will ich mit in den Graben nehmen. Also ich bitte dich noch mal, schicke mir keine Lebensmittel, ich habe wirklich reichlich genug. Wenn Du mir nun so gerne schickst, ich habe ja auch am liebsten was von Dir, dann schicke mir ab und zu einig[e] Zigarren, aber keinen Tabak, der ist genügend immer da. Und Raab ist schon wieder in Urlaub, ist es vielleicht der Urlaub vor seinem Ausrücken? Es ist gut, dann wird er wohl die schwebenden Differenzen mit dem Bauverein ausgleichen und auch mit Dr. Hofmann und Enders, es geht drum ob die letzten Arbeiten so weit fertig sind, abrechnen können und Dir und Clara auch noch etwas Geld überweisen können. Du schreibst in einem Deiner Briefe von dem Unterbringen der Kinder auf einige Tage in den Ferien. Das könnte nur bei Elise, deinem Vater oder in Hohenlimburg sein. Ich möchte es ganz gerne, gut wäre es. Sieh mal zu. Nun für heute genug. Nun besieh Dir mal diese eng beschriebenen Zeilen. Jetzt muß ich mich aber auch selber loben. Grüße Remscheids, Elly, und unsere l. Beiden. Besonders Du allerbeste, herzl. gegrüßt und geküßt von Deinem Ernst.
Dies soll unser 16te Com. Führer sein, allerhand. Den Russensieg von gestern wirst Du ja wissen. Wieder 27000 Gefangene. Manchmal meint man, wenn man die Blätter so liest, es müßte bald Friede sein, und dann auf einmal sieht man keine Änderung. Eben haben wir uns 1 Kochgeschirr mit Cytronenwasser angesetzt (von Herberg). Das Fläschchen kann ich nicht retour schicken, keine Gelegenheit.
Wenn die kleinen Beiden aus der Nähe [?] hier erhalten, teile mir das eben mit, ich möchte gerne wissen, ob die übergekommen sind.

Mein liebes Märgelchen!

Erhielt auch Deine Zeilen, die Du in dem Brief von Egon geschrieben hattest. Bist Du auch froh, daß es bald Ferien gibt? Gut, daß Ihr noch alle recht gesund seid. Grüße mir Mütterchen und Egon, auch Remscheids. Heute ist Sonntag, es ist ½ 1 Uhr jetzt. Was mögt Ihr morgen machen? Wir haben ziemlich Dienst.
Sei Gott befohlen und herzlichst gegrüßt und gek[üßt] von Deinem Väterchen.
[Am Rande] Egons Karte vom 21. bekam ich gestern.
[Vorderseite der Karte:]
Deutschland, so voll Mut und Mark, Bist du einig, bist du stark!

Meine liebe Lydia!

Gestern bekam ich mit der Post Deinen Brief vom 20 ds Mts und Egons Karte. Heute bekam ich Dein Paketchen mit Butter, Chokolade und Zwiebrühe [sic], ebenso das 2te Paket von Muhle mit Suppenwürfeln und mindestens 1 vtl [= viertel?] Plockwurst. Über die Muhler muß ich mich wirklich wundern, denn man muß bedenken, daß von der anderen Seite doch auch 4 Mann im Felde stehen. Die Butter war noch ganz schön erhalten. Diesen morgen sind wir mal wieder auf 3 Tage nach hier gekommen. Liegen aber jetzt auf einem Gehöfte etwas von dem eigentlichen Dorfe entfernt, auch in Baracken. Die Urlauber, die gestern fahren sollten, sind noch bis zum 28ten zurückgehalten worden, da die Transporte Regimentsweise erfolgen. Es soll auch wie es heißt auch noch 2 Tage für die Fahrt zugegeben werden. Schröter Lüdenscheid, der in der alten Schützenhalle wohnt, ist in Urlaub. Speckenbach sagte, den ich heute morgen besuchte, daß er bei der 4.Rate sei, dürfte demnach ungefähr im halben August heim. Nun zu Deinem Briefe. Heinrich wird es dann wohl ohne Frage gelingen, daß er nicht eingezogen wird. Soll mich auch wundern, ob sie Schlüter mit seinen schlechten Augen halten. So nötig ist es doch nicht, wie Du meinst, mit dem einrichten. Gewiß es giebt und sind allerhand Aufgaben die Du mir da aufzählst. Davon können und werden wir auch wohl am besten die Lebensversicherung ausfallen lassen. Ich dachte auch, man sollte auch wegen einer Mietsbeihülfe, wie es ja andere auch tun, bei dem Amte Lüdenscheid einkommen. Vielleicht sprichst Du mal mit Schulte, wenn Du das Geld abholst. Oder wenn Raab vor mir noch einmal Urlaub bekommen sollte, könnte der sich ja mal darnach befragen, da er es für sich gewiß auch verwenden kann. Oder Du sprichst mal mit Wilh. darüber. Sieh mal zu, ich weiß auch nicht wie das am besten in die Weg zu leiten ist. Was Lemmer da und auch Feldmann, in der Rahmede als Mängel festgestellt haben, ist einfach lächerlich. In diesem Falle hat Raab doch Recht, die hohl gemauerten Teile sind durch Luftschichtanker befestigt und werden immer voll bezahlt. Ich weiß ja nicht, ob Raab direkt ohne mich mit zu befragen auf den Brief antwortet, sonst wollen wir Ihnen, dem Bauverein, am besten schreiben, vorläufig könnten wir nichts in der Sache tun und möchten erst mal den Krieg abwarten. Am besten wäre es schon, wenn Wengenroth einfach die Sache hinwerfen würde. Hast Du denn Klara gesagt, ich schickte garnichts? Wissen wird sie es doch wohl, denn Aug. Inacker ist gut mit Raab befreundet. Heute oder morgen schicke ich auch noch mal 30 oder 35 M. Mach Dir nur keine Gedanken, kommt Zeit, kommt Rat. Bis jetzt haben wir immer noch früh genug sorgen können. Im Geschäft wird doch auch noch was einkommen und ewig wird und kann der Krieg doch nicht dauern. Viele Leute sind noch übler dran als wir. – Ob wir vordringen, weiß ich wirklich auch nicht. Es sollen Truppen angekommen sein, wo die aber sind weiß ich wirklich auch nicht. Wir sind ein Zahn in einer großen Maschine und wenn die sich in Bewegung setzt müssen wir auch mit. Jetzt wirst Du aber nicht mehr sagen können, ich schrieb kurze Briefe! Deinen Ruf in Urlaub zu kommen, möchte ich nur zu gerne Folge leisten, aber – und das Trennungsweh und Du willst mich nicht gehen lassen, ja Kind, das wird und ist mir auch damals schon schwer geworden. Wenn das harte „muß“ nicht wäre, ich hätte es auch nicht fertig gebracht. Nun genug für heute. So Gott will morgen mehr. Grüße mir unsere lieben Beiden und sei Du, Allerbeste, besonders herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem Ernst.
Es ist gleich 4 Uhr nachmittags . Eben ist Gewehrapell gewesen und jetzt ist die Comp. zum Baden. Morgen ist Sonntag und ist wahrscheinlich Gottesdienst. Ich es sind schon bald 6 Wochen her als wir zum letzten Mal Gottesdienst hatten. Die vergangene Nacht verlief ziemlich ruhig. Verluste hatten wie weiter keine.
Die Gaze, die Du mir zum Zudecken geschickt hast, bewährt sich. Wir haben soviel Fliegen überall wie die Euren zu Hause in der Küche. Den Schwarm kannst Du Dir denken. Jetzt will ich den Muhlern noch 1 Kärtchen schreiben und den Empfang bestätigen und dann noch vielleicht noch einen Brief für die Hohenlimburger.
Speckenbach will mich auch noch nachher besuchen.

Meine liebe Lydia!

Gestern Abend bekam ich mit der Post Deinen langen Sonntagsbrief, Egons Brief, 1 Karte von C.W. und eine von Ida W. und noch 1 Briefchen von Lisette aus Wiblingwerde, allerhand was.
Zunächst meine Erlebnisse bis heute. Es ist 2 Uhr jetzt. Die Nacht hatte ich Dienst von 9 – 1 Uhr. Es hat fast die ganze Nacht durch geregnet und auch heute morgen, es ist daher so richtiger Schlamm hier, alles nimmt sich auf. Es war die Nacht sonst ziemlich ruhig. Gestern am Tage hatten wir 2 Leichtverwundete, 2 aktive. Der eine bekam einen Bauchstreifschuß und der andere einen Handgelenk Schuß. Von ein Uhr ab habe ich dann geschlafen bis um 9 diesen morgen, dann gefrühstückt. Wie ich eben mit dem Frühstück fertig war, bekam ich Besuch aus der Nachbar-Compagnie: Husberg. Er ist zum Vizefeldwebel befördert. Haben uns dann noch so über allerlei unterhalten, dabei eine Cygarre geraucht. Und so war es mittlerweile 11 Uhr geworden. Husberg verabschiedete sich dann. Die haben in der Comp. während der Tage 1 Toten und 7 Verwundete gehabt. Nun war es Zeit für mich, mich mal nach meinen Arbeitsgruppen, die schon seit 8 Uhr tätig waren, umzusehen. Dann bin ich umgezogen. Müller ist nämlich heute morgen zurückgegangen, um mal 14 Tage in Urlaub zu gehen, nun führe ich den 2.Zug. Unser Comp. Führer ist ebenfalls gegangen. Haben solange einen Vertreter für den aus einer anderen Comp. bekommen. Und so mußte ich mich in die Deckung, welche Müller innegehabt begeben. Heute fährt die 3. Rate. Sonst wüßte ich nichts Besonderes. Nun zu Deinem Briefe. Du wirst mir doch ja nicht ernstlich krank werden wollen. Laß Dich der Vorsicht halber mal von Dr Simon untersuchen. Und wenn Dir die Arbeit zu viel wird, schreibe Elise, daß sie hilft. Egon und Marga haben dann auch wohl etwas in der Haut. Letztere schrieb neulich auf einer Karte, alle Leute sagten ihr, sie sähe so blaß aus. Ich werde mich dann wohl noch einmal abnehmen lassen müssen, wenn Schmeling auch noch ein Bild haben soll oder will. Elinghaus wollen auch eins. Ich weiß nur noch nicht wann und wo. Betreffs der Gesimse am Bauverein hat Lemmer früher schon reklamiert. Seinerzeit ist dem Vorstande, ich glaube Humpert [?] mündlich von mir gesagt worden, daß statt der Unterbekleidung aus Holz, Putz genommen werden solle. Es ist möglich, daß Ra. auch drum wußte. Im übrigen können mich wirklich die Anzapfungen von Lemmer nicht aus der Ruhe bringen. Meine Meinung darüber ist: Solange wir hier im Felde stehen und gewiß auch unsere Haut für alle zu Hause gebliebenen zu Markte tragen, sollte der Bauverein wenigstens soviel Anstand besitzen und uns mit Kleinigkeiten, die nur der Konkurrenzneid schafft, nicht belästigen. Ich glaube doch, das sollte der Bauverein wissen, daß wir bei Ausbruch des Krieges auf die Ausführung des 3. Baues vorläufig verzichteten und es auch nicht nötig hatten. Und so sollte eine Hand die andere waschen. Sonst sollten die Leute, die vielleicht so was, wie etwas Mitleid ansehen, einfach mal hier an die Front kommen. Ich bin Bürge dafür, daß sie andere Gedanken bekämen. Also laß es gut sein, rege Dich nur nicht [?] über derartige Sachen auf, sie verdienen es wirklich nicht. Und nach dem Kriege ist noch Zeit genug, uns darüber zu unterhalten. Ich glaube auch, daß der Krieg in mancher Beziehung etwas viel im Gefolge hat und noch manche dunkle Sache aufhellt. Vorläufig ist es unsere Pflicht hier, und alles muß zurücktreten, seinen ganzen Mann zu stellen, damit der ersehnte Frieden herbeikommt. Wenn, ich wieder da bin, ich hoffe es zu Gott, wird alles geregelt werden können. Meine Kamelhaarjacke habe ich nicht mehr, mein Drees hat sie einmal in W. vergessen einzupacken und weg war sie. Es ist uns aber auch so übrig warm genug. Man ist ziemlich abgehärtet, dazu haben wir noch alle unsere Schlafdecke zum Zudecken des Nachts. Unser Egon scheint dann ja mal wieder seine frühere Beschäftigung gerne tun so wollen. Wenn ich mal zu Dir komme, Du verwehrst es mir doch nicht, oder doch? Laß Grete nur ruhig Egon ein paar Stunden geben, ich glaube, daß der Pastor nicht energisch genug ist. Man hat doch gesehen, damals an seinen eigenen Verwandten. Kauft Grete ja ein Geschenk dafür nachher. So Almosen zu nehmen brauchen wir nun doch noch nicht. Es waren konserviert weiße Bohnen direkt zum Essen fertig in der geschickten Büchse. Nun kannst Du heute aber nicht sagen, ich hätte immer so kleine Bogen und noch nicht voll! Ich schreibe auch viel enger und mehr wie Du. Also hübsch zufrieden sein, diesmal habe ich Recht. Grüße unsere l. Beiden und auch sonstigen Bekannten. Besonders sei Du, allerbeste, herzlichst gegrüßt und geküßt von
Deinem Ernst
Meine [g?]ersten Gerstenkörner sind fast weg. Also mach auch Du, daß Du gesund wirst!
Von Wilh. Isenburg habe ich keine Antwort auf meine letzte Karte bekommen. Hast Du etwas von ihm gehört und von Carl? Lisettchen will ich noch mal 1 Briefchen schreiben weil sie so sehr drum bittet.

Meine liebe Lydia!

Gestern bekam ich von Dir keine Post, doch ein Paket mit Tabak und Cygarren. – Heute sind wir den ersten Tag wieder in vorderster Stellung. Um 5 Uhr gelangten wir wieder hier an, in unserer alten Stellung. Neues ist eigentlich gar nichts passiert. Die Urlauber sind gestern alle wieder zurückgekehrt. Husberg ist auch wieder da, er soll auch während seines Urlaubs zum Vizefeldwebel befördert sein. Die Comp. liegt direkt neben uns. Vielleicht treffe ich ihn. Die Hohenlimburger haben ihrem Schreiben nach meinen Brief nicht bekommen.
Wußtest Du schon, daß Herm Ide gefallen ist? Der war doch auch noch jung verheiratet. Auch traurig. Ich habe heute wieder meinen alten Dienst. Augenblicklich mache ich Arbeiten zu meinem Unterstande für mich und meinen Drees. Etwas will ich auch von dem Posten haben, und nicht allein für andere was machen. Beiliegend schicke ich noch mal einige Abbildungen aus meinem Dorfe nahe von Cortewilde [sic]. Hebe sie als Andenken gut auf. So ähnlich sehen hier alle Häuser aus die in dem Feuerbereich liegen, kannst Dir so eine kleine Vorstellung davon machen. Jetzt will ich den Hohenlimburgern noch einen kurzen Brief schreiben und den Muhlern den Erhalt des Paketes mitteilen. Ich übe jetzt Steilschrift wie Du siehst. Unser Comp. Chef sagt, die Schrift wäre dann leserlicher. Ich muß den ersten und den letzten Tag während der Stellung einen Bericht für das Batl. über meine Tätigkeit als Comp. Bauführer machen. Heute ist es wieder zum ersten male so recht heiß. Soll mich denn doch mal wundern, ob Emil auch noch weg muß. Nun für heute genug. Grüße mir Remscheids, Raabs, auch usnere lieben Beiden.
Besonders sei Du, allerbeste herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem Ernst.